Bangkok, und Vorbereitungen für Myanmar

Mit Jet Airways ging es von Dehli nach Bangkok. Hier bleibe ich zunächst drei Tage, dann geht es weiter nach Myanmar (bis 2011 Burma), für dreieinhalb Wochen.

Nach fast vier Monaten in Afrika und Indien erscheint es in Bangkok auf den ersten Blick wie die Rückkehr ins gelobte Land. Es ist sauber, der Verkehr moderat, es ist alles sehr einfach – natürlich alles nur im Vergleich mit den letzten Monaten. Vor vier Jahren war ich schon einmal hier, da empfand ich die Stadt ganz anders. Das Beste ist das Wetter. Die Temperatur bleibt den ganzen Tag konstant bei ca. 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist nicht so hoch, man schwitzt fast nicht. Besser geht es kaum. Sehr gerne würde ich etwas davon nach Deutschland abgeben.

Viel unterwegs bin ich nicht, hauptsächlich in der Nähe der Khao San Road, des berühmten Touristenviertels von Bangkok. Die Khao San Road hatte ich im Beitrag über Kapstadt schon erwähnt und sie mit der dortigen Long Street verglichen. Der Vergleich hinkt gewaltig, wie mir jetzt auffällt. Hier ist alles viel touristischer, die Straßen sind rund um die voll mit Leuten, es wird überall gegessen und gefeiert. Überall hat es Verkaufsstände mit Kleidung, Elektronik, Früchten und vielem mehr. Besonders lecker ist das Kokosnusseis serviert in einer frischen Kokosnuss, und besonders lustig sind die frittierten Insekten, ein Klassiker. Es gibt u.a. Schaben, Kakerlaken, Skorpione und daumenlange Spinnen. Letztere Kosten 15 Euro pro Stück. Die Touristen kommen dem gesamten „Westen“, also Europa inklusive Russland, Nordamerika, Japan, Südkorea und dem Saarland („Isch kann eich ga nit sahn wie schee es is wenn ich warme Fies habb. Abbe manschmahl sinnse dann zu heeß, des is aa nix“).

Alles wird fotografiert und gefilmt, der Selfiewahn kennt keine Grenzen mehr. Der letzte Schrei ist eine Selfiestange, die man überall kaufen kann. Das ist eine Teleskopstange mit Handyhalterung, ca. 1 Meter lang im ausgefahrenen Zustand, für das optimale Selfie. Einige Touristen haben Verletzungen an Armen und Beinen, die sie sich bei Motorrad- oder Rollertouren auf den thailändischen Inseln geholt haben. Vielleicht auch weil sie über eine Selfiestange gefallen sind, man weiß es nicht.

An einem Tag war ich auf einem riesig großen Wochenendmarkt. Man kann dort wirklich alles kaufen, und das auch noch sehr günstig, wenn man gut handelt (kann ich leider nicht so gut). Die Markenprodukte sind alle original nachgemacht, das aber sehr gut. So habe ich mir einen neuen kleinen Rucksack von Deuter gekauft, mit „aircomfort“ am Rücken, das heißt, der Rucksack liegt nicht direkt auf dem Rücken auf. Schon lange war ich neidisch auf jeden, der so einen Rucksack hatte. Mein alter kleiner Rucksack ist unrettbar versifft und wird verschenkt. Bei den Klamotten habe ich auch zugeschlagen, es gibt hier sehr schicke Sachen zu super Preisen. Von zu Hause hatte ich insgesamt zu sehr abenteuermäßige Kleidung mitgenommen, das ist nun endlich korrigiert. Tipp für alle Thailandreisenden: kommt mit leerem Koffer bzw. Rucksack und kauft euch in Bangkok ein ganzes Sommersortiment zusammen. Lohnt sich wirklich. Ach was, kommt gleich ohne alles und kauft euch hier auch einen neuen Backpacker-Rucksack!

Mir fällt aber auch auf, wie arg freundlich die Leute in Indien und auch in Afrika waren, und wie gut man dort eigentlich aufgehoben war. In Bangkok wird nicht gelächelt und nacheinander geschaut, hier ist alles wieder anonym und man interessiert sich nicht wirklich für die anderen Leute. Man interessiert sich nur für deren Aussehen und versucht beim Schick- und Schönsein mitzuhalten. Sicher sind nicht alle Leute so, aber wer behauptet, er oder sie könnte sich dem hier komplett entziehen, dem glaube ich nicht. Ich kann es sicher nicht.

In Indien und Afrika waren alle Leute sehr freundlich zu mir, auch die anderen Touristen, es wurde sich angelacht, gefragt wie es geht und Geschichten erzählt. In Bangkok trifft man sich im Hostel im Bad zum Zähneputzen und würdigt sich nicht eines Blickes. Suchte man in Indien Gesellschaft, musste man einfach in irgendein Lokal gehen und war an fast jedem Tisch willkommen. Gerade vermisse ich die Freundlichkeit der Inder sehr, ihre Höflichkeit, ihr Interesse an allem – auch wenn es manchmal zu viel des Guten war. In Bangkok finde ich es sehr schwer mit Leuten in Kontakt zu kommen und sitze nur alleine rum. Hier sollte man besser schon gar nicht alleine aufkreuzen. Die Thais wirken auch komplett gleichgültig. Beim Geldwechseln habe ich den Mann hinter dem Schalter nicht genau verstanden, und auf meine Nachfrage hat er gleich angefangen mich anzuschreien.

In Myanmar soll das wieder anders sein, wie man überall liest und hört. Noch ein Grund mehr, weshalb ich mich schon sehr auf das Land freue. Schon lange wollte ich dorthin reisen, jetzt klappt es endlich. Seit 2011 hat das Land eine zivile Regierung (vorher war jahrzehntelang das Militär an der Macht) und öffnet sich dem Rest der Welt, insbesondere beim Tourismus. Natürlich gab es zu allen Zeiten dort Tourismus, es war aber wohl wesentlich komplizierter als heutzutage.

Die Vorbereitungen für den Aufenthalt waren minimal. Seit der Einführung eines Onlinesystems im September 2014 ist es extrem einfach, ein Touristenvisum für 28 Tage zu bekommen. Ich musste nur ein Onlineformular mit den üblichen Daten ausfüllen, ein Foto hochladen und 50 Dollar per Kreditkarte bezahlen. Schon einen halben Tag später bekam ich ein PDF-Dokument per Mail zugeschickt, das ich ausgedruckt am Flughafen vorzeigen muss, und schon lassen sie mich 28 Tage lang rein. Einfacher wäre es nur noch, wenn sie gar kein Visum verlangen würden. Als Reiseführer habe ich den Lonely Planet vom Juli 2014. Wie ich aber öfter gelesen habe, bucht man Transport und das nächste Hotel einfach im aktuellen Hotel, bzw. die Leute dort buchen es für einen. Und man kann nicht mehr ganz spontan reisen wie sonst in Asien, also zum Beispiel ohne Reservierung irgendwo ankommen. Dafür gibt es noch wenige für Ausländer zugelassene Hotels. 2-3 Tage im Vorraus reichen aber anscheinend aus.

Mit dem Bargeld stellen sie sich noch ein bisschen an. Die lokale Währung Kyat wird zwar immer öfter akzeptiert, und es gibt nun auch viele funktionierende Geldautomaten. In manchen Hotels und z.B. auf Fähren werden aber weiterhin nur US-Dollars akzeptiert – und zwar müssen diese fast wie neu aussehen, damit sie genommen werden. Knicke und Eselsohren jeder Art machen sie wertlos in Myanmar. Diese Schikane erinnert an so manches schlechte Computerspiel, wo der Schwierigkeitsgrad durch sinnlose Regeln künstlich erhöht wird. Also habe ich mir 400 astreine Dollar in Bangkok besorgt. Ist natürlich nicht so toll, mit so viel Bargeld rumzulaufen. Vor allem, weil ja jeder dort weiß, dass jeder ankommende Tourist irgendwo sehr viele Dollars versteckt hat. Und so gut verstecken kann man sie auch nicht, sie dürfen ja nicht verknicken…

Ist egal, es wird schon alles passen, ich freue mich riesig!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Bangkok, und Vorbereitungen für Myanmar

  1. Stefan

    Touristen mit Selfie-Teleskopstangen hab ich letztes Jahr auch zum ersten Mal gesehen. Im nächsten Level werden dann Gopros auf ferngesteuerte Flugobjekte platziert.
    Myanmar wird sicher interessant werden.
    Gruß
    Stefan

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s