Neuseeland 5: Mount Cook und der Copland Track

Weiter ging es zum Mount Cook, dem mit 3596 Metern höchsten Berg in Neuseeland. Benannt ist er nach Captain James Cook, der im 18. Jahrhundert als erster Neuseeland vernünftig kartierte und herausfand, dass das Land aus zwei großen Inseln besteht. Insgesamt unternahm Cook drei abenteuerliche Weltreisen, auf seiner letzten verstarb er auf Hawaii. Sein Erfolg beruhte auch darauf, dass er wirksame Maßnahmen gegen Skorbut (dauerhaften Vitaminmangel) fand, was sonst reihenweise die Seefahrer dahinraffte, nämlich unter anderem Sauerkraut. Dass es nie eine Meuterei gegen ihn gab, lässt wohl nur den Schluss zu, dass er auch für genügend Bratwürste und Kartoffelbrei an Bord sorgte.

Entlang des Weges zum Dörfchen Aoraki am Fuße des Mount Cook kommt man am Lake Pukaki vorbei. Dies ist ein sehr langgezogener See, der in ungewöhnlichem Blau leuchtet. Erst auf dem Rückweg war das Wetter gut, und man konnte den Mount Cook und viele andere schneebedeckte Berge im Hintergrund sehen. Auf dem Hinweg war alles vernebelt, dafür war das Blau intensiver.

In Aoraki übernachtete ich wieder im Auto auf einem Campingplatz, für 7 Euro pro Nacht. Dafür, dass ich das Auto eigentlich gar nicht danach ausgesucht hatte, um darin zu schlafen, klappt es ganz gut und ich mache das nun recht häufig. Im Zelt ist es natürlich bequemer, aber auch wenn es nachts nicht regnet, ist das Außenzelt morgens immer nass. Die beiden Nächte in Aoraki schüttete es unaufhörlich wie aus Kübeln. Oder, wie man auf Englisch sagt, es regnete Cats and Dogs. Küche und Toiletten waren nur 20 Meter vom Auto entfernt. Bei jedem Rausgehen musste ich mich regenfest anziehen und kam klatschnass ins Auto zurück.

Tagsüber gab es jeweils genügend Regenpausen, um Wandern zu gehen. Am ersten Tag ging es ins Hooker Tal. Der Weg geht dreimal über einen laut rauschenden Schmelzwasserfluss und ist umgeben von schneebedeckten Bergen. Ziel war der Hooker Lake, ein silbern schimmernder Gebirgssee. Auf dem Weg traf ich Lucas aus England, der in Myanmar bei einer der Wanderungen mit dabei war. Das war das erste Mal, dass ich jemanden in einem anderen Land wiedergetroffen habe. Entsprechend war die Freude groß.

Ab Mittags regnete es wieder sehr stark bis in den Morgen hinein, und ich vertrieb mir die Zeit im warmen Aufenthaltsraum eines Hostels. Früh morgens nieselte es nur noch leicht, und so machte ich mich auf zum Sealy Tarns Track auf 1200 Meter Höhe. Auf dem Weg muss man 2200 Treppenstufen bewältigen. Oben wurden es immer kälter, und irgendwann gefror der Nieselregen. Oben konnte ich die Aussicht nicht lange genießen, nach kurzer Zeit begann ich zu frieren und musste mich wieder bewegen. Schön wäre es gewesen, noch weiter bis zur Mueller Hut auf 1800 Meter zu gehen und dort zu übernachten. Das Wetter ließ das leider nicht zu. Auf dem Rückweg wurde das Wetter plötzlich besser, die Sonne kam raus, und man konnte weit ins Hooker Valley hineinschauen. Die Ausblicke waren einfach wunderbar.

Wenige Kilometer vom Hooker Valley enfernt kommt man zum Tasman Valley, benannt nach dem Seefahrer Abel Tasman, der durch Tasmanien natürlich zu viel größerer Ehre kommt. Dort kann man die spärlichen Überreste des Tasman Gletschers und des zugehörigen Sees betrachten. Der Weg zum Aussichtspunkt ist etwas steil, dauert aber nur 15 Minuten, weshalb auch eher ungeübte Wanderer hochkeuchen. Ich bin ganz provokativ mit Flipflops hoch. Ein anderer Weitgereister, der am Trikot der kenianischen Nationalmannschaft leicht als solcher zu erkennen war, trug auch nur Flipflops. Die Ausblicke in alle Richtungen waren überragend.

Das nächste Ziel war der Copland Track, ein Wanderweg an der Westküste. Luftlinie liegt dieser nicht weit von Aoraki entfernt, an eine direkte Straßenverbindung zur Westküste ist wegen der unzugänglichen Gebirgslandschaft um den Mount Cook herum aber nicht zu denken. In den 1960er Jahren gab es Pläne für einen Tunnel, die aber bald wieder verworfen wurden. So musste ich einen Umweg von fast 450 Kilometern fahren.

Auf dem Weg zur Westküste übernachtete ich auf einem Campingplatz in der Nähe vom Dörfchen Haast. Nicht weit entfernt davon war der Monro Beach Walk, der zu einem abgelegenen Strand führt, wo man mit viel Glück auch Pinguine sehen kann. Die Tasmansee war rau und wild. Der Schaum der brechenden Wellen wurde vom starken Wind sofort hoch aufgewirbelt. Auf dem Weg folgten mir ein paar kleine Vögel, die sich für die von mir aufgescheuchten Insekten interessierten.

Schließlich ging es zwei Tage auf den Copland Track. Der Weg führt hauptsächlich durch den typischen Regenwald der Südinsel hindurch. In der Nähe hört man immer den silberblauen Copland River laut rauschen. Auf den 18 Kilometern bis zur Hütte, der Welcome Hut, muss man unzählige Bäche überqueren. Nur selten ist der Weg eben, meist geht es über Stock und Stein. Es gibt mehrere sehr lange Hängebrücken, die bis zu 15 Meter hoch über wilde Flüsse hinwegführen. Auf den schwankenden Brücken wurde es mir leicht mulmig und es kamen ähnliche Gedanken, wie wenn ich ein Flugzeug besteige, nämlich: sehr unwahrscheinlich, sehr sehr unwahrscheinlich, sehr sehr sehr unwahrscheinlich. Immer wieder gab es Stellen, wo manchmal Erdrutsche stattfinden oder im Winter Lawinen abgehen, aber auch das ist sehr unwahrscheinlich. Gleich zu Beginn des Weges muss man knietief durch einen Fluss hindurch, bei dem man sich wirklich nicht mehr über herausragende Steine hinwegschummeln kann. Es blieb nichts anderes übrig, als in Flipflops hindurch zu waten. Die Strömung war nicht ohne, einmal verlor ich einen Flipflop vom Fuß, gerade so konnte ich ihn noch einfangen, sonst wäre er weggeschwommen.

In der Hütte war auch immer gleich die erste Frage, wie man es durch den Fluss am Anfang hindurchgeschafft hat. Es waren nette Leute oben, Franzosen, ein Ami-Pärchen, die mehrere Jahre in Kaiserslautern stationiert waren („K-Town“), und fünf Jungs aus Bayern, die zusammen neun Liter Wein dabei hatten. Schön gemischt, rot, weiß und rosse, damit das Kopfweh am nächsten Tag umso größer ist.

Das absolute Highlight bei der Hütte waren aber die heißen Quellen. Dort sprudelt 45 Grad heißes Wasser aus dem Boden und verteilt sich in drei natürliche Pools, von denen aus man auf schneebedeckte Gipfel blickt. Auf den Bildern sieht alles ein wenig versifft aus, so war es aber nicht, alles war so sauber wie es in der Natur eben geht. Wenn der Weg zu den Pools nicht so anstrengend wäre, wäre das bestimmt eine riesige Touristenattraktion mit hohem Eintrittsgeld. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Copland Track zu den Pools aus rein touristischen Gründen angelegt.

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