Namibia (Norden)

Spitzkoppe – Himbas – Etosha Nationalpark – Windhoek

Von Swakopmund ging es weiter Richtung Norden nach Spitzkoppe. Dort ragen mitten im Nichts Granithügel aus dem Boden. Ein sehr beeindruckender Ort. Vor ein paar Milionen Jahren war das alles noch von zwei Kilometer Sand bedeckt, der vom Wind abgetragen wurde. Die Witterung bearbeitet auch die Felsen, und so werden die Formationen erzeugt. Außer einem Campingplatz um die Felsen herum, der erst seit letztem Jahr fließend Wasser hat, gibt es in Spitzkoppe nichts. Nur sehr wenige Touristen tummeln sich hier.

Am nächsten Tag stand ein Besuch bei den Himbas auf dem Programm. Dieses Volk lebt zum Teil noch wie zu Urzeiten. In Swakopmund konnte man auch ein paar Himbas sehen.Die Frauen sind groß und haben das Sagen. Leider hatten wir sehr stark den Eindruck, dass die Himbas, die wir besuchten, nur für touristische Zwecke ausgenutzt werden. Der Führer ging sehr rüde mit ihnen um. Anscheinend müssen sie Armbänder, Halsketten und anderen Schrott herstellen, die am Ende der Führung verkauft werden. Pro Person kostete die Führung 10 Euro, insgesamt verdienten sie an uns also 200 Euro. Zusätzlich brachten wir noch Lebensmittel als Geschenke mit, und Luftballons für die Kinder. Sie kannten schon alle Tricks, wie man mit Ballons Töne erzeugt. Jeden Tag kommt eine Gruppe wie wir, so dass allein dadurch 6000 Euro im Monat verdient werden! Für namibische Verhältnisse ein Vermögen. Wie man sehen konnte, bleibt davon nichts bei den Himbas hängen – mal abgesehen davon, dass Himbas sowieso kein Geld brauchen und wollen. Unsere Nomad Führer verkündeten abends dann, dass sie sich in Zukunft weigern werden, die Himbas als Programmpunkt anzubieten. Na ja.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir im Etosha Nationalpark, um Tiere zu beobachten. Mit unserem Bus fuhren wir durchs Gelände und hielten an, wenn etwas zu sehen waren. Die besten Plätze waren die Wasserstellen, wo fast immer viel Betrieb war. Direkt an die Camps angrenzend gibt es auch Wasserstellen. Nachts wurden sie beleuchtet, und so saßen wir dort bis 2 Uhr morgens. Ganz großes Kino. Tiere auf diese Art und Weise zu beobachten hat mir am besten gefallen, weil man so auch etwas was von ihrem Verhalten mitbekommt. Interessant ist die Hierarchie an der Wasserstelle. Giraffen, Zebras und vergleichbare Tiere trinken friedlich gemeinsam. Wenn Löwen, Nashörner oder Elefanten auftauchen, ziehen sich die anderen zurück und warten, bis sie wieder randürfen. Schläft ein Löwe bei der Wasserstelle, haben alle anderen Pech gehabt. Höhepunkte waren ein toter Elefant, der gerade von Geiern bearbeitet wurde und bestialisch stank, sowie ein Zebra, das von Schakalen ausgenommen wurde. Anscheinend wurde es vorher von Löwen gerissen.

Mit meiner Kamera war es sinnlos, Tiere zu fotografieren. Andere hatten aber riesengroße Objektive dabei. Vielen Dank an Sabine aus Erfurt für die schönen Bilder!

Von Etosha ging es dann weiter nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias, mit 500.000 Einwohnern. Es war Sonntag, und die Stadt war wie ausgestorben. Was ein Kaff. Überall wieder Elektrozäune und Stacheldraht, wie in Kapstadt. Wir besuchten das Nationalmuseum, in dem es viele Bilder zur Geschichte Namibias, aber keine Informationen dazu gab. Die Stadt, das Museum und die Statue davor erinnerten etwas an Nordkorea. Die Robert-Mugabe-Straße ist ewig lange und durchzieht fast die ganze Stadt. Momentan ist auch Wahlkampf um das Präsidentenamt. Wie der Zeitung zu entnehmen war, ist eines der wichtigsten Themen, welcher Politiker wo seine Statue hinbekommt.

Abends waren wir dann noch im berühmten Joe’s Beerhouse. Ich hatte ein Bushfire (13 Euro): Filet vom Springbock, Kudu und Zebra, dazu in Hochprozentigem getränkte, dünne Pommes, die eben einen Busch darstellen, und die man kurz flambiert. Fast wäre das ganze Essen abgebrannt. Übrigens, Bier kostet überall ca. 1,30 Euro, gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot.

Insgesamt hatte ich einen sehr guten Eindruck von Namibia. Die Infrastruktur ist gut und der Standard ist beinahe westlich. Es gibt Direktflüge von Frankfurt nach Windhoek. Trotz allem, und hoffentlich bleibt es auch noch lange so, verirren sich nicht viele Touristen hierhin.

 

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Ein Gedanke zu „Namibia (Norden)

  1. Sandman

    Hallo Martin,

    seitdem ich den Prolog, kurz nach deiner Ausreise, gelesen hatte, kam ich nicht mehr dazu in dein Blog reinzuschauen. Heute hat ich endlich die Zeit und war erstaunt, wie fleißig du warst, sodass ich mich gefreut habe und mir unbedingt die Zeit nehmen wollte, zu lesen, was du bis jetzt erlebt hast. Und das war überhaupt nicht langweilig, sondern im Gegenteil, es war sehr spannend, informativ und reflektierend. Dein Schreibstil finde ich klasse. Die Mischung aus Reisebericht, Beschreibung der Natur, Geschichten über Menschen, Länder, kritisch und ehrlich kommentiert und mit historischem Hintergrundwissen kombiniert, ist super gelungen und macht Spaß zu lesen. Auch die Bilder sind beeindruckend, zeigen die schöne Natur, erzählen über die Menschen und ihr Leben. Du hast es geschafft, nicht wenig Fernweh bei mir auszulösen. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß, schöne sowie beeindruckende Erlebnisse und sei bitte weiterhin großzügig was deine Berichte angeht.

    Viele Grüße
    Sandman

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