Indien – Teil 3: Hampi und Gokarna

Hier erstmal etwas Lesestoff zu Indien: Link 1 und Link 2.

Insgesamt war ich ab Mumbai auf folgender Route bis nach Gokarna unterwegs, mit Zug und Bus:

Die Busfahrt von Gadag nach Hospet (1,20 Euro für 2 Stunden), der größten Stadt in der Nähe von Hampi, war geprägt von riesigen Schlaglöchern und waghalsigen Überholmanövern. Bei einem Schlagloch haute ich mir selbst mit der Hand kräftig auf die Nase. Ein indischer Fahrgast bekam Streit mit dem Busfahrer und wurde aus dem Bus geworfen. Das war bisher das einzige Mal, dass ich Inder überhaupt habe streiten sehen.

In Hospet war es bei der Ankunft schon dunkel. Während ich auf den Bus nach Hampi wartete, rief ich im Hotel an um zu sagen, dass ich spät komme. Da hieß es, sie hätten das Zimmer schon anderweitig vergeben und seien jetzt ausgebucht. Im Reiseführer standen nur noch 2 weitere Budgetunterkünfte, die beide auch ausgebucht waren. Das lief ja ganz toll, ich war sehr geschafft und dachte schon, dass ich zurück zu den Mönchen müsste. Kurz darauf sprach mich ein Rikschafahrer an, ob ich nach Hampi möchte, er wüsste auch eine gute Unterkunft, wo ein Zimmer frei wäre. Das war die Rettung. Hätte ich natürlich auch gleich drauf kommen können, normalerweise wird man von den Fahrern mit solchen Angeboten ja überhäuft. Die Unterkunft war dann auch gut, nicht die allergünstigste, aber sehr ruhig gelegen, etwas außerhalb vom Dorf zwischen Bananenstauden und Felsen.

Und endlich wieder andere Touristen! Im Restaurant saßen ein Österreicher und ein Engländer, ich hätte sie fast umarmt. Es tat so gut, mit anderen Reisenden über Indien zu reden und Erfahrungen auszutauschen, es wurde sehr viel gelacht.

Erst am nächsten Tag sah ich etwas von Hampi. Der Ort ist wunderbar, magisch. In einer von kleinen Hügeln, einem Fluss, Bananenstauden und Palmen durchzogenen Landschaft stehen auf 25 Quadratkilometern verteilt die Überreste hinduistischer Tempel und anderer Anlagen aus dem 16. Jahrhundert. Man kann diese erwandern oder mit dem Fahrrad abfahren. In der Zeit vor Sonnenuntergang wird durch das Licht alles noch schöner.

 

Direkt neben dem größten Tempel liegt das kleine Dorf Hampi Bazaar, das nur wegen den Touristen existiert. Einheimische, Touristen, Hunde und Kühe sind dort auf engem Raum zusammen und mögen sich alle, die Stimmung ist sehr gut. Es gibt viele gemütliche Restaurants, sowie Klamottenläden, Obststände, Massage- bzw. Schönheitsstudios und Reiseagenturen. Hat man nicht genug Geld dabei, um sein Essen zu bezahlen, kommt man einfach morgen wieder. Um ein Rad zu leihen, musste ich kein Pfand oder ähnliches hinterlassen, ein Schloss gab es auch keines dazu. Es wurde anscheinend noch nie ein Rad gestohlen.

Hampi Bazaar ist ein heiliger Ort, deshalb sind dort Alkohol und Fleisch verboten. Wer darauf nicht verzichten kann, hat zwei Möglichkeiten. Man kann auf der anderen Seite des Flusses übernachten, wo es auch viele sogar noch günstigere Hotels gibt und es keine solche Verbote gibt. Die Brücke dorthin wurde angeblich von den Betreibern der kleinen Fähre zerstört, so dass man jetzt nur noch diese benutzen kann und nach 18 Uhr nicht mehr nach Hampi oder zurück kommt. Dort sind aber 95 Prozent der Leute junge Israelis, die ihre psychischen Schäden vom jahrelangen Militärdienst pflegen und unter sich bleiben möchten. Oder man tut, was man sonst auch tut um an verbotene Dinge ranzukommen: man geht zum Dealer. Wir wurden von einem Inder angesprochen, der Hasch und Opium verkauft, aber auch Bier, und auf Vorbestellung würde er ein Hühnchen besorgen, das im Restaurant seines Onkels frisch zubereitet werden würde! Unglaublich. Bestimmt gibt es Leute, die das ganze Sortiment kaufen.

Es macht viel Spaß über andere Touristen zu lästern – ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Indien schreckt die allermeisten typischen Touristen ab, und fast alle Leute bleiben länger im Land und besuchen verschiedene Orte. Deshalb sollte man eher von Reisenden (Travellers) sprechen. Manche scheinen schon jahrelang im Land zu sein, der erste Eindruck stimmt hier meistens, sie sind sehr dünn, braungebrannt, haben zerzauste Haare, langsamen Gang und sprechen langsam, aber vor allem ist es der Blick.

Dann gibt es Leute, die jetzt mal so richtig auf Indien machen und hier zu sich selbst finden. Sie tragen die fürchterliche bunte, schlabbrige Kleidung, die man an den vielen Ständen kaufen kann, und haben einen roten Punkt auf der Stirn. Auch die Männer tragen bunte Röcke. Kein einziger Inder läuft so rum, ich frage mich, woher dieser lächerliche Stil überhaupt kommt. Sie bleiben unter sich bzw. wollen viel Kontakt zu den Einheimischen haben, streicheln jeden Hund und jede Kuh, und finden indische Kinder „schön“. Sie schauen andere Reisende nur grimmig an und grüßen nicht, denn durch deren Anwesenheit sind sie ja nicht mehr die Einzigen, die in Indien sind, was ihre Selbstfindung entwertet. Sie essen an Straßenständen jeden Mist und putzen sich mit Leitungswasser die Zähne (die Umwelt!), weshalb sie regelmäßig wegen Durchfall flachliegen. Ein Däne brachte es beim Lästern auf den Punkt: diese Leute haben keinerlei Integrität. Hier ein Beispiel, der Mann ganz rechts hat sogar noch einen Erste-Hilfe-Kasten auf dem Rücken!

DSC03212 (Medium)

Ansonsten ist es eine tolle Zeit mit den anderen Leuten. Regelmäßig manchmal täglich, wechselt man seine „Freunde“. Man kann alle Leute ansprechen und wird angesprochen, es gibt viel zu erzählen und zu lachen.

Indische Geschäftsleute wollen in Hampi ein großes neues Besucherzentrum mit schickem Hotel bauen. Deshalb werden Hampi Bazaar und das Dorf auf der anderen Seite des Flusses bald dem Erdboden gleichgemacht und die schon seit Jahrzehnten hier lebenden Bewohner vertrieben. Um die Genehmigungen dafür zu bekommen, fließt viel Bestechungsgeld an Polizei und Behörden. Die Bewohner haben sich viele Jahre dagegen gewehrt, jetzt scheint es aber beschlossene Sache. Ein Teil es Dorfes ist auch schon zerstört. Eines Abends kamen Polizei und Baufirma und verkündeten einfach, dass es am nächsten Morgen losgeht. Die Leute hatten weniger als zwölf Stunen Zeit, zum ihre Sachen zu packen. Wo sie dann wohnen, interessiert niemanden.

Nach fünf Tagen in Hampi nahm ich den Nachtbus nach Gokarna. Dieser Ort liegt an der Westküste in der Nähe mehrerer wunderschöner Strände und ist die ruhige Alternative zum Party-Bundesstaat Goa. Dieses Jahr ist sogar noch weniger los als sonst, weil wegen der aktuelle Wirtschaftskrise weniger Russen nach Goa kommen und deshalb weniger Leute vor ihnen von Goa nach Gokarna flüchten. Es ist sehr entspannt hier, manche Leute sind schon seit Ewigkeiten hier. Mein etwas schäbiges Einzelzimmer kostet nur 3,80 Euro pro Nacht.

Entlang des Strandes befinden sich viele Restaurants, die alle fast dasselbe anbieten. Auch hier sind viele Israelis, was positive Auswirkungen auf die Speisekarten hat (Humus!). Früh morgens sitzen die Selbstfinder am Strand und meditieren. Mein Strand heißt Kudle Beach, noch abgelegener ist der schöne Om Beach. Die Krönung ist dann der Paradise Beach, den man nur mit dem Boot vom Om Beach auserreichen kann und wo es anscheinend keine Hotels und Geschäfte gibt, so dass man seine Verpflegung selbst hinschleppen muss. Dort hat man wirklich seine Ruhe. Mal sehen wie lange ich hier bleibe, bald ist Weihnachten, gerade habe ich die Muse zu lesen und abends Filme zu schauen (aus Andis weltklasse Sammlung), zum ersten Mal wieder seit Jahren. Das sollte ich vielleicht ausnutzen. Filmtipp, für alle die einen einigermaßen realen Eindruck von Indien bekommen möchten: „The Darjeeling Limited“.

 

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