Namibia (Süden)

Orange River – Fish River Canyon –  Sossusvlei – Deadvlei – Solitaire – Walvis Bay – Swakopmund

Vom kühlen, wolkenverhangenen Kapstadt aus ging es Richtung Namibia. Hier die ungefähre Route durch das südliche Namibia bis nach Swakopmund:

Die ersten Tage ging es hauptsächlich darum, Kilometer zu machen. Wir durchfuhren die Cederbergregion. Am ersten Campingplatz gab es eine kleine Wanderung, geführt von einem zugedröhnten Einheimischen, der versuchte, uns etwas über einheimische Pflanzen und Tiere zu erklären.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Norden, und es wurde im Laufe des Tages schon richtig warm. Wir übernachteten direkt am Orange River, ein nicht sehr tiefer, vielleicht 20 Meter breiter Fluss, der teilweise die Grenze von Südafrika zu Namibia markiert. Auf halbem Weg änderte sich die Landschaft recht plötzlich von eher grün zu eher Steinwüste. Am Orange River selbst war es schön grün, dort wird Wein angebaut.

Der Fluss entspringt in einem Gebirge in Lesotho und mündet im Südatlantik. Auf seinem Weg kommt er an Diamentengebieten vorbei. Jahrtausende lang wurden dadurch Diamanten in den Atlantik gespült, die dann entlang der namibischen Küsten wieder angespült wurden. Als das Land im 19. Jahrhundert von Europäern erkundet wurde, konnte man Diamanten einfach vom Boden aufheben!

Früh am nächsten Morgen machten wir auf dem Orange River eine Kanutour. Gegen Mittag passierten wir die Grenze nach Namibia, ganz ezee alles, keine Eintrittsgebühr. Und weiter Richtung Norden wurde es schön heiß, 38 Grad. Immer wieder gab es Abschnitte in der weiten Landschaft, die mit Sträuchern bewachsen waren.

Man kann Südafrika nur alles Gute wünschen, dass sich etwas ändert – am besten alles. Oscar Pistorius bekommt mit einer lächerlichen Lügengeschichte nur fünf Jahre Haft, und der Nationaltorwart wird bei einem Einbruch erschossen. Der Rassismus manifestiert sich sogar im Bier. Die populärsten Marken sind Castle (Schloss) und Black Label (kann man mit „schwarzes Etikett“ übersetzen). Castel ist das Bier der Weißen, Black Label das der Schwarzen. Erstere Leben fast alle in Schlössern, letztere haben es unendlich schwer, weil sie ihr Leben lang das schwarze Etikett aufkleben haben.

Ziel des Tages war der Fish River Canyon. Dies ist der zweitgrößte Canyon der Erde, nach dem Grand Canyon in den USA. Sehr beeindruckend. Der Canyon misst an der breitesten Stelle 27 Kilometer, und ist 500 Meter tief. Er wird vom Fish River durchflossen, der jetzt, in der Trockenzeit, nur noch aus größeren Pfützen besteht. Springböcke machen sich auf dem Weg hinunter, um am Fluss zu trinken. Als Mensch darf man nur mit ärztlichem Attest dort Wandern gehen – unten ist es bis zu 60 Grad heiß. Die Tour dauert fünf Tage, man wandert hauptsächlich nachts und versucht tagsüber zu schlafen.

In der Gegend des Canyons fanden die wichtigsten Schlachten der deutschen Kolonialtruppen gegen den Stamm der Herero statt. Unser Vorfahren schlachteten dabei 85 Prozent der Herero ab. In dem Gebiet leben auch die Khoi San, ein sehr alter Nomadenstamm. Deren Sprache ist die einzige von sechs sogenannten Ursprachen der Menschheit, die heute noch gesprochen wird. Sie nutzen auch viele wilde Heilpflanzen. Wenn man zum Beispiel auf der Hoodia rumkaut, unterdrückt man Hunger und Durst. Die Jäger der San waren früher tagelang unterwegs, um Tiere zu jagen. Wenn sie eines gefangen hatten, benutzten sie die Wirkung der Pflanze, damit sie ihrem Reflex widerstehen konnten und das Tier nicht gleich aßen – denn sie mussten es erst zu den Frauen und Kindern bringen. Die Führer wissen auch wie diese Pflanze aussieht und meinten, sie könnten eine finden. Leider konnte ich sie nicht überreden, es mich probieren zu lassen. In der Wüste künstlich seinen Durst zu unterdrücken ist auch wirklich keine gute Idee.

 

Am nächsten Tag fuhren wir fast zehn Stunden lang durch den Namib-Naukluft Nationalpark. Immer wieder änderte sich die Landschaft. Mal gab es weit und breit gar keine Vegetation, dann war wieder alles mit Sträuchern bedeckt. In einem Kaff machten wir einen Zwischenstopp. Beim „Metzger“ gab es eine lokale Spezialität, Chili Bites, das ist scharfes getrocknetes Rindfleisch. Sehr lecker. Irgendwann machten wir mitten in der Wüste eine Pause. Der Wind war unglaublich heiß. Als hätte jemand einen riesigen Fön angeschaltet. Wir sahen den namibischen Nationalbaum, dessen Wurzeln bis zu 50 Meter in die Tiefe gehen, und der auf Münzen abgebildet ist. Wir sahen auch ein riesiges Vogelnest und eine große gelbe Schlange, die sich dort bediente. Am Campingplatz in der Nähe von Sossusvlei angekommen, ging es gleich in den Pool. Der Rückweg zum Zelt dauerte eine Minute, und der Wind war immer noch so heiß, dass ich am Zelt schon wieder trocken war. Dann ging es noch zu einer Wanderung durch den Sand zum Sesriem Canyon.

Der nächste Tag war grandios. Um 5 Uhr war Abfahrt nach Sossusvlei um auf der berühmten Düne 45 den Sonnenaufgang zu erleben. Dies waren nun endlich die Dünen, wie man sie von den Bildern kennt. Die Landschaft war wie im Film. Wieder von der Düne runter, gab es am Bus Spiegeleier zum Frühstück. Noch nie im Leben habe ich so viel zum Frühstück gegessen. Dann ging es weiter zu einer Wanderung durch die Dünenlandschaft zum Deadvlei. Dort stehen 800 Jahre alte Baumstämme auf einem Salzboden, den ein See zurückgelassen hat. Und das alles zwischen 50 Meter hohen Dünen. Unglaublich was die Natur hier gestaltet hat. Dann fuhren wir weiter zum Campingplatz in der Nähe von Solitaire. Im Ort hielten wir an einer Bäckerei, die von einem Deutschen betrieben wird. Es gab Apfelkuchen! Von dem riesengroßen Stück hatte ich so viel Kraft, dass ich abends fast das Zelt auseinander gerissen hätte.

Vom Campingplatz aus machten wir dann noch zusammen mit Führer Frans einen Ausflug ins Umland. Frans erzählte sehr interessante Dinge über die Gegend und die Tiere. Normalerweise sieht man nur den roten Wüstensand in der Gegend. Aber 2012 hat es ungewöhnlich stark geregnet, so dass deshalb jetzt immer noch alles mit hellen Gräsern bewachsen ist. Bald werden die Gräser wieder verschwunden sein. Er erzählte auch von den Buschmenschen (Khoi San), die vor 100 Jahren hier noch zu Hundertausenden lebten. Die Deutschen jagten sie wie Tiere, heute gibt es nur noch rund 30.000.

Die Buschmenschen, die früher Nomanden waren und heute zur Sesshaftigkeit gezwungen sind, weshalb sie todunglücklich sind und dem Alkohol verfallen, hatten auch früher kein einfaches Leben. War ein Familienmitglied zu schwach, um weiterzuziehen, wurde es zurückgelassen und musste sterben – egal ob jung oder alt. Nach dem Abschied drehte sich niemand mehr nach ihm um, und es wurde nie wieder über den Zurückgelassenen gesprochen. Musste eine Mutter ihr zu schwaches Kind zurücklassen, dann setzte sie sich die nächsten Abende beim Lagerfeuer immer in Richtung des Rauchs. Denn vom Rauch kommen Tränen, und so gab es eine Erklärung dafür, dass sie weinte. Das zurückgelassene Kind durfte kein Grund sein.

Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang ging es noch in die Bar. Nach dem Tag brauchte ich unbedingt ein Bier. Von der Bar aus sah man eine Wasserstelle für Tiere. Für Touristen war sie beleuchtet. Und so sahen wir noch die ersten Springböcke und Zebras, die ganz vorsichtig zur Wasserstelle schlichen. Das Ende eines grandiosen Tages.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Norden. Dabei kamen wir am Südlichen Wendekreis vorbei („Tropic of Capricorn“). In Walvis Bay, der zweitgrößten Stadt Namibias, machten wir Halt zum Mittagessen. Die Stadt lebt von ihrem florierendem Hafen, und außer einer Lagune mit Flamingos hat sie anscheinend nicht viel zu bieten.

Nachmittags erreichten wir dann das Tagesziel Swakopmund, um dort zwei Nächte in einem Hotel zu übernachten. Der Nachmittag und der nächste Tag standen zur freien Verfügung. Swakopmund ist eine kleine Stadt am Meer. Um sie herum ist nichts, außer Wüste. Die Stadt ist wirklich kurios. Viele Leute dort sprechen deutsch, und viele Geschäfte und Straßen tragen deutsche Namen. Man findet Fachwerkhäuser und einen Laden, der Schwarzwälder Kirschtorte verkauft. Die Häuser haben meistens nur ein Erdgeschoss und die Straßen sind sehr breit. Alles ist relativ sauber und ordentlich, es gibt nur wenig Autoverkehr. Es ist ein wenig so, als würde die deutsche Kolonialzeit immer noch andauern.

Swakopmund ist auch die Action-Hauptstadt Namibias. In den umliegenden Dünen kann man Sandborden und Quadbike fahren, und man kann Fallschirmspringen gehen. Und alles ist relativ günstig. Das Sandborden war super. Ich habe mich gleich für das Analogon zum Schlittenfahren entschieden: man rutscht auf einer dünnen Holzplatte die Dünen runter. Sie haben die Geschwindigkeiten gemessen, ich habe 73 km/h geschafft. Es ging so schnell den Hügel runter, dass ich nur noch schreien konnte. Und meine Schuhe waren danach blitzeblank sauber, sandstrahlgereinigt. Abends waren wir in einem Restaurant, dort gab es Wildtiere wie z.B. Springbock zu essen. Schmeckte alles sehr gut und so ähnlich wie Rindfleisch. Der gemischte Grillteller kostete nur 12 Euro, das Bier nur 1,30 Euro.

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