Indien – Teil 8: Jaipur und Pushkar

Ab Delhi ging es auf folgender Route jeweils mit dem Bus bis nach Pushkar:

Ab jetzt bin ich im sagenumwobenen Wüstenstaat Rajasthan unterwegs, zusammen mit Martin aus München, der eine ähnliche Route vorhat. In Jaipur und Pushkar war es viel wärmer als die Tage zuvor. Tagsüber scheint die Sonne, dann wird es bis zu 25 Grad warm.

Die erste Station war Jaipur, die Hauptstadt des Bundesstaates. Dort im Zentrum befindet sich die Rosarote Stadt, sozusagen die Altstadt Jaipurs, von einer Mauer und schicken Stadttoren umgeben. Der Name kommt daher, dass alle Häuser fast denselben Farbton haben. Heutzutage ist der Farbton aber nicht mehr rosarot, sondern geht eher in Richtung orange. Bei unserer Ankunft waren die Straßen komplett mit Verkehr verstopft. Innerhalb der Rosaroten Stadt gibt es anscheinend nur zwei Hotels, eines ist teuer, und unseres war schlimm. In den Gassen waren wie immer viele Geschäfte, Kühe, Affen und Motorräder. Besonders an den Süßigkeitständen gab es lange Schlangen.

Am folgenden Tag war nämlich das Drachenfest und Feiertag in ganz Rajasthan. Beim Drachenfest stehen die Leute, insbesondere natürlich die Jungs, schon von früh morgens an auf den Dächern der Häuser und lassen bunte Papierdrachen steigen. Welch ein Anblick. In vielen Geschäften wurden diese Drachen verkauft, am Tag vorher ging es in der ganzen Stadt nur um die Drachen. Manche Drachen mit entsprechend langer Schnur stiegen bestimmt 30 Meter hoch. Im Stadion am Rande der Stadt gab es auch einen Wettbewerb. Alle Leute waren fröhlich und freuten sich, dass Drachenfest ist.

Das Highlight in Jaipur ist der Affentempel von Galta. Von der Rosaroten Stadt geht es einen steilen Weg hoch über einen Hügel, und danach eine waghalsige „Treppe“ nach unten. Vom Hügel hatte man einen tollen Blick über die Rosarote Stadt und die unzähligen Drachen, die von den Dächern aufstiegen. Der Weg ist gesäumt von Affen, Kühen, Schweinen, Ziegen und Menschen. An Ständen kann man Futter für die Affen kaufen, alles lag voll mit Nuss- und Bananenschalen. Der Affentempel selbst ist zwischen zwei schroffe Felsmauern gebaut, was sehr beeindruckend anzusehen ist. Angeblich leben dort bis zu 5000 Affen. Leider waren nur ca. 100 zu sehen, als wir dort waren. Es gibt dort auch ein größeres Wasserbecken, in dem sich viele Leute wuschen. Sogar Frauen gingen mit ihrer kompletten Kleidung ins Wasser. Absolut undenkbar, dass sie neben den Männern in Unterwäsche ins Wasser gehen. Gleich neben dem Affentempel gibt es noch weitere, kleinere Tempel mit toller Wandbemalung. Zurück in Jaipur besuchten wir noch den Stadtpalast, auch der war sehr nett anzuschauen. Besonders die wärmende Sonne machte alles sehr angenehm.

Mehr war für uns nicht interessant in Jaipur, und so machten wir uns nach wieder nur einer Übernachtung auf nach Pushkar. Unsere Rikscha vom Hotel zum Busbahnhof fuhr in ein Schlagloch hinein und verlor dadurch ein Metallteil. Danach zogen wir eine Ölspur hinter uns her. Obwohl wir das dem Fahrer sagten, fuhr er einfach weiter. Kurz vor Pushkar hatte unser Bus dann auch noch einen Platten. Glücklicherweise platzte der Reifen bei sehr langsamer Geschwindigkeit, so dass wir problemlos links ranfahren konnten. Dann mussten erstmal alle raus aus dem Bus, und der Fahrer machte sich zusammen mit dem Fahrkartenverkäufer, der auch immer mitfährt, am Reifen zu schaffen. Irgendwo aus dem Gebüsch wurde nach kürzester Zeit schon ein neuer Reifen herbeigeholt, wir hatten keine Ahnung wo der plötzlich herkam. Es musste aber fast niemand warten, bis der Bus wieder startklar war. Innerhalb von zwei Minuten hatte die Hälfte der Leute schon eine Mitfahrgelegenheit bei den vorbeifahrenden Autos und Motorrädern gefunden. Auch wir hätten sehr bald irgendwo mitfahren können, unsere Taschen waren für das Auto und seine vielen Insassen aber zu groß. Nach zehn Minuten fuhr dann ein privater Bus vorbei, der uns problemlos mit nach Pushkar nehmen konnte.

In Pushkar angekommen fanden wir das Zentrum auf Anhieb nicht und mussten mit den schweren Taschen länger umherlaufen. Schließlich landeten wir aber in einem super Hotel direkt am kleinen Marktplatz. Es hat einen sehr schönen offenen Innenhof, die Decken sind kunstvoll bemalt, es ist sauber, die Zimmer sind groß und es gibt zu jeder Tageszeit warmes Wasser. Und es kostet nur 5 Euro pro Nacht. Gegenüber unseres Hotels ist eine Pizzeria, die Pizza aus dem Steinofen war sehr lecker. Das Lagerfeuer im Innenhof wärmte. Die Zeit seit der Ankunft in Delhi nur fünf Tage vorher war unglaublich intensiv. Nie gesehene Schönheit wie beim Taj Mahal und nie empfundene Bedrohlichkeit wie in einer eiskalten Nacht in Delhi, alles in so kurzer Zeit. Es war eine große Erleichterung, an einem so einfachen und bequemen Ort wie Pushkar anzukommen.

Pushkar ist ein heiliger Ort. Obwohl in der Wüste gelegen, gibt es dort einen von weißen Tempeln umgebenen kleinen See, der immer Wasser enthält. Der Überlieferung nach entstand der See, als der Schöpfergott Brahma dort eine Lotusblüte fallen ließ. Daraufhin rief Brahma eine Versammlung von 900.000 himmlischen Wesen ein. Zum Sonnenuntergang werden am See Trommeln gespielt. Umgeben ist Pushkar von kleinen Hügeln und einer längeren Hügelkette. Auf manchen Hügeln sind Tempel gebaut, und es führen anstrengend zu laufende Wege nach oben. Von dort hat man einen tollen Blick über die Stadt. Musikanten spielen Musik auf Instrumenten, die ich noch nie gesehen habe. Hier eine Mischung aus Geige und Gitarre (rechts daneben wird Falafel zubereitet)

Es ist einfach herrlich hier. Alle Leute sind fröhlich und entspannt. Es sind viele Hippies aus Europa unterwegs, die jedes Jahr viele Monate hier verbringen. Ich traf auch manche Leute, die in Europa ein Geschäft haben, und sich hier ihre Waren besorgen, seien es Tücher, Schals oder Taschen im Stil zu sich selbst findender Touristen in Indien. Die Auswahl an guten Restaurants ist groß. Die Inder schaffen es, fremdes Essen hervorragend zu immitieren. Wie schon erwähnt war die Pizza sehr gut. Ich habe hier aber auch die wahrscheinlich beste Falafel meines Lebens gegessen, mit Avocado, Aubergine und Pommes drin! Wir waren auch in einem tibetischen Lokal, dort gab es original Yak-Käse.

Pushkar ist der erste Ort, wo ich mir vorstellen könnte, länger zu bleiben. Ich denke überhaupt nicht darüber nach, wie und wann es weitergehen könnte. Die Zeit ist hier endgültig aufgehoben. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eins. Der Start meiner Reise kommt mir vor wie gestern, ihr Ende ist schon morgen. Die Anwesenheit der 900.000 hinduistischen Götter ist ganz klar noch zu spüren.

 

Advertisements

2 Gedanken zu „Indien – Teil 8: Jaipur und Pushkar

  1. Susanne

    Hallo Martin, deine Indien-Berichte waren echt gut und vor allem sehr ausführlich und anschaulich. Hoffentlich war es nicht der letzte. 😉 Viele Grüße Susanne

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s