Neuseeland 1: Christchurch

Von Tasmanien ging es mit Jetstar zunächst nach Melbourne (117 Euro), und um Mitternacht dann, nach sechs Stunden Aufenthalt am Flughafen, auf die Südinsel Neuseelands, nach Christchurch (250 Euro). Die Flüge habe ich getrennt bei verschiedenen Anbietern gebucht. Bucht man von Tasmanien nach Neuseeland in einem, zahlt man Mondpreise. Normalerweise geht es auch noch um einiges günstiger. Hier kamen mir die australischen Osterferien dazwischen. Für ein paar Stunden betrug die Zeitverschiebung zu Deutschland 12 Stunden, dann wurde in Europa auf Sommerzeit umgestellt, jetzt sind es 11 Stunden plus.

Neuseeland ist unfassbar weit von Deutschland weg. Nach Australien ist es schon so weit, und dann kommen nochmal drei Flugstunden dazu. Weitere „Nachbarn“ sind die Antarktis und die polynesischen Inseln im Südpazifik. Auf der Karte sieht man im Westen noch Indien, lang ist’s her, und im Osten schon ein kleines Stück von Amerika.

Am Flughafen in Christchurch wurde sehr strikt auf Lebensmittel kontrolliert. Um die neuseeländische Umwelt vor äußeren Einflüssen zu schützen, darf man nämlich absolut nichts Organisches einführen. Ein Hund beschnupperte meinen Rucksack, und sofort wusste die dazugehörige Polizistin, dass dort bis vor nicht allzulanger Zeit ein Salamibrot und eine Frucht drin waren (mein Frühstück im Flugzeug). Dass es eine Banane war, das wusste der schlaue Hund aber nicht. Auch meine Wanderschuhe wurden kontrolliert. Bei schmutzigen Sohlen werden diese gnadenlos weggeworfen. Das hatte mir vorher jemand gesagt, und dementsprechend hatte ich sie sauber geschrubbt.

April und Mai sind Herbstmonate in Neuseeland, im Süden wird es früher kälter als im Norden, weshalb ich nun zuerst die Südinsel erkunde. Ideal wäre es natürlich, ein Auto zu kaufen und am Ende wieder zu verkaufen. Ich versuche es aber zunächst mal mit Bussen und trampen. Das soll sehr gut klappen, wie ich mehrfach gehört habe. Meist gibt es nur eine einzige Straße in eine Richtung, und die Kiwis (Spitzname der Neuseeländer, wird ausnahmslos verwendet) sollen sehr freundlich sein.

In Christchurch leben 350.000 Menschen, der Ballungsraum ist der drittgrößte des Landes hinter Auckland und der Hauptstadt Wellington. Neuseeland hat insgsamt nur vier Millionen Einwohner. 2010/2011 gab es hier zwei schwere Erdbeben. Das zweite ereignete sich mitten in der Innenstadt. Die Erde hob sich bis zu einem Meter an. Bis heute rumpelt es noch regelmäßig bei kleineren Erdbeben. Bis dahin war überhaupt nicht bekannt, dass Christchurch überhaupt in Gefahr wäre, man dachte immer, dass es Wellington treffen würde (was es für Wellington nicht besser macht). Viele Gebäude stürzten ein, mussten abgerissen werden oder wurden beschädigt, 185 Menschen starben. 2010 hatte die Stadt noch 400.000 Einwohner. Der größte Teil der großen Kirche, dem Wahrzeichen der Stadt, wurde unwiederbringlich zerstört. Ein kleiner Teil steht noch und wird von Stahlträgern gehalten.

In der Innenstadt gibt es viele große freie Flächen, viele Parkplätze, überall wird gebaut. An vielen Stellen dachte ich, die Innenstadt wäre nun zu Ende, aber dort sind dann einfach fast alle Gebäude verschwunden. Mit vielen Aktionen wird versucht, die Innenstadt für Einwohner und Touristen attraktiv zu gestalten. Es gibt ein paar nette Cafes mit netten Leuten. Trotzdem empfand ich die Innenstadt als eher trist. Ein wenig erinnert sie an den Mauerstreifen durch Berlin Mitte einige Jahre nach der Wende. Viel ist nicht los. Selbst beim Public Viewing fürs Cricket-WM Finale Australien gegen Neuseeland, ein sportliches Highlight für das Land, war tote Hose. Wegen pulsierenden Städten bin ich aber auch nicht nach Neuseeland gekommen.

Christchurch verteilt sich, ähnlich wie Melbourne, in Form von freistehenden Einfamilienhäusern auf eine sehr große Fläche. Immer wieder gibt es dort kleine Zentren mit Einkaufsstraßen. Im Osten reicht die Stadt bis an den Pazifik. Dort versuchte ich am ersten Tag durch trampen hinzukommen. Es dauerte 20 Minuten, bis mich ein netter Handwerker den halben Weg mitnahm. Dort versuchte ich es nochmal 20 Minuten erfolglos und gab auf, abends war ja noch das Cricket Finale (leider gewannen die Aussies). In der Stadt funktioniert es eben nicht so gut. Am nächsten Tag nahm ich dann einfach den Bus. Am Strand war es sehr schön, er ist sehr langgezogen, nicht sehr bevölkert, die Wellen rauschen heftig, es gibt wenige Surfer und Gassigeher. Die Sonne brannte, es war gut warm. Abends wurde es kühler, unter 10 Grad.

Ich würde ja gerne von jedem Land herausfinden, wie es wirklich dort läuft, wie die Leute sind, was das Leben dort ausmacht. Man hört und liest, dass die Kiwis ihre Natur lieben und Extremsportarten wie Bungeejumping und Jetskifahren erfunden haben. Eine Holländerin (schon wieder…), die hier mehrere Monate ein Praktikum macht, erzählte etwas von ihrem Arbeitsalltag. Dieser sei nicht sehr effektiv, die Kiwis machten sich überhaupt keinen Stress. Sie arbeite 7 1/2 Stunden pro Tag, aber inklusive Mittagspause und zweier längerer Teepausen. Zwischendurch wird mit Kollegen dann nochmal länger geschwätzt, so dass sie insgesamt nur 4 Stunden pro Tag wirklich arbeitet. Und das sei überall so, von europäischem Arbeitswahn halte man hier nicht viel.

An vielen Stellen merkt man, dass die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, vielleicht ganz gut in die Gesellschaft eingebunden sind. Man trifft tatsächlich welche auf der Straße. Maorisch ist zweite Amtssprache, viele Orts- und Straßennamen sind maorisch, und immer mal wieder sieht man eine maorische Skulptur oder ähnliches.

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