Sansibar

Stone Town – Spice Tour – Paje

Sansibar gehört seit den 1960er Jahren zu Tansania, ist aber im Gegensatz zum Festland muslimisch geprägt. Wie immer in so einem Fall führt das regelmäßig zu Spannungen. Die Hauptstadt mit fast 1 Million Einwohnern heißt Stone Town (Steinstadt).

Auf der Fähre von Dar es Salaam nach Stone Town (Fahrtdauer 90 Minuten) bin ich gleich mit einem Einheimischen ins Gespräch gekommen – auf Deutsch. Er will in den Tourismus einsteigen und lernt deshalb die Sprache. Er konnte es nur schwer verstehen, dass ich genug Geld für eine lange Reise habe, mir aber weder Ehefrau noch Kinder „leiste“. Dass die erste Strophe der Nationalhymne verboten ist, versteht er auch nicht ganz (stimmt auch gar nicht), und spielte sie gleich sehr laut auf seinem Handy ab.

Am Fährterminal in Stone Town ging es extrem chaotisch zu, besonders an der lächerlichen Gepäckkontrolle. Es war tropisch heiß. Die 15 Minuten Fußweg zum Hotel folgte mir die ganze Zeit jemand, erst wollte er etwas verkaufen, dann mich zum Hotel bringen. Da er irgendwann auch den Namen meines Hotels nannte, worauf ich natürlich nicht reagierte, beschimpfte er mich am Ende als Lügner. Die Taktik ist hier eigentlich, einem Touristen bis ins Hotel zu folgen, und an der Rezeption zu behaupten, man hätte ihn ins Hotel gebracht, um dann eine kleine Provision zu kassieren.

Die Altstadt von Stone Town ist autofrei, liegt direkt am Meer mit traumhaftem Sandstrand und besteht aus verwinkelten, engen Gassen. Überall gibt es Handwerks- und Kunstgeschäfte, Cafes und Restaurants. Wie auch in Marrakesch ist es am Gemütlichsten, wenn der Muezzin ruft. Die Mehrheit der Leute sind aber Einheimische, andere Touristen waren nur vereinzelt zu sehen. Außerhalb der Altstadt und weg von den Touristenzentren an den Stränden leben die Leute in ziemlich heruntergekommenen Bruchbuden, es gibt sogar einige Plattenbauten.

Es fällt auf, dass Frauen und Männer immer in getrennten Gruppen unterwegs sind. Überall am Strand wird Fußball gespielt, das Wasser zählt auch zum Spielfeld dazu. Auf einem Platz gab es eine Riesengaudi: mit verbundenen Augen musste ein Junge drei auf dem Boden liegende Bälle suchen. Bestimmt 50 Leute standen außenrum, jubelten, klatschten und lachten sich kaputt. Abends kam ich mit einem indischen Ladenbesitzer ins Gespräch. Er interessierte sich sehr für meine Reise und ich musste ihm alles erzählen. Da ich eine lange Jeans und keinen Rucksack trug, dachte er zuerst, dass ich auf der Insel arbeiten würde und kein Tourist sei. Danach ist mir auch aufgefallen, dass ich anders als in kurzen Hosen kaum noch von Verkäufern angesprochen wurde. Trotz der Hitze tragen hier alle lange Hosen, nur Touristen tragen kurze. Es macht eigentlich auch keinen Unterschied mehr. Im Laden des Inders gibt es alles, was man als Reisender so braucht, Batterien, Badartikel, Speicherkarten, Mückenspray, Schnorchel, und so weiter – in westlicher Qualität und total überteuert. Das weiß er natürlich auch, aber genügend Leute bezahlen das. Um an die Waren dranzukommen, fliegt er alle sechs Wochen nach Dubai. In einem kleinen Laden in Sambia gab es übrigens in Ägypten hergestellte Nudeln – das war fast wie ein Gruß aus der Heimat.

 

Für den nächsten Tag buchte ich gleich die berühmte und von allen empfohlene Spice Tour (Gewürztour, 15 Dollar). In einer kleinen Gruppe fuhren wir dazu in die Mitte der Insel, wo es in einem dichten Wald alle möglichen Gewürze und Früchte gab: Kokosnüsse, Nelken, Pfeffer, Sternfrucht, Mango, Zimt, Kukuma, Zitronengras, Vanille, Okraschoten, Chilis, und vieles mehr. Aus dem Blatt einer Bananenstaude wurde ein Becher gefaltet, in dem man von allem eine Probe sammeln konnte. Am Ende roch der Becher unglaublich intensiv. Es wurde auch die Frucht gezeigt, mit der sich die Inder früher den roten Punkt auf der Stirn machten. Ein Japaner filmte eine Stunde lang alles mit seiner billigen Videokamera. Nach dem Mittagessen ging es noch in eine Höhle, wo die Araber nach dem Verbot der Sklaverei durch die Briten ihre letzten Sklaven versteckten, bevor sie mit dem Schiff von Sansibar abtransportiert wurden.

Am nächsten Tag ging es dann zur Ostküste der Insel ins Dorf Paje, in ein Hostel direkt am paradiesisch weißen Sandstrand. Selbst die Böden der Zimmer bestehen aus dem Sand. Dort verbrachte ich einige sehr entspannte Tage, meist unterm Sonnenschirm auf einer Liege, wo eine kühle Brise ging. Jeden Tag kam der Kokosnussverkäufer vorbei (1 Euro). Alle grüßen sich am Strand mit „Jambo!“, das heißt Hallo in der Landessprache Swahili. Wirklich, wirklich sehr entspannt dort alles – Hakuna Matata.

Am Strand kann man viel unternehmen: Kitesurfen, Windsurfen, Tauchen, Schnorcheln, Delphintour usw. Jeden Morgen brachte ein Sammeltaxi neue Leute ins Hostel, mit vielen kam man immer gleich ins Gespräch. Sehr viele Leute machten ein Praktikum oder Freiwilligendienst irgendwo auf Tansanias Festland und kamen zum Abschluss noch nach Sansibar. Unser Hostel war von allen Strandherbergen das am Schlechtesten ausgestattete, es gab keine Liegen, kein Internet, keinen Pool und das Essen war überteuert. Deshalb hielten sich viele Bewohner in den benachbarten, besseren Hotels und auf deren Liegen auf. Das hat aber niemanden gestört, vor allem nicht die eigentlich als Aufpasser bestellten Massai – Hakuna Matata.

An der ganzen Ostküste Sansibars gibt es keine Geldautomaten und man kann auch fast nirgendwo mit Kreditkarte bezahlen. Deshalb muss man sich das gesamte Geld aus Stone Town schon mitnehmen. Einige Leute haben sich da verkalkuliert, mich haben am Ende auch nur meine Notdollars gerettet.

An einem Tag machte ich die Safari Blue Tour mit (35 Dollar). Mit einem der typischen Boote Sansibars fuhren wir zu einer kleinen Inselgruppe, um die herum man die schon etwas mitgenommenen Korallenriffe beschnorcheln konnte. Nach dem Schnorcheln gab es zuerst frisches Obst auf einer Sandbank, und dann all you can eat Meeresfrüchte (inklusive Hummer!) zum Mittagessen auf einer der Inseln. Auf dem Rückweg segelten wir noch eine sehr kleine Insel an, wo große Mangrovenbäume wachsen und die bei Flut fast ganz unter Wasser steht.

 

Sansibar hat wohl den Ruf, teuer zu sein. Das ist es sicher auch, wenn man in einem Luxushotel absteigt. Wer mit weniger zufrieden ist, kann hier sehr günstig über die Runden kommen. In Stone Town zahlte ich 12 Euro pro Nacht für ein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsdusche, mitten in der Altstadt. Das tolle Frühstück gibts morgens auf dem Dach mit Blick auf die Häuser der Stadt. Der Transport von Stone Town an die Ostküste im Sammeltaxi (1 Stunde Fahrtzeit) kostete nur 6 Euro. Das Bett im Mehrbettzimmer in Paje kostete auch nur 12 Euro.

Etwas abseits vom Strand gibt es einen Stand, wo normalerweise die Einheimischen einkaufen gehen. Dementsprechend sind die Preise. Für 3 Flaschen 1,5 Liter Wasser, einen riesigen Teller mit Süßkartoffeln, Salat aus Tomaten, Zwiebeln und Avacado, drei Brötchen und eine Banane bezahlte ich sage und schreibe 3 Euro. In Stone Town gibt es auch sehr günstige Essensstände. Für 10 Cent bekommt man eine ordentliche Portion Mangostreifen mit Chilisalz, eine sehr leckere, mir bis dahin unbekannte Kombination. Sehr gut ist auch die Sansibar Pizza, die aber nicht ganz wie eine Pizza aussieht. Falls ich nach meiner Rückkehr eine Kneipe aufmache, kommt das alles auf die Speisekarte.

Nach fast sieben Wochen verlasse ich nun Afrika Richtung Indien. Es gäbe hier noch so viel mehr zu bereisen, wie Zimbabwe, Mosambique, Madagaskar, Tansania, Kenia, Uganda, Ruanda und Ägypten, sowie außerhalb der Ebolazeiten natürlich auch Westafrika. Südafrika kann mir erstmal gestohlen bleiben. Zu allen Zeiten fast unmöglich ist und bleibt leider der Kongo (DRC).

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