Grand Pushkar Hotel

Zehn Tage habe ich es in Pushkar ausgehalten. Ein kleiner Urlaub von der Reise. Viel passiert ist nicht. Es war auch an der Zeit zu überlegen, ob, wann, wie und wohin es weitergeht.

In diesem Eintrag möchte ich das wundervolle Hotel, in dem ich ja nur durch Zufall gelandet bin, etwas genauer beschreiben, durch Worte und durch Bilder. Viele Beobachtungen fand ich nur schwierig in Worte zu fassen, deshalb hat es aber umso mehr Spaß gemacht. Es kann gut sein, dass dieser Text eher langweilig ist – keine Angst, schon bald gibt es wieder die gewohnten Reiseberichte.

Der Name des Hotels ist „Sai Baba Haveli“. Haveli heißt Gasthaus, und Sai Baba ist ein indischer Guru, dessen Bild uns als Grafitti schon in Mysore begegnet ist:

DSC04014 (Medium)

Das Hotel liegt nur wenige Schritte vom Marktplatz in Pushkar weg, in einer ruhigen Seitenstraße. Der Eingang durch ein großes hölzernes Tor und einen mit Blumen, Vögeln und Musikern verzierten Torbogen mit runden Ausbuchtungen ist direkt an der Straße. Direkt gegenüber befindet sich ein Restaurant, das zur Straße hin keine Wand, sondern nur verzierte Säulen und Torbögen besitzt.

Gleich nach dem Eingangstor ins Hotel geht man eine kleine Treppe nach oben in eine fast quadratische Eingangshalle. Die Treppe und der Boden sind aus hellem Marmor. Die Wände sind wieder mit bunten Blumen und Vögeln verziert. Dort, wo die Decke auf die Wände trifft, sind rundum gleichmäßige, zurückhaltende bunte Muster aufgemalt. In den Ecken der Decke sind Stuckkränze angebracht, die wie eine geviertelte Blume bemalt sind. In der Decke klafft ein größeres, achteckiges Loch zum ersten Stock hin, daneben sind an weiteren Stuckkränzen messingfarbene Kettenlampen angebracht. Nach links sieht man durch bis zum Boden reichende Fenster in den Innenhof. Zwischen den Fenstern steht die goldene Statue einer Hindu-Göttin. Rechts befinden sich zur Straße hinaus drei mit verzierten Holzläden versehene Fenster.

Geradeaus geht es durch einen großen Torbogen ins Restaurant, dessen Boden wieder aus Marmor ist. Die ca. 20 Sitzplätze sind auf Korbsessel um massive hölzerne Tische herum verteilt. Gleich links hinter dem Torbogen befindet sich die Rezeption: ein kleiner Schreibtisch mit Laptop drauf, daneben eine selbstgemachte hölzerne Schlüsselwand, dahinter ein Regal mit Musikanlage, Familienfotos und Bilder von Göttern, die mit orangenen Blumen verziert sind. Der Manager ist 14 Jahre alt und erinnert mich an den Lobbyboy aus dem Film „Grand Budapest Hotel“. Morgens geht er zur Schule, nur ein paar Straßen weiter, danach sitzt er an der Rezeption. Er bekommt kein Gehalt, nur Schlafplatz, Essen, Klamotten und das Schulgeld für seine Arbeit.

Weiter auf der linken Seite findet man drei große, oben abgerundete Fenster zum Innenhof hinein. Die Decke ist wieder mit Stuckkränzen und einem gleichmäßigen Muster zu den Wänden hin verziert. Dort hängen acht Lampen mit gläsernen Lampenschirmen, zwei Ventilatoren sind inmitten von Stuckkränzen angebracht. Rechts begrenzen vier große Säulen den Essbereich. Sie sind unten eckig, oben laufen sie in runden Einbuchtungen mit den anderen Säulen zu Bögen zusammen, welche auf beiden Seiten mit bunt bemaltem Stuck verziert sind. Einen halben Meter dahinter befinden sich weitere rechteckige Säulen, zwischen denen Pflanzen aufgestellt sind. Erst nach diesen Säulen geht es zur Straße. Durch den dadurch entstehenden Flur zwischen den Säulen wirkt es, als befinde man sich schon im ersten Stockwerk.

Die Wand, welche die Fenster zum Innenhof auf der linken Seite und die Säulen auf der rechten Seite verbindet, ist von einer großen Durchreiche unterbrochen, die auf dieselbe Weise wie die Bögen zwischen den Säulen mit Stuck bunt verziert ist. Daneben steht ein klassischer Coca-Cola Kühlschrank. Hinter der Durchreiche befindet sich die Küche des Restaurants, in die man großzügig hineinschauen kann.

Nun zum Innenhof. Er ist ca. 40 Quadratmeter groß ist, die Grundfläche ist nicht ganz rechteckig, ein Ende ist etwas kürzer als das andere. Der Hof ist nach oben offen, alle vier Stockwerke des Hotels grenzen mit Balkons daran an. Nach oben schaut man in einen blauen Himmel. Von oben wachsen efeuartige Pflanzenteppiche von den obersten Stockwerk nach unten, die orangene, rote und lila Blüten hervorbringen.

Der Boden des Hofs ist aus hellem Marmor, verziert mit Blumenmustern. Im Erdgeschoss ist der Hof rundum abgegrenzt durch Säulen, deren verzierte untere Hälften sandsteinfarben sind, und die oben auf dieselbe Weise wie im Restaurant zu mit Stuck verzierten Bögen zusammenlaufen. Einen Meter hinter den Säulen kommen erst die Wände, so dass sich um den Hof herum ein Säulengang ergibt. Ein Teil des Säulengangs ist mit Matratzen, Kissen zur Wand hin und niedrigen Tischen ausgestattet, die zum Restaurant gehören. An den Wänden befinden sich Fenster in die dahinterliegenden Räume. Auf einer Seite sind auch schon die ersten Hotelzimmer. Um die doppelten Türen (außen ist zunächst eine Tür mit großen Moskitonetzen angebracht) sind rundherum bunte Blumen aufgemalt.

Entlang der zwei langen Seiten des Hofs befinden sich jeweils Beete, aus denen niedrige Pflanzen, aber auch bis zu drei Meter hohe Bäume herausragen. In der Nähe der Ecken des Innenhofs sind ferner auf dem Boden runde Einlassungen zu finden, aus denen Palmen wachsen. Ungefähr in der Mitte es Hofs ist eine Feuerstelle im Boden eingelassen. An einem Ende steht eine Statue von Sai Baba auf einem ein Meter hohen Sockel, an dessen Ecken verzierte Säulen auf die schon mehrfach erwähnte Weise nach oben zu Bögen zusammenlaufen. Auf den Bögen ist eine Platte aufgesetzt, welche die Statue vor Regen schützt, und auf der eine Kugel aufgesetzt ist, die aus Stuckblumen herauszuwachsen scheint. Man könnte das Ganze einen kleinen Tempel nennen.

Eine Treppe hoch kommt man ins erste Stockwerk. Dessen Flur geht auf vier Seiten einmal komplett um den Innenhof herum. Wieder sind gleichmäßige bunte Verzierungen aus Blumen und Tauben dort aufgemalt, wo die Wände auf die Decken treffen. (Dafür muss es doch einen Fachausdruck geben. Kennt den jemand?) Der Flur ist auf drei Seiten durch Säulen zweigeteilt. Auf der einen Seite der geteilten Flurseite sind die Türen und Fenster zu den Hotelzimmern hin, im selben Stil wie im Erdgeschoss und auch wie auf den anderen Stockwerken. Dies sind die einzigen Fenster der Zimmer, so dass sie relativ dunkel sind. Die andere Seite des Flurs zum Innenhof hin ist nur begrenzt durch recht niedrige Geländer, die wiederum aus kleinen Säulen aufgebaut sind. Von oben hängen Pflanzenteppiche nach unten und deuten eine Wand zum Hof hin an. Auf der einzigen Seite des Flurs ohne Säulen ist nur ein schmaler Gang, entlang dessen weitere Türen und Fenster zu Hotelzimmern zu finden sind. Man muss beinahe etwas aufpassen, nicht übers Geländer zu fallen.

Jeweils an den beiden Enden einer Seite des Flurs führen zwei kurze Gänge zu einem recht breiten Balkon zur Straße hinaus. Dieser ist wieder durch Säulen geteilt, und von der einen Seite gelangt man zu den Türen und Fenstern weitere Hotelzimmer. Am späten Nachmittag scheint die Sonne seitlich durch die Säulen.

Das zweite Stockwerk ist wie alle anderen um den Innenhof herum gebaut, wieder kann man einmal komplett herumlaufen. Auch die Verzierungen sind dem ersten Stock sehr ähnlich, es sind aber nicht die gleichen. Eine lange Seite des Flurs, von wo man in weitere Hotelzimmer kommt, ist nur noch zur Hälfte überdacht, weshalb dort keine Säulen mehr zu finden sind. Dafür ist diese Seite fast komplett von einem von oben runterhängenden, über das wie im ersten Stock niedrige Säulengeländer hängenden bunten Blumenteppich überwuchert, unter dem man problemlos hindurchlaufen kann. Von hier sieht man auch schon große Teile des blauen Himmels, wodurch das zweite Stockwerk gleich viel heller als die beiden unteren ist. Wieder kommt man von den Enden einer Flurseite durch kurze Gänge zu einem auf die Straße zeigenden Balkon mit Hotelzimmern. Dort sind keine Säulen, und man sieht schon über viele umliegende Häuser hinüber weg auf die den Ort umgebende Hügelkette.

Das Beste am ganzen Hotel, man mag es nach dem ganzen Redeschwall kaum glauben, ist aber das Dach, genauer die beiden komplett begehbaren dritten und vierten Stockwerke des Hotels, von denen das dritte nur zum Teil und das vierte gar nicht überdacht ist. Vom Treppenaufgang gelangt man gleich zu einem achteckigen Sitzbereich mit Matratzen und niedrigen Tischen, der von runden, oben auf die bekannte Weise zusammenlaufenden Bögen begrenzt und vom zweiten Dachstockwerk überdacht ist. Dahinter ist eine weitere große überdachte Fläche, von Säulen nach innen und großen Bögen nach außen hin begrenzt. Von hier sieht man schon einen Teil des heiligen Sees und den dahinterliegenden Berg mit Tempel obendrauf. Nachmittags scheint die Sonne durch die Bögen hindurch. Dieser Teil gehört noch zum Restaurant dazu. Mit einem extra aufgestellten Telefon kann man unten anrufen und sich was man möchte nach oben bringen lassen.

Auf dem dritten Stockwerk sind vier weitere Hotelzimmer, eines schöner als das andere. Sogar die Möbel sind einigermaßen stilvoll. Von der Eingangstür gelangt man direkt ins Freie, auf einen wie im zweiten Stockwerk engen Gang zum Innenhof hin. Insbesondere ein Zimmer hat es in sich. Es hat auf einer Seite einen eigenen großen Balkon, Eingangstüren auf zwei Seiten sowie ein kleines Fenster auf der vierten Seite. Insgesamt kann man also von allen vier Seiten Licht und Luft hereinlassen!

Eine weitere Treppe führt nun endgültig nach ganz oben. Das begehbare Dach besteht aus zwei nicht allzu breiten langen Gängen und zwei größeren Flächen. Die eine kleinere Fläche ist die Überdachung der achteckigen Sitzecke und damit selbst achteckig. Auf der anderen, bestimmt dreimal so großen Fläche stehen ca. 1,50 Meter hohe, rechteckige unverzierte Säulen, aus denen Fahnenstangen herausragen, an die bunte Fahnen angebracht sind. Vom Dach aus hat man rundum einen tollen Blick über Pushkar, die umliegenden Hügel und den heiligen See. Es ist relativ ruhig hier. Man hat einen tollen Blick darauf, wie die Sonne über dem See untergeht.

Viele Bereiche des Hotels sind in gutem Zustand, andere eher sanierungsbedürftig. Aber das macht vielleicht den Charme dieses Grand Hotels aus. Auch die Zimmer sind von unterschiedlicher Qualität. Manche Böden sind noch aus Stein, das ist eher ungemütlich. In anderen Zimmern wurden schon saubere, glatte Fließen gelegt. Die Badezimmer erreichen alle nicht den Standard, bei dem ich mich auf Dauer wohlfühlen würde. Hier sollte sich zuerst eine Gruppe Handwerker austoben, und danach sollte man ein Putzteam in die Geheimnisse wirkungsmächtiger Putzmittel einführen.

Trotz allem ist es hier aber annehmbar sauber. Und der Preis ist unschlagbar: ab 4 Euro pro Nacht bekommt man ein schönes Doppelzimmer. Wenn man nett ist, ein bisschen handelt und länger bleibt, bekommt man aber auch die allerbesten Zimmer schon für unter 10 Euro pro Nacht.

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