Tasmanien – Teil 2

Tasman Nationalpark (Cape Raoul) – Freycinet Nationalpark (Wineglass Bay) – Cradle Mountain/Lake St. Clair Nationalpark

Für meine Schwester ist hier erstmal das Straßenschild vom Tasmanischen Teufel. In echt habe ich leider keinen gesehen.

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Die im letzten Eintrag beschriebenen Ziele (Mount Wellington, Bruny Island, Mount Fields) haben wir jeweils von Hobart aus angefahren. Nun ging es weiter weg von Hobart, zuerst an die Ostküste und dann in die Mitte der Insel. Hier die gesamte Route:

Vor der Ankunft auf der Insel machte ich mir Sorgen, die schöne Natur auf Tasmanien nicht erleben zu können. Vom Internet aus wirkt alles teuer und kompliziert. Zum Beispiel fahren manche Busse vom Süden in den Norden nur an bestimmten Wochentagen, und in abgelegenen Gegenden gibt es keine günstigen Hostels. Viele Leute haben nur geführte Touren mitgemacht, die waren sehr teuer und zum Teil nicht so interessant, weil dort nicht weit gewandert wurde. Ich bin sehr froh, dass es bei mir anders gelaufen ist. Auf meine Begleitung hätte ich am Ende gerne verzichtet, aber nicht auf den Mietwagen.

In den Hostels war es sehr angenehm, immerhin bekommt man etwas für sein Geld. In Hobart sah es zum Beispiel so aus:

Es war sauber, die Küche war groß und gut ausgestattet, und so konnten wir jeden Abend etwas Vernünftiges kochen. Fünf Monate lang hatte ich fast ausschließlich im Restaurant gegessen. Dass man einen Geruch wirklich vermissen kann, merkte ich, als rote Zwiebeln und Knoblauch im heißen Olivenöl zischten. Es gab einen schönen Essbereich und gemütliche Sofas mit einem großen Fernsehen, auf dem unter anderem die Cricket-WM lief. So fühlt man sich fast wie zu Hause.

Von Hobart ging es in den Südosten der Insel zum Tasman Nationalpark, der auf der Tasman Halbinsel liegt. Dort befindet sich Port Arthur, ein ehemaliges Gefängnis aus der Zeit, als Australien eine britische Strafkolonie war. Wir ließen die angeblich größte Touristenattraktion Tasmaniens aber links liegen und fuhren direkt zum südlichsten Punkt der Halbinsel, zum Cape Raoul. Dort wanderten wir den ganzen Tag, ca. 14 Kilometer. Zunächst ging es recht steil bergauf durch einen Wald. Diesen durchquert, erreichten wir hunderte Meter hohe, steile Klippen und hatten einen wunderbaren Blick auf das Meer, von Gischt bedeckten Felsen und die gegenüberliegende Bruny Island. Dann ging es an den Klippen entlang, es wehte ein kalter Wind. Ab der Hälfte des Weges gab es nur noch Sträucher, die vom starken Wind von den Klippen weggebogen waren. Irgendwann erreichten wir das Kap und hatten einen tollen Blick auf eine weite, zerklüftete Bucht, die Maingon Bay. Auf dem selben Weg ging es dann wieder zurück. Gerade als wir am Auto ankamen, begann es stark zu regnen.

Auf dem Rückweg fuhren am White Beach vorbei, was mit der Szenerie am Cape Raoul aber nicht ganz mithalten konnte. Ziel am Abend war Swansea, eine kleine Stadt im Osten der Insel. Dort gab es ein günstiges Hostel, in dem wir zwei Nächte blieben, und das mehr an ein Gefängnis erinnerte. Für Internet (6 Dollar pro Stunde!), Bettbezüge und Strom für den Herd musste man extra bezahlen. Haben wir erfolgreich vermieden und die schwer benötigten Kohlenhydrate über 3-Minuten-Nudeln reingefuttert, die man nur mit heißem Wasser aufgiesen muss (dazu gab es natürlich noch etwas Vernünftiges). Überall im Hostel hingen aufdringliche Hinweisschilder, was man zu tun und zu lassen hat. Der extrem übergewichtige Manager Tank meckerte an seinen Gästen rum. Eine Gruppe Japaner kochte das Leitungswasser ab. Wirklich lustig, dass sie dem tasmanischen Wasser nicht trauen. Sauberer geht es wohl kaum. Tank flippte fast aus deshalb und schnauzte sie ordentlich an. So wie ich die Asiaten mittlerweile einschätze, trifft die so etwas richtig arg.

Auf dem Weg nach Swansea kommt man auch an der Maria Island vorbei, ein weiteres lohnendes Ziel. Die wurde komplett zum Nationalpark erklärt, man kann dort nur campen. Die Fähre war teuer und um 16:30 Uhr hätten wir schon zurückgemusst, weshalb wir Maria Island leider nicht besuchten.

Nur eine Autostunde von Swansea entfernt liegt der Freycinet Nationalpark auf einer weiteren Halbinsel ganz im Osten von Tasmanien. Große Attraktion ist dort die Wineglass Bay, ein wunderbarer langer, gebogener weißer Sandstrand, den man von den umliegenden Hügeln sehr schön sehen kann.

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Die meisten Touristen gehen nur zum ersten Aussichtspunkt in der Nähe des Parkplatzes. Wir wanderten noch eine lange Runde, nämlich den 11 Kilometer langen Wineglass Bay and Hazards Beach Circuit. Zuerst ging es zum Strand der Wineglass Bay, an dem viele Vögel brüten. Von dort ging es quer über die Halbinsel zum Hazards Beach, und dann wieder an Klippen entlang mit tollen Blicken über die Great Oyster Bay. Am Parkplatz sahen wir wieder ein Wallaby.

Auf dem Heimweg ging es noch am wunderschönen Friendly Beach vorbei. Dort sind ein paar tolle Bilder gelungen.

Am nächsten Morgen ließen wir Swansea hinter uns und ca. fünf Stunden lang zum Cradle Mountain Nationalpark. Auf manchen längeren Abschnitten sahen wir kein einziges Auto, und insbesondere Richtung Cradle Mountain ging es auf kurvigen Straßen nur sehr langsam voran. Dafür war die Szenerie schon entlang des Weges sehr schön, hier zum Beispiel unser Rastplatz:

Überall auf Tasmaniens Straßen liegen überfahrene Tiere, meistens Wallabys. Zum Teil sieht das sehr unappetitlich aus. Es muss eine eher undankbare Aufgabe sein, die Straßen abzufahren und die Kadaver einzusammeln. Andererseits ist „road meat“ (Straßenfleisch) aber in ganz Australien recht beliebt, wie zu hören war.

Der Cradle Mountain (Wiegenberg) heißt so, weil es so aussieht, als liege zwischen seinen beiden Gipfeln ein Kind. Natürlich das Jesuskind, was auch sonst. Gleich am Eingang zum Nationalpark gibt es ein Hostel, wo wir günstig übernachten konnten. An zwei Tagen wanderten wir in der Gegend herum, einmal um den Dove Lake, und am nächsten Tag auf 1250 Meter hoch zum Marion’s Lookout. Auf dem Weg sahen wir ein Wombat, das gerade einen großen Haufen machte. Das Wetter war an beiden Tagen sehr schlecht, es war kalt und regnete. Der Lookout war komplett von Wolken bedeckt, so dass es von dort oben nichts zum Looken gab. Sehr schade.

Die Wanderung zu einem der Gipfel, wegen der wir eigentlich gekommen waren, war unmöglich. Zum Gipfel muss man nämlich das letzte Stück über Felsen nach oben klettern, und die können sehr rutschig werden. Auf dem Rückweg vom Marion’s Lookout sehen wir einen Hubschrauber in den Nationalpark fliegen. Am nächsten Tag kam im Radio, dass ein Mann von Felsen abgerutscht und 20 Meter in die Tiefe gefallen war. Natürlich war er sofort tot. Er war mit seinem erwachsenen Sohn unterwegs. Am Abend vorher erzählten uns ein paar andere Leute von einem Vater-Sohn-Gespann, das sie im Bus getroffen hatten.

Der Nationalpark ist wirklich sehr gut organisiert. Vom Eingang gibt es Shuttlebusse, die einzelne Ziele anfahren. Die Stimmung ist feierlich. Dort ist nämlich auch der Anfang des Overland Tracks, eines epischen, 65 Kilometer langen Wanderweges, für den man 6-7 Tage braucht und der am Lake St. Clair endet. Angeblich ist das einer der besten Wanderwege der Welt. Alle, die wir getroffen haben, waren hochgradig begeistert.

Ursprünglich wollte ich den Overland Track auch machen. Nach den Wanderungen in Myanmar tat mir aber das Knie weh, so dass ich in Melbourne eher humpelte als lief. Außerdem schreckten mich die hohen Kosten (fast 300 Euro für Gebühr und Transport) ab, dass ich alleine gestartet wäre und dann kaum noch Zeit für den Rest der Insel gehabt hätte. Ausrüstung und passende Kleidung hätte ich auch besorgen müssen, und so eine lange Wanderung mit Selbstversorgung und Zelten hatte ich noch nie gemacht – nichtmal mit einer Übernachtung. Ein wenig enttäuscht bin ich schon. Wir haben auch einige sehr unorganisierte Leute getroffen. Einem Mann sind nach 5 Kilometern die Schuhe auseinandergefallen, so dass er umkehren musste. Geld zurück gibt es natürlich nicht. Im Mehrbettzimmer war ein junges deutsches Pärchen, für die wohl auch bald der Hubschrauber ausfliegen muss.

Nach längerem Hin und Her habe ich mir nun Trekkingausrüstung besorgt: Zelt, winterfester Schlafsack, Thermokleidung, Fleece, und so weiter. In Hobart war Schlussverkauf, ein großes Glück für meinen Geldbeutel. In Neuseeland, wo es als nächstes hingeht, gibt es viele tolle mehrtägige Wanderungen, am liebsten würde ich alle machen. Viele sind einfacher als der Overland Track, so dass ich da erstmal gut reinkommen kann. Alleine zu starten ist kein Problem, man kann sich immer mit anderen zusammentun. Auf mein Knie muss ich gut aufpassen. Auf Tasmanien hat es gut gehalten.

Als letzte Station besuchten wir noch den Lake St. Clair, gleichzeitig auch das Ende des Overland Tracks. Ein sehr schöner See.

 

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