Sambia

Livingstone – Lusaka – Chipata – South Luangwa Nationalpark

Die folgende Route führte uns von den Viktoriafällen durch Sambia:

 Die Grenze von Simbabwe nach Sambia ist direkt hinter der Brücke über die Viktoriafälle. Eintritt 50 US-Dollar, viele schöne Ebolabilder und -hinweisschilder im Grenzhäuschen. Kurz hinter der Grenze liegt Livingstone, benannt nach dem „Entdecker“ der Viktoriafälle, d.h. dem ersten Europäer, der sie gesehen hat. Was muss das für ein Augenblick gewesen sein. Ich möchte Astronaut oder Tiefseetaucher werden. Auf Tonga, einer der lokalen afrikanischen Sprachen, heißen die Fälle Mosi-Oa-Tunya. Danach ist auch das leckere sambische Nationalbier Mosi benannt: „as mighty as the Mosi-Oa-Tunya“.

Kurze Zeit vorher ist der sambische Präsident gestorben, am Tag vor unserer Einreise war in Livingstone die Beerdigung. Derselbe Präsident verlegte die Provinzhauptstadt von Ostsambia von Livingstone nach Choma, wegen schlechter Wahlergebnisse in Livingstone. Solche Aktionen sind wirklich typisch für afrikanische Politiker. Interimspräsident ist ein Weißer schottischer Abstammung, der sich gleich wie ein Elefant im Porzellanladen aufgeführt hat, was zu Unruhen in der Hauptstadt Lusaka führte. Die sind aber schnell abgeebbt, wir haben nichts davon mitbekommen. Ansonsten ist Sambia ein stabiles Land. 1964 wurde es als erstes im südlichen Afrika unabhängig. Der erste Präsident war bis 1991 an der Macht und unterstützte die „Freedom Fighters“ in den Nachbarländern.

Aber vor allem ist Sambia… grün, und heiß, heiß, heiß! Entlang des ganzen Weges Richtung Norden sind Bäume und Gräser zu sehen. Es gibt genügend Wasser und Lebensmittel für alle. Touristen gibt es nur ganz wenige, Grund sind die bisher sehr schlechten Straßenverhältnisse, besonders im Norden. Seit Anfang 2014 ist aber die Straße von Süd nach Nord fast durchgängig in gutem Zustand, das wird das Land verändern. Schon jetzt sieht man sehr viele LKWs, die Kupfer und andere Rohstoffe Richtung Süden transportieren. Sambia ist reich an Rohstoffen, China investiert großzügig in Infrastruktur. In den Abschnitten, wo noch gebaut wird, sind die Vorarbeiter Chinesen. Es wird gescherzt, dass wenn eine Brücke fertiggebaut ist, die Hunde des naheliegenden Dorfes verschwunden sind.

Jedoch ist Sambia viel ärmer als die südlicheren Länder. Kurz nach Livingstone merkt man, dass man in Ostafrika angekommen ist. Entlang der relativ guten Straße sieht man mindestens alle ein bis zwei Kilometer kleine Strohhütten. Die Leute sitzen im Schatten, winken und lachen, Ziegen und Kühe laufen herum. Plastikmüll ist gleichmäßig um die Häuser verteilt, es scheint niemanden zu stören. In größeren Siedlungen, die man kaum als Dörfer bezeichnen kann, sind die Geschäfte immer gleich angeordnet und bunt von Hand bemalt. Emaile Schilder gibt es fast keine. In der „Stadt“ Choma haben wir uns in die „Geschäftsstraße“ bzw. den „Busbahnhof“ reingetraut. Es war eher unangenehm, wir waren komplett fehlt am Platz.

Städte im üblichen Sinne waren auf unserem Weg nur Livingstone, Lusaka und Chipata. In den Siedlungen sind Handyläden dominant, es gibt Airtel (rot) und Zamtel (grün). Man sieht viele Stände, bei denen man durch SMS sicher und unkompliziert Geld in ganz Afrika verschicken kann. Dies ändert sehr viel in einer Region, wo fast niemand ein Girokonto besitzt. Es gibt auch immer wieder Stände, wo man getrockneten Fisch, Obst, Gemüse und Kohlebriketts kaufen kann. Da es in Victoria Falls keine Gaskatuschen gab, kochten wir die nächsten Tage mit Briketts. Sambia ist sehr christlich geprägt, man sieht viele Kirchen. Es gibt auch viele Schulen, früh morgens laufen die Kinder in sauberer Schuluniform dorthin. Viele Kinder haben ein Fahrrad, überhaupt sind viele Leute mit dem Fahrrad über Land unterwegs.

Sambia ist ärmlich und rückständig. Aber die Leute winken, lachen, wirken fröhlich und entspannt.

 

Die ersten beiden Tage fuhren wir von früh bis spät, ohne Aktivitäten. Aus dem Fenster zu schauen und in einer Siedlung etwas einkaufen zu gehen war aber schon ein Erlebnis. Auf getrockneten Fisch habe ich vorsichtshalber verzichtet, die rundum frittierte Dampfnudel für ca. 12 Cent war unbedenklich und lecker.

Ziel war der South Luangwa Nationalpark, an dessen Rand wir in einem wunderschönen Camp zwei Nächte blieben. Es gab keine Zäune, nachts grasten Flusspferde um die Zelte herum, und Elefanten bearbeiteten den Baum einen Meter neben meinem Zelt. Es heißt, in den Zelten sei man sicher, und das scheint auch wirklich so zu sein. Wobei ich nicht ganz verstehen kann, warum ein Elefant nicht mal drauftrampelt, um zu sehen, was dort genau ist? Aus dem Okavango Delta gibt es die Geschichte (Legende?), dass einmal ein Zelt einem Elefanten im Weg stand. Dann hob er es inklusive zu Tode erschreckter Insassen mit seinen Stoßzähnen zur Seite, stellte es ab und lief weiter. Nichts ging kaputt, niemand wurde verletzt. Im South Luangwa Camp wird erzählt, dass letztes Jahr ein Tourist beim Holzsammeln von einem Krokodil gefressen wurde.

Im Camp trafen wir Gary, der mit dem Fahrrad von England nach Kapstadt fährt. Eigentlich wollte er über Westafrika fahren, musste seine Route aber wegen Ebola ändern. Von der Grenze zwischen Algerien und Kamerun nahm er den Flieger nach Nairobi. Von dort fuhr er aber erstmal wieder nach Norden, um den Äquator aus eigener Kraft zu überqueren. Hier sein Blog: http://www.longbikeride.co.uk

Wir besuchten eine Textilfabrik und ein Dorf, in dem schön für uns Touris gesungen und getanzt wurde. Die Einheimischen hatten viel Spaß dabei, wir tanzten mit. Den Traditionen folgend bekamen die männlichen Touristen einen gemütlichen Stuhl, während die Frauen auf dem Boden sitzen mussten.

Bei einer vierstündigen Pirschfahrt durch den Park sahen wir wieder viele Tiere. Es war unglaublich heiß: man stelle sich vor, wie es ist, mit 50 km/h auf einer Schotterpiste durch einen heißen Ofen zu fahren. Zum Sonnenuntergang gab es ein kühles Mosi. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde mit einem Strahler die Gegend abgesucht. Kurz vor Schluss hatten wir Glück und sahen tatsächlich noch einen wunderschönen Leoparden. Damit habe ich auf den letzten Drücker wirklich noch die Big Five (die großen fünf Tiere Afrikas) gesehen: Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard. Meine Lieblingstiere bleiben aber Meerschweinchen.

 

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