Kapstadt und Kap der Guten Hoffnung

Der Flug nach Kapstadt dauerte zwölf Stunden. Ich hatte Glück und durfte in der Premium Economy Class sitzen. Die Fahrt mit dem Bus vom Flughafen in die Innenstadt (4 Euro) dauerte nur 20 Minuten.

Kapstadt ist wie eine westliche Großstadt, eher unafrikanisch, und deshalb ist vieles hier ganz easy (oder wie man oft liest: ezee). Telekom heißt Telkom und Vodafone heißt Vodakom. In der Innenstadt gibt es übermäßig viele Diebstähle und nach Einbruch der Dunkelheit sollte man am besten schon auf dem Zimmer sein oder nur Taxi fahren. Der Großteil der Stadt ist sowieso tabu, wenn man sich nicht gleich ausrauben lassen möchte. Mein Hostel für 10 Euro pro Nacht war in der Long Street, eine Touristenstraße, neben vielen anderen Hostels, Restaurants, Bars, Minimärkten. Wer sie kennt, darf sich die Khao San Road in Bangkok vorstellen. Die Straße ist nachts relativ sicher, Betrunkene werden aber regelmäßig ausgeraubt.

Der Tafelberg (Table Mountain), den man von überall sieht, war an beiden Tagen wolkenverhangen und deshalb konnte man leider nicht mit der Seilbahn hochfahren. Also buchte ich einen Ausflug in den Township Langa für 20 Euro. Die Guides, die im Township auch leben, fuhren uns (fünf Touris) mit einem Kleinbus hin und führten uns zu Fuß herum. Zur Zeit der Apartheid musste die schwarze Bevölkerung auf elementare Freiheiten verzichten und insbesondere in z.T. abgeriegelten Viertel wie diesem Leben. Armut und Trostlosigkeit gibt es immer noch an jeder Ecke.

Wir besuchten ein Haus mit acht kleinen Zimmern (jeweils ca. zehn Quadratmeter). In jedem Zimmer gibt es drei Stockbetten und einen Herd, und darin leben drei Familien. Ja genau, 3 Familien in einem 10 Quadratmeter großen Zimmer! Die Leute schlafen dort im Wesentlichen nur, ganz gedrängt, manche müssen auch neben oder unterm Bett schlafen. Tagsüber hängen sie auf der Straße rum, wenige haben eine Arbeit. Die Miete für jede Familie beträgt zwei Euro. Es gibt auch kleinere Häuser, in denen einen Familie alleine wohnt, für 15 Euro Miete. Ganz schlimm sind die Wellblechhütten.

Aber man ist unglaublich stolz auf jeden kleinen Fortschritt und insbesondere auf die Beteiligung am Freiheitskampf. Nach und nach werden direkt neben den schlimmsten Straßenzügen neue Häuser gebaut, mit Solarzellen auf dem Dach. Dort dürfen die Leute dann mehr oder weniger kostenlos wohnen. Am Ende werden die alten Hütten abgerissen. Nur so kann es ja gehen, und die Beseitigung des Elends wird wohl noch Jahrzehnte dauern. Aber es ist eine riesengroße Schweinerei, dass das so langsam voran geht, während die (Nachkommen der) weißen Rassisten nur wenige Kilometer weiter eingezäunt in Luxusvillen am Hang des Tafelbergs mit bester Aussicht leben.

Eine Führerin erzählte uns, dass bei ihr zu Hause zur Feier einer Geburt eine Ziege geschlachtet wird. Aus einem Stück Fell wird ein Armband gemacht, dass das Neugeborene dann sein Leben lang trägt. Es ist aber auch halb so wild, wenn man das Armband verliert. In diesem Fall kann man nämlich von der Ziege eines neugeborenen Verwandten ein neues Armband machen, das ohne Abstrichte den Platz des alten einnimmt.

Um Menschen zu fotografieren, sollten wir vorher die Führer fragen. Bei einer Frau, die Schafköpfe kochte, fing jemand gleich zu fotografieren an, und ich tat es ihr nach. Das fand die Frau gar nicht lustig und wurde richtig sauer. Zurecht. Wie vom Führer vorgeschlagen kauften wir eine Flasche Cola zur Besänftigung. Gar nicht schön das alles. Es war leicht zu vergessen, dass das hier Menschen sind, die wir besichtigten. Ein wenig war die Tour wie im Zoo. Mit unseren teuren Klamotten und Kameras wurden uns arme Leute vorgeführt. Sie vor einem Foto zu fragen, lässt ihnen wenigstens noch ein bisschen ihrer Würde. Man kann nur hoffen, dass sie von den Führungen wirklich profitieren, wie uns versichert wurde.

Zum Abschluss probierten wir ein selbstgebrautes Bier, serviert in einer metallenen Kanne. Es schmeckte gleichzeitig säuerlich, nach Cidre und nach Bier, und enthielt auch einige Bröckchen, die man wegen des Schaums zum Glück nicht sehen konnte.

Nach der Tour erkundigte ich noch die zu Fuß die Innenstadt, was eher langweilig war. Die V&A Waterfront mit ihren Schiffswerften war noch ganz nett, aber nicht mal halb schön wie Hamburg.

Mit ein paar einheimischen Schwarzen bin ich sehr locker ins Gespräch gekommen. Sie erzählen immer lustige Sachen und wenn man selbst einen Witz macht, lachen sie sich kaputt. Sie sind sehr interessiert, wollen wissen wie es in Deutschland ist und die Bundesliga kennen sie auch alle, wobei meine Gesprächspartner eher Dortmund als Bayern favorisierten.

 

Am nächsten Tag mietete ich mir ein Auto (genannt „weißer Blitz“; 23 Euro + 10 Euro Sprit für 150 Kilometer) und fuhr um den Tafelberg herum an der Küste entlang zum Kap der Guten Hoffnung. Ein guter Beginn einer langen Reise. Hier die Route:


Die Eingewöhnungszeit an den Linksverkehr betrug ca. 10 Minuten. Von der Straße aus sieht man eine wunderschöne Landschaft aus Bergen, Buchten und Stränden. Die besten Flecken sind mit Luxusvillen bebaut, was stark an Beverly Hills erinnert.

Die Landschaft am Kap der Guten Hoffnung ist atemberaubend. Ein schöner Wanderweg verbindet die eine Ecke mit der anderen (zwei Stunden). Vielleicht können die Bilder eines der Enden der Welt einigermaßen beschreiben.

 

Auf dem Rückweg nach Kapstadt konnte man in Boulders eine Kolonie afrikanischer Pinuine besichtigen. Außerhalb der Antarktis und den umliegenden Insel gibt es Pinguine sonst nur in Südamerika. Wie jeder weiß, wurden die Nordpolpinguine schon vor langer Zeit von Eisbären alle aufgefressen.

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3 Gedanken zu „Kapstadt und Kap der Guten Hoffnung

  1. Volker Pluschke

    Hallo Martin,
    toll, wie du von Deiner Reise berichtest. Deine Schilderungen lesen sich richtig interessant und lebendig. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß und keine unliebsamen Überraschungen. Meine Frau und ich warten auf weitere Beiträge 🙂

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