Melbourne und die Great Ocean Road

Von Bangkok ging es mit der Billigfluglinie Jetstar für sensationelle 280 Euro nach Melbourne in Australien. Der Direktflug dauerte 9 Stunden und ging über Nacht. Die Zeitverschiebung nach Deutschland beträgt nun plus zehn Stunden.

In Asien hätte es noch viel zu entdecken gegeben. Aber genauso auch in vielen anderen Ecken der Welt. Ich kann nicht alles bereisen, muss mich zwischen Zielen entscheiden, sonst wäre ich ja jahrelang unterwegs. Deshalb jetzt ein größerer Sprung.

Entscheiden musste (also wollte) ich mich mehr oder weniger auch zwischen Australien und Neuseeland. Oft habe ich gelesen und gehört, dass man in Australien einen Camper benötigt, um viele interessante Ziele zu erreichen und um einigermaßen günstig leben zu können (man kann den Camper kaufen und am Ende wieder verkaufen). Alleine wollte ich das nicht, und ich wollte auch nicht versuchen, dafür andere Leute zu finden. Die Natur in Neuseeland reizt mich auch mehr als die Australiens, so dass ich nun drei Wochen in Australien und zwei Monate in Neuseeland sein werde.

Australien und Neuseeland sind wirklich sehr weit von Europa weg. Dagegen ist es ein Klacks, nach New York zu reisen. Und was für Welten da plötzlich kommen, an diesem Ende der Welt: im Norden Australiens ist tropischer Regenwald, das Klima ist ähnlich wie in Indonesien; im Landesinnern ist nur Wüste; im Süden und Südosten ist das Klima wie in Mitteleuropa, alles ist grün und voller Laubbäume, Kühe grasen auf endlosen Weiden. Das Wetter im Süden ist sehr wechselhaft, daran und an den kalten Wassertemperaturen merkt man die „Nähe“ zur Antarktis. Die nur 24 Millionen Einwohner Australiens leben hauptsächlich in Städten an den Küsten, das riesige Landesinnere ist menschenleer. Im Südosten sind Melbourne, Adelaide, Canberra und Sydney fast Nachbarstädte, davon sind Perth und Darwin im Norden tausende Kilometer weit entfernt. Und dann gibt es noch, einfach so, die Insel Tasmanien, gut eine Flugstunde von Melbourne entfernt, die als südlichster Bundesstaat zu Australien gehört. Die große Mehrheit der Einwohner ist europäischer (britischer) Abstammung. Die Besiedlung des Kontinents durch Weiße ab dem 18. Jahrhundert ging für die Ureinwohner (Aboriginees) wie immer nicht gut aus. Australien ist reich an Rohstoffen, was stark zum Wohlstand seiner wenigen Einwohner beiträgt.

Die Australier machen etwas aus den Möglichkeiten, die ihnen ihr Kontinent bietet. Melbourne, mit vier Millionen Einwohnern noch etwas größer als Berlin, ist eine fantastische Stadt. Es scheint, als hätte man sich das Beste aus London, Amsterdam, Stockholm und Berlin zusammengenommen, und, mit einer Prise New York versehen, in bester Lage in der Port Phillip Bay (Bucht) aufgebaut:

Allein schon wie stilvoll der Yarra River (Fluss) durch die Stadt in die Bucht hineinfließt! (Dafür bitte etwas ranzoomen).

Die Luft in Melbourne ist sehr gut und die Straßen sind breit, aber nicht zu breit, so dass sich der Autoverkehr gut verteilt. Es gibt viele größere Parks in der Stadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut, mit schnellen Zügen, Tram und Bussen. Mit dem Fahrrad kommt man auch sehr gut voran. Es gibt ein belebtes Stadtzentrum, das von schicken Hochhäusern geprägt ist. In anderen Städten habe ich diese Kathedralen des Kapitalismus meist als kalt und bedrohlich erlebt, hier ist das nicht so. Man bekommt fast Lust, hier irgendwo im 33. Stock zu arbeiten und dabei einen stylischen Anzug zu tragen. Das Stadtzentrum grenzt an den Yarra River, an dessen Promenade sich unzählige Bars und Restaurants aufreihen. Abends bilden sich Menschentrauben um die auf der Promenade spielenden Musiker, Zauberer und andere Künstler.

Um das Zentrum herum befinden sich viele kleinere Stadtviertel. Einzelne lange Straßen haben es wirklich in sich. Etwas nördlich vom Zentrum, in der Lygon Street, gibt es über vielleicht zwei Kilometer ein Restaurant neben dem anderen, meist Italiener. Abends sitzt dort am Straßenrand alles voll mit Leuten. Gleich nebenan, in der Brunswick Street, sind auf ähnlicher Länge nur Bars, eine cooler als die andere. Wieder nur wenige Gehminuten weiter kommt man zur Smith Street, meine absolute Lieblingsstraße, wo man an einer tollen Mischung aus Restaurants, Imbissen, Bars und Geschäften vorbeischlendern kann. Viele tolle Läden gibt es auch auf der Chapel Street weiter im Süden. Nicht weit von all dem Treiben sind die Strände, zu nennen ist hier insbesondere der St. Kilda Beach. Das Wasser ist kalt, nur wenige wagen sich ohne Neoprenanzug hinein.

Die Stadt ist leider, so wie anscheinend ganz Australien, recht teuer. Man verdient wohl gut. Ein kleines Bier kostet in der Bar normalerweise 6 Euro, im Restaurant ist man allein fürs Essen gleich mal 20 Euro los. Kauft man sich im Supermarkt ein Abendessen zusammen, ist man auch schnell bei 10 Euro. Um etwas Geld zu sparen trickse ich mich deshalb durch: im Supermarkt bald ablaufende, reduzierte Sachen kaufen, Montags kostet das Bier in einem Laden nur 3 Euro, Dienstag gibt es woanders Steak für 8 Euro, Mittwochs all you can eat Pizza für 7 Euro, und so weiter. Die günstigen Zeiten in Asien, wo es jeden Abend gutes Essen im Restaurant für wenig Geld gab, sind nun erstmal vorbei.

Auch ein Einzelzimmer im Hotel werde ich so bald nicht mehr sehen, die sind hier viel zu teuer. Deshalb schlafe ich jetzt in Hostels, meist in 10er-Zimmern, dort kommt man für 18-20 Euro pro Nacht weg. Bisher ist das ganz gut gelaufen. Couchsurfing habe ich diese Woche noch nicht gebacken bekommen (man muss erstmal ein Profil von sich im Internet erstellen), werde es aber bald mal ausprobieren. Dabei wird man einfach von jemandem in seine Wohnung zum Übernachten eingeladen. Man spart sich die Übernachtungskosten und kommt dadurch ganz einfach mit Leuten in Kontakt. So kann man die gesparten Übernachtungskosten also gleich wieder in Bier investieren. Ich finde es hier auch viel schwieriger, in kurzer Zeit nette (also zu mir passende) Leute kennenlernen. Eigentlich ist es wieder genauso schwierig wie zu Hause. Alleine und nüchtern im tollen Melbourne ist es natürlich nur halb so schön. Ist meine Schuld, alle reden über Couchsurfing, ich hätte es eben probieren müssen.

Die anderen Gäste in den Hostels, darunter viele Deutsche, sind sehr jung, die allermeisten machen nach der Schule Work & Travel (Arbeiten & Reisen). Dabei darf man sich ein Jahr lang in Australien aufhalten, wovon man 90 Tage arbeiten muss, meist als Kellner oder als Erntehelfer. Einen Großteil des Jahres verbringt man dann in Hostels, entsprechend richten sich manche Leute als Dauergäste ein. Einige Leute lagen immer nur im Bett rum, als ich sie sah. Mit einem 18-jährigen Deutschen hatte ich mich angefreundet. Bei ihm läuft es nicht so gut. Er war zuerst länger mit einer Gruppe unterwegs, hat sich dann aber mit ihnen zerstritten. Am Flughafen musste er zweimal 150 Euro für Übergewicht beim Gepäck nachzahlen, wurde von anderen Reisenden beklaut, er verpasste eine teure Fähre, dann ging die Kreditkarte nicht mehr und er war total blank. Passanten um Geld fragen hat nicht so gut geklapppt, deshalb hat er sogar im Supermarkt Lebensmittel geklaut. Allein diese Woche hat er sein Handy verloren, wurde von der Polizei aufgegriffen, als er betrunken Mülltonnen umgetreten hatte, und am Morgen vor dem Formel 1 Rennen, das zufällig diese Woche stattfand, konnte er seine Eintrittskarte nicht mehr finden. Er muss dringend arbeiten, findet aber einfach keinen Job in Melbourne. So sammelt man im fernen Australien Lebenserfahrung. Er hat mir etwas leid getan.

Ich hatte eine schöne, teure Woche in Melbourne. Die Aussies sind locker und bevölkern ihre ganzen schicken Bars. Beim Moomba Festival gab es Wasserskiweitsprung und Skateboardwettbewerbe zu sehen. Die National Gallery of Victoria war sehr interessant, sogar die Ausstellung zur vom Christentum geprägten Kunst und Kultur im Mittelalter in Europa. Diese wirkte so, dass man merkte, dass dies einerseits zur Vergangenheit der allermeisten Australier gehört, dass diese aber andererseits durch die räumliche auch eine gesunde geistige Distanz gebildet haben. Im Crown Casino war es sehr lustig, dort geht es ganz locker zu, man kann in normalen Kleidern auftauchen. Man kann Poker, Roulette, Black Jack, Glücksrad und Automaten spielen. Manche Automaten kosten nur 1 Cent pro Spiel, dort habe ich mehrere Stunden verbracht, bis meine 2 Dollar Einsatz verloren waren. An einem Black Jack Tisch spielte ein Japaner ein einziges Spiel gegen den Croupier, mit 1000 Dollar Einsatz – und verlor. Was manche Leute auch beim Roulette einsetzten, war unfassbar.

An einem Tag mietete ich mir ein Fahrrad (18 Euro) und fuhr zum Hafen, den Stränden sowie den Capital City Trail entlang, ein schöner Fahrradweg mitten durch die Stadt, meist entlang des Yarra Rivers. Am einen Ende des City Trails war ein Golfclub, wo man für nur ca. 16 Euro 100 Bälle und einen Schläger bekam, um auf der Golf Range Abschläge zu üben. Das wollte ich schon immer mal machen. Es klappte auch ganz gut, es war toll, einen Ball richtig zu treffen und dadurch im hohen Bogen wegzuhauen. Golf spielen und Lebensmittel kaufen, die bald ablaufen – wie wunderbar gegensätzlich ist doch das Reisen.

An einem anderen Tag buchte ich einen Ausflug auf die Great Ocean Road (60 Euro). Diese Straße, nach dem ersten Weltkrieg von Veteranen gebaut, führt von Melbourne Richtung Westen, an szenischen Küstenabschnitten vorbei. Man sieht richtig, wie die Straße den steilen Felsen abgerungen wurde. Alle paar Kilometer mündet ein kleiner Fluss ins Meer. Die zweite Hälfte der Straße führt durch Wälder und an Wiesen vorbei, die Kühe wurden oben schon erwähnt. Um Melbourne herum ist nur wenig menschliche Zivilisation. Kaum zu glauben, dass diese tolle Stadt mitten im Nichts entstanden ist.

Nach 280 Kilometern erreicht man die 12 Apostel. Das sind zwölf steile Felsblöcke, die in der Nähe des Strandes aus dem Wasser ragen. Der Strand wird dabei von steilen Klippen begrenzt, bei denen man deutlich verschiedene Gesteinsschichten erkennen kann. Durch den sich über die Jahrtausende ändernden Meeresspiegel werden die Klippen unterspült, wodurch sie irgendwann abbrechen und dann abgetragen werden. Manche Gesteinsschichten sind härter als andere, weshalb sie den Wellen länger standhalten. Auf diese Weise kommen manchmal so tolle Formationen wie die 12 Apostel zustande. Diese werden aber innerhalb der nächsten Jahrtausende auch zusammenbrechen.

Wenige Kilometer weiter befindet sich eine Art Lagune. Dort ist es andersrum als bei den 12 Aposteln: ein kleiner Abschnitt der steilen Klippen konnte den Wellen nicht standhalten, wodurch die Lagune in die Klippen gefressen wurde. Der Blick vom Strand auf die vielleicht 500 Meter entfernte Öffnung zwischen den Klippen aufs offene Meer ist umwerfend.

Nochmal ein Stück weiter kommt dann The London Bridge (Die Londoner Brücke), was ich von allen drei Formationen am Besten fand. Hier haben die Wellen ein größeres Stück Klippen übriggelassen und an dessen unteren Teil dann einiges abgetragen, so dass es jetzt wie der Bogen einer Brücke aussieht:

Der Felsen war bis zum 15. Januar 1990 mit den Festlandklippen durch ein weiteres Brückenstück verbunden – am Abend dieses Tages brach sie ab, und seitdem erst steht der Bogen isoliert da. Bis dahin konnte man über die Brücke zum Bogen spazieren. Als sie abbrach, waren tatsächlich auch zwei Personen auf der anderen Seite, die von einem Hubschrauber gerettet werden mussten.

Wie unser Fahrer berichtete, wohnten die zwei Personen ganz in der Nähe, hatten eine Affäre und trafen sich dort heimlich. Der Hubschrauber war der eines Fernsehsenders, der natürlich eine Riesengeschichte aus dem Abbruch des Brückenteils machte, und dass zwei Personen gefangen waren. Dadurch kam die Affäre heraus, und beide Ehen gingen in die Brüche.

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