Indien – Teil 5: Munnar

Wieder ging es mit dem Nachtbus von Mysore nach Munnar (12 Euro, 16 Stunden). Diesmal konnte ich relativ gut schlafen. Wenn es mit dem Schlafen klappt, sind Nachtbusse ideal, man spart sich eine Übernachtung im Hotel und viel Zeit.

Und manchmal wacht man dann in einer ganz neuen Welt auf. Bei der Ankunft in Gokarna zwei Wochen vorher war es wie im Traum. Um 4 Uhr morgens kämpften wir uns zu siebt, allesamt Insassen aus dem Nachtbus, durch totale Dunkelheit über Stock und Stein bis zum Strand durch. Als dann die Sonne aufging, wurde uns erst ganz langsam klar, an welch wundervollem Ort wir gelandet waren. Ähnlich war es diesmal auch Richtung Munnar. Die neue Welt hieß Kerala, der grüne, tropische Bundesstaat im Südwesten Indiens. Nach dem Aufwachen ging es noch mehrere Stunden durch eine Berglandschaft voller Pflanzen, Bäche und Wasserfälle. Die Luft war herrlich kühl und frisch. Nach einer Woche in der Stadt ein willkommener Kontrast.

Munnar liegt auf 1550 Metern Höhe, inmitten von Teeplantagen, umringt von bis zu 2700 Metern hohen Bergen, wo man sehr gut Wandern gehen kann. Wie es scheint, ist es ein reiner Touristenort und sehr beliebt bei finanziell gut ausgestatteten Indern. Ich traf auch so manche westliche Touristen, die nur 2-3 Wochen in Indien sind, und sich Munnar als eines ihrer wenigen Ziele ausgesucht hatten. Die Hotels im Ort, der viel weniger attraktiv als die umgebende Landschaft ist, sind relativ teuer und es gibt viele gute Restaurants. Ich hatte großes Glück, dass ich schon drei Tage vorher mein Zimmer reserviert hatte. Viele andere mussten endlos lange nach einem bezahlbaren freien Zimmer suchen.

Auf den Straßen von Munnar sind keine Kühe unterwegs. Dieses fehlende surreale Element wird durch ein anderes locker ausgeglichen: in Kerala regieren Kommunisten, und sie sind sehr fleißig beim Aufhängen von Fahnen und Plakaten. Unter landschaftlichen und politischen Aspekten ist Kerala also so etwas wie das Thüringen Indiens. Die Teeplantagen in der Gegend sind staatlich organisiert, den Plantagenarbeitern und auch dem Rest der Bevölkerung Keralas geht es mehreren Quellen zufolge verhältnismäßig gut.

An meinem ersten Abend in Munnar war Sylvester. Zusammen mit Yakir aus Israel machte ich mich auf die Suche nach Bier, was nicht ganz einfach war. Im Ort gab es genau ein Geschäft, das Alkohol verkaufte. Die Schlange davor war ungelogen mindestens 25 Meter lang. In den Restaurants gab es auch keinen Alkohol. Als letzte Möglichkeit blieben die Bars in den teuren Hotels, die etwas außerhalb des Ortes lagen. Mit einer Rikscha ließen wir uns hinfahren. Bei den ersten beiden Hotels war die Bar jeweils wegen der Sylvestergala geschlossen. Auch beim dritten Hotel war die Bar geschlossen, hier konnten wir aber Bier zum Mitnehmen kaufen (3,50 Euro für eine 0,65 Liter Flasche; Bier kostet in Indien aber überall mindestens 2 Euro).

So saßen wir dann irgendwo auf dem Bürgersteig, und Yakir erzählte Geschichten aus seiner Militärzeit. In der Negev, der Wüste im südlichen Teil Israels, leben Wölfe, vor denen sich die dort patroullierenden Soldaten in Acht nehmen müssen. Die Wölfe sind nämlich ganz gierig auf deren Proviant. Auf die Wölfe zu schießen ist verboten, und so bleibt nur die Möglichkeit, den Proviant abzuwerfen und wegzurennen. Weiter erzählte er von einem Sudanesen, der illegal die Grenze von Ägypten nach Israel überquerte, und dem ägyptische Grenzer vier Kugeln ins Bein schossen. Yakirs Einheit fand ihn und brachte ihn ins Krankenhaus. Monate später trafen sie sich zufällig in einem Cafe in Tel Aviv wieder, der Sudanese war dort Kellner und überglücklich, einen seiner Retter wiederzutreffen.

In Munnar wurden es drei wunderschöne Wandertage bei bestem Wetter. Abends wurde es wieder sehr kühl. Einmal machte ich eine geführte Tour mit, für 12 Euro inklusive Verpflegung und Rücktransport. Dabei ging es bis auf 2100 Meter hoch, über die Wolkendecke, und danach 10 Kilometer weit nur abwärts bis auf 1200 Meter. Das ging ziemlich auf die Füße. Weit genug unten angekommen, waren die Pflanzen voller Früchte, unter anderem Ananas, Papayas, Bananen, Kakao, Kaffee und Pfeffer. Ein wenig erinnerte das an die Gewürztour auf Sansibar. Im Ort kann man die regionale Schokolade kaufen, sehr lecker.

Immer wieder sahen wir große Spinnen. Der Führer trug einen Stock bei sich, gegen die Leoparden, die hier manchmal anzutreffen sind. Denn diese denken angeblich, der Stock sei ein Gewehr, und machen sich dann aus dem Staub. Ich kann nur hoffen, dass alle Leoparden in der Leopadenschule gut aufgepasst haben und wissen, dass Gewehre gefährlich sind. Manchmal sieht man bei solchen Wanderungen auch Elefanten. Eine Woche zuvor fand eine Wandergruppe eine Python, die gerade ein kleines Reh verspeiste. Leider haben wir nichts derartiges gesehen.

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