Prolog: Hamburg – Marrakesch – München

Das Reeperbahnfestival in Hamburg und die Mathekonferenz in Marrakesch (Marokko) waren schon lange vor der Entscheidung für die große Reise geplant. Zusammen mit einem überfälligen Besuch in München wurde der Trip zur Generalprobe, wenn auch unter vereinfachten Bedingungen.

Los ging es Donnerstags morgens mit dem ICE nach Hamburg. Zufällig waren die lieben Nachbarn aus Halle, die lange in Hamburg lebten, an dem Tag auch in der Stadt. So wurde ich vom Bahnhof abgeholt und sie boten mir eine kleine Stadtrundfahrt. Hamburg, meine Perle. Wunderschön die Stadt. Tolle Architektur, viel Wasser, schöne Menschen. Wer die Reeperbahn auf St. Pauli nicht kennt: unzählige Kneipen, Theater, Restaurants, Imbisse, Striplokale, Puffs, Polizei und bis früh morgens alles voll mit feiernden Leuten. Trotzdem geht es noch relativ geordnet zu. Das Millerntorstadion ist gleich nebenan, mitten in der City, leider war an dem Wochenende ein Auswärtsspiel. Beim Reeperbahnfestival spielen viele eher unbekannte Bands in Läden rund um die Reeperbahn herum. Es gibt auch Lesungen, Ausstellungen, Workshops („Wie vermarkte ich meine Band?“) usw.

Sonntags dann sehr früh morgens mit dem Flieger (KLM) über Amsterdam nach Marrakesch zur Konferenz. Marrakesch, meine Perle. Die Stadt liegt am Rand der Sahara und auch nicht weit vom Atlasgebirge, wo es Wasserfälle gibt und man sogar Skifahren kann. Der Verkehr ist moderat und die Luftverschmutzung hält sich in Grenzen. Alle Häuser haben einen leicht rötlich/pink schimmernden Farbton, wie das Gestein in der Umgebung. Bei passender Wetterlage bildet das verschneite Gebirge den Hintergrund.

Die Highlights im Stadtzentrum sind die riesige Koutoubia-Moschee aus dem Jahre 1162 sowie der zentrale Platz, genannt Djemaa el Fna (arab. Versammlung der Toten; Platz der Gehenkten; früher eifrig als solcher benutzt, wenige Galgen sind noch vorhanden). Dort ist spätestens ab der Dämmerung viel Trubel, es gibt unzählige Essensstände mit marokkanischen Gerichten (Tajine, Couscous, Fleisch; im Schnitt ca. 3,50 Euro pro Hauptgericht) und lustigen Dingen wie Hammelhirn und Schnecken aus Popcornbechern (50 Cent). Es werden Nüsse, Datteln, Feigen und andere getrocknete Früchte verkauft und, als Highlight, frisch gepresster O-Saft für 35 Cent! Es gibt Gaukler, Geschichtenerzähler und Dompteure, die nicht unbedingt nur für Touristen da sind und bei Einheimischen sehr beliebt sind.

Ein Stück weiter kommt man in die Souks, die aus unzähligen kleinen, zum Teil mit Bretterverschlag überdachten Gassen bestehen, in denen man wirklich alles kaufen kann. Man muss dort immer handeln. Toll ist, dass viele Waren direkt dort auch hergestellt werden. In manchen Höfen wird gefärbt, und alle sind mit Farbe verschmiert. Weitere Attraktionen der Stadt sind u.a. Hammam-Bäder und die Menara-Gärten, ein großer Olivenhain.

Das Konferenzdinner war sensationell. Als Vorspeise gab es mit Fleisch gefüllten Mandel-Blätterteig, der allein schon satt gemacht hätte. Zur Hauptspeise wurde jeweils ein halbes Lamm auf den Tisch gestellt, von wo sich jeder bedienen konnte („Sind das noch Kartoffeln, oder schon Gedärme?“).

Marrakesch ist in vielen Aspekten einzigartig in Nordafrika. Es ist lebenswerter als z.B. Casablanca oder der Moloch Kairo und schon etwas westlich geprägt. Dies vergrößerte aber die Vorfreude auf viele (noch-)nichtassimilierte Regionen dieses Planeten nur noch weiter.

Durch einen Streik bei Air France musste ich auf einen Flug mit Royal Air Maroc ab Casablanca umbuchen. So kam ich noch zu einer Zugfahrt von Marrakesch nach Casablanca (8,50 Euro), im Abteil mit sehr netten algerischen Kollegen, die auch die Konferenz besucht hatten. Der Zug übertraf bei Komfort und Sauberkeit die deutschen RB/RE/IC – so gab es früh morgens Kaffee und Croissants am Platz (in der 2. Klasse). Etwas schneller hätte er aber schon fahren können.

In München war Oktoberfest und da ich ja fremden Kulturen und Bräuchen offen gegenüberstehe, lies ich mich darauf ein. Es war dann auch viel besser als erwartet: mit dem fünften Maß (sprich: Mass) in der Hand tanzten wir „Atemlos“ singend auf den Bänken und hätten vor lauter Überschwang fast noch als Marketingchefs in einer Modefirma angefangen. Trotz den Massen an Betrunkenen war auch hier alles gut organisiert. München ist die Stadt der Reichen und Schönen, und dementsprechend oberflächlich geht es auch unterhalb der Oberfläche zu, wie mir mehrfach berichtet wurde.

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Ein Gedanke zu „Prolog: Hamburg – Marrakesch – München

  1. florian030

    ich weiss nicht wie lange her Ihr artikel her ist, aber mittlerweile ist die luftverschmutzung vorallem in windarmen zeiten wie ich sie derzeit erlebe (leichter ostwind bis windstille) der absolute horror, den man nicht vorenthalten darf: kindern und herz bzw lungenkranken menschen schwangeren wuerde ich in meiner familie eine marrakechreise derzeit verbieten! grund sind die unendlichen scouter/motorroller die die absolutn dreckschleudern sind: benzole kohlenmonoxid und viele andere feinstaube dringen derzeit bis in die riatzimmer u hotelzimmer.
    es ist widerlich. pferde esel und alle menschen die schnell von a nach b muessen tun mir unendlich leid hier: ich selbst vermeide schnelles gehen . bis in die kleinsten gassen verfolgen einen blaue bleiernschwer dampfende uralte vespas… frischluftschneisen wie in modernen staeden gibt es logischerweise nicht: die stadtverwaltung ist meines erachtens schuld und offensichtlich voellig unfaehig ignorant oder korrupt … alles drei nicht charmant: aber es ist der pure wahnsinn und ich denke nach wie ich frueher abreisen kann.
    (ansonsten ist die stadt wunderschoen, doch wie soll man das geniessen wenn man NICHT ATMEN KANN???

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