Indien – Teil 1: Mumbai und Ellora

Mumbai – Aurangabad – Höhlen von Ellora

Nachdem der Flug mit Kenya Airlines zweimal storniert wurde, flog ich nun mit Oman Air von Sansibar über Muskat nach Mumbai. Im ersten Flieger saßen viele Omaner, alle in denselben weißen langen Gewändern und mit Mützchen auf. Meiner Sitznachbarin, einer jungen Muslimin aus Dar es Salaam, die kein Englisch sprach, zeigte ich einige der Reisebilder. Im zweiten Flieger saßen dann fast nur Inder.

Mit einem Prepaid-Taxi (8 Euro) ging es schnell und unkompliziert zum Hotel ins Touristenviertel Colaba (9 Euro pro Nacht im sauberen Einzelzimmer). Tagsüber dauert die Fahrt wegen des Verkehrs schonmal 2 Stunden, morgens um 6 Uhr nur 30 Minuten. Während der Fahrt ging die Sonne auf, die Häuserschluchten der riesigen Stadt (16 Millionen Einwohner) waren eine tolle Kulisse.

Was in Indien gleich auffällt: Alles ist voll mit Menschen, Menschen und nochmal Menschen. Alles drängt sich auf kleinem Raum. An den verrücktesten Orten schläft jemand, lässt sich rasieren oder die Schuhe putzen. Die Züge, Busse, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, der gesamte öffentliche Raum ist voll mit Menschen. Oft ist es aber noch verhältnismäßig sauber und geordnet, wobei es andererseits auch schonmal richtig übel werden kann. Die Straßen sind voll mit Autos, Motorrädern und Rikschas, die alle permanent hupen.

Einige Leute leben einfach auf der Straße. Früh morgens sieht man schlafende Familien mit vielen Kindern auf dem Bürgersteig. Diese Leute haben gar nichts und können nur betteln. Meist liegen Vater und Mutter unter einer Decke, der Vater hat ein Kopfkissen, die Kinder liegen irgendwo verteilt daneben. Es gibt viele Straßenstände, wo man alles möglich kaufen kann, von Frittiertem über Obst bis zu Handys. Überall schlafen herrenlose Hunde, und manchmal steht einfach irgendwo eine Kuh herum – die sind heilig für die Hindus und dürfen per Gesetz nicht geschlachtet werden. Dies ist aber wiederum Tradition bei den Moslems, und schon haben wir wieder den Salat, denn deshalb gibt es regelmäßig irgendwo gewalttätige Ausschreitungen.

Alles ist sehr günstig: Taxi, Essen, Hotels, Eintritte, Zugtickets, Friseur. Menschliche Arbeit kostet eben nur sehr wenig. Das Essen ist grandios lecker. Es gibt alle möglichen Currys, vieles vegetarisch, Suppen, Reisgerichte, original chinesische Gerichte und vieles mehr. Die Speisekarten sind zwar auf Englisch, jedoch weiß ich meist nicht, was sich hinter einem Namen verbirgt, und bestelle einfach irgendwas. Immer wieder kommt etwas neues Leckeres dabei heraus. Einmal habe ich einen Laden erwischt, wo unzählige Kellner jeweils nur ein Schälchen von etwas bringen, so dass man am Ende eine ganzes Geschmacksuniversum beisammen hat. Zum Frühstück gab es woanders es eine etwas scharfe, undefinierbare grüne Paste mit Weißbrot, sehr lecker.

Das Highlight bei den Straßenständen ist frisch gepresster Zuckerrohrsaft für 12 Cent. Unglaublich lecker. Das Essen ist relativ scharf, aber wirklich scharfes Essen habe ich noch nicht erwischt. In Nordindien isst man relativ mild, nur im Süden ist es so richtig scharf. Hauptgerichte fangen bei 1 Euro an, allein davon kann man locker über die Runden kommen. Für 5 Euro kann man schon in sehr guten Restaurants essen. Kaffee und 1 Liter Wasser kosten je 25 Cent, Mango Lassi 60 Cent. Beim Friseur zahle ich 1,20 Euro, die anschließende weltklasse Kopfmassage mit einer Art vibrierendem Bügeleisen, die ich zuvor bei meinem Nachbarn gesehen hatte, kostete nochmal 1,80 Euro. So lässt es sich leben.

Selbst in Mumbai ist man als Weißer etwas Besonderes. Ich wurde von sehr vielen Leute angesprochen, immer auf dieselbe Art und Weise. Die erste Frage ist immer, wo man herkommt. Dann fragen sie äußerst neugierig einfach immer weiter: Ausbildung, Beruf, Familie, wo war ich schon, was besuche ich noch in Indien, wie lange bleibe ich im Land. Nur wenige wollen dann etwas verkaufen oder ähnliches, die meisten sind einfach nur interessiert.

Bei den Sehenswürdigkeiten in Aurangabad wollten sich sogar unzählige Leute mit mir zusammen fotografieren lassen! Das fand ich am Anfang schon irritierend. Bei ein paar Leuten habe ich nachgefragt. Sie sehen nur selten Ausländer, freuen sich total darüber und wollen ein Foto um es Freunden und Verwandten zu zeigen. Anscheinend ist es auch wichtig für sie, Kontakt mit einem „reichen“ Ausländer vorweisen zu können, das wertet sie selbst wohl auch auf. Solche Blüten treibt also das Kastensystem. Bis auf eine Ausnahme wurde ich nur von Männern angesprochen, für Frauen gehört sich das wohl nicht.

Noch zwei Kuriositäten. Bei der Bejahung einer Frage nicken die Inder nicht mit dem Kopf, sondern wackeln den Kopf ganz seltsam zur Seite. Das sieht eher nach Verneinung aus, und vielleicht kann man sich vorstellen, wie verwirrend das am Anfang war. Als mir ferner ein Student erklären wollte, wie viel Studiengebühren er bezahlen muss (1800 Euro pro Jahr, ein Vermögen), kam heraus, dass die Inder für Hundertausender ein eigenes Wort benutzen, nämlich „Lakh“. Sie zählen also Tausend, Zehntausend, Lakh, Million, usw. Im Taschenrechner seines Handys wird nach der 3., 5. und 7. Stelle ein trennender Punkt angezeigt, bei uns nach der 3., 6. und 9. Stelle.

In Mumbai war ich hauptsächlich in den besseren Vierteln Colaba, Fort und Kala Ghoda unterwegs. Ist wirklich nett dort. Man stelle sich eine Mischung aus Barcelona und Berlin-Neukölln vor. Auf einer Halbinsel gelegen, ist die Luft relativ gut. Man sieht überall schöne Gebäude aus der britischen Kolonialzeit, einige indische Prachtbauten und immer wieder etwas heruntergekommene, von Abgase verschmutzte Wohnhäuser. Es sind unglaublich viele Menschen unterwegs. Besucht habe ich unter anderem das Museum für moderne Kunst, wo es Installationen zum Verhältnis von Musik und Religion in Indien gab, und das Wohnhaus von Mahatma Ghandi. Sehr beeindruckend dieser Mensch. Sein Weg, sich gewaltfrei für die Gleichheit aller Menschen einzusetzen, begann übrigens in Südafrika: dort wurde er einmal aus einem Zug geworfen, weil er nicht Weiß war.

Die dunklen Seiten Mumbais wollte ich natürlich auch sehen und habe deshalb eine Slumtour nach Dharavi mitgemacht (10 Euro inklusive Unterstützung für Hilfsprojekte). Diesen Slum kennt man aus dem Film Slumdog Millionaire. Dort sah es schon ganz anders aus. Es war extrem eng und schmutzig, Abwässer flossen in offenen Kanälen, alle Wohnungen waren sehr klein, viele Leute sahen krank und ärmlich aus. Ein Mann lag einfach in einer Ecke, an Händen und Ellenbogen hatte er offene Wunden, an denen viele Fliegen waren. Es kann sein, dass er tot war. Wir sind einfach weitergelaufen.

In einem indischen Slum hat aber jeder eine Wohnung und zahlt Miete. In Mumbai ist es nicht die schlechteste Art zu leben. Im Slum gibt es sehr viele Arbeitsplätze in kleinen Firmen, die Müll recyclen. Die einen sortieren, die nächsten häckseln, dann wird gesäubert und am Ende werden kleine saubere Plastikteilchen als neuer Rohstoff verkauft. Alles wird von Hand und mit nur wenig Schutzmaßnahmen gemacht, deshalb ist die Lebenserwartung der Arbeiter sehr niedrig. Bilder durfte man im Slum keine machen.

Man hört ja viel darüber, wie schwierig es in Indien sei, mit dem Zug oder Bus zu fahren. In Mumbai bin ich einfach zum Touristenschalter und habe gleich alle Infos und das Ticket nach Aurangabad bekommen (nur 1,70 Euro für 7 Stunden Zugfahrt). Das Gleis war leicht zu finden und der Zug war pünktlich. Also hier keinerlei Probleme. Der Stefan Loose Reiseführer ist superklasse (deutsche Übersetzung des Rough Guides). Probleme gab es auch keine beim Kauf einer indischen Sim-Karte, für die ich einfach in den erstbesten Vodafone-Laden gegangen bin. Für einen Appel und ein Ei habe ich nun Telefon, was bei Hotelreservierungen extremst nützlich ist, und 3G Internet. Auf WLAN im Hotel kann man sich hier nicht verlassen.

Der Zug war dann komplett überfüllt, es war sehr lustig. Ich bin kaum zum Lesen gekommen, weil viele Leute mit mir reden wollten. Die Stadt Aurangabad mit über 1 Million Einwohnern ist uninteressant. Es gibt dort aber ein großes muslimisches Mausoleum (eine Nachbildung des Taj Mahal), sowie die sehr beeindruckenden Höhlen von Ellora. Letztere wurden vom 6. bis zum 8. Jahrhundert in die Felsen gehauen, zehn Generationen arbeiteten daran. Es sind sowohl buddhistische, als auch hinduistische Symbole zu sehen. Höhle Nr. 16 ist eher ein riesiger Tempel, die größte monolithische Struktur der Welt. Bemerkenswert ist, dass man Fehler kaum korrigieren kann, wenn man etwas in einen Felsen haut, und dass trotzdem so viele Details erarbeitet wurden. Dazu aus „The Wonders of Ellora“, aus dem Reiseführer übernommen:

Paläste werden zerfallen, Brücken einstürzen, und selbst der edelste Bau muss dem nagenden Zahn der Zeit weichen, während die Höhlentempel von Ellora ihre unzerstörbaren, uralten Häupter (…) heben, der Glanz vergangener Zeiten und Gegenstand der Bewunderung kommender Zeitalter.

Schließlich ging es noch nach Khuldabad, wo zwei schöne Moscheen zu finden sind, die eine originale Robe von Mohammed aufbewahren, und nach Daulatabad, wo es eine riesige Festung gibt.

 

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