Neuseeland 6: Fox & Franz Josef Gletscher und der Abel Tasman Coast Track

Vom Copland Track ging es nur wenige Kilometer weiter nach Norden, zum Fox Gletscher und seinem großen Bruder, dem Franz Josef Gletscher. Letzterer wurde im 19. Jahrhundert nach einem österreichischen Kaiser benannt (seltsamerweise von einem Deutschen), daher der für Neuseeland ungewöhnliche Name. Ein Gletscher ist eine von Schnee gebildete, sich selbstständig bewegende Eismasse. Vor langer Zeit reichten die beiden Examplare bis ins Meer und bis zum Mount Cook hin. Die andauernden Eisbewegungen formten diesen Teil der neuseeländischen Alpen.

Nach den Anstrengungen des Copland Tracks legte ich einen Ruhetag in einem Hostel in Fox ein. Dieses war sehr günstig und hatte einen tollen Whirlpool. Nach langer Zeit konnte ich endlich wieder ordentlich Wäsche waschen, die Wandersachen hatten es mehr als nötig.

Jeweils einige Kilometer von den Gletschern entfernt gibt es die beiden Dörflein Fox und Franz Josef, die mal wieder ausschließlich für den Tourismus existieren. Außenrum ist fast nichts. In Fox gibt es die einzige Tankstelle, in Franz Josef den einzigen Supermarkt weit und breit. Leider herrscht dort das Gegenteil von Idylle – von Morgens bis Abends starten und landen mindestens minütlich Hubschrauber, um Touristen auf die Gletscher zu karren. Dies ist der einzige Weg, um direkt zum Gletscher zu kommen, zu Fuß ist es zu gefährlich. Ob das wirklich so ist, oder ob das nur behauptet wird, um die Leute in die Hubschrauber zu bringen, das weiß nicht. Das günstigste Angebot ist eine zweistündige Tour für ca. 200 Euro. Nach oben sind dem Wahnsinn natürlich keine Grenzen gesetzt. Ich habe von Leuten gehört, die am Franz Josef Gletscher 1000 Euro ausgegeben haben. Ist sicher toll, so eine Tour zu machen, aber für 200 Euro gehe ich lieber ein paar Mal in ein teures Restaurant. In Europa gibt es Gletscher, zu denen man auch ohne Hubschrauber hinkommt.

Auch hier gab es schöne Wanderwege, die eine tolle Aussicht auf die Gletscher boten. Zum Fox Gletscher kam man nach 30 Minuten Marsch bis auf 200 Meter heran. Der Gletscherfluss und die unzähligen Wasserfälle in der Nähe rauschten laut.

Für Blicke auf den Franz Josef gab es zwei anspruchsvolle Wege. Zum einen den Roberts Point Track, der vielleicht beste Wanderweg bisher. Es geht stetig bergauf, aber nicht zu steil. Man muss über Flüsse, die nicht zu breit sind, und über Steinwege, die nicht zu steinig sind. Man muss immer wieder klettern, manchmal bis zu zwei Meter hoch, und kann sich dafür schön an Wurzeln hochhangeln. Es hat sehr viel Spaß gemacht, ich bin fast hochgerannt, beinahe hochgeflogen. Von der wochenlangen Wanderei bin ich gerade so fit wie vielleicht noch nie, und wie ich es wahrscheinlich nie wieder sein werde, das muss ausgenutzt werden. Das wehe Knie in Myanmar, nie wieder etwas gespürt. Die Schuhe machen alles mit und passen perfekt, das ist wirklich erstaunlich, es waren ja die allerersten, die ich überhaupt anprobiert hatte. Ich hatte den Verkäufer noch gefragt, ob es sein kann, dass die allerersten Schuhe gleich die richtigen sind, wozu er meinte, dass das durchaus sein kann. Recht hatte er.

Zurück zum Gletscher. Noch am Anfang gab es wieder eine lange und hohe Hängebrücke, da war ich diesmal schneller drüber, als man „sehr unwahrscheinlich“ buchstabieren kann. Oben auf 650 Meter angekommen, gibt es eine schöne Aussichtsplattform. Die ganze Zeit hört man Hubschrauber fliegen. Von weitem sieht man Leute auf dem Gletscher.

Am nächsten Tag ging es auf 1303 Meter hoch zum Alex Knob Gipfel, von dem man eine noch viel bessere Aussicht auf den Gletscher hat. Der Weg ist ähnlich anspruchsvoll, hat aber etwas eintönige Phasen. Nach oben bin ich wieder fast gerannt. An dem Tag hingen die Wolken sehr niedrig, nach kurzer Zeit sah man außenrum nur noch weiß. Es war kalt und windig, und es nieselte immer wieder ein wenig. Es war zu befürchten, dass der Aufstieg nicht mit den Ausblicken belohnt wird. Irgendwann aber, vielleicht ab 1100 Meter, war man oberhalb der Wolkendecke, die Sonne schien wieder schön warm und man hatte eine wunderbare Aussicht auf den Gletscher und viele andere umliegenden Gipfel. Da niemand anderes da war, habe ich alleine gejubelt. 15 Minuten nach mir kamen zwei nette Belgier zum Gipfel gekeucht, sonst habe ich den ganzen Tag niemand anderes auf dem Weg gesehen.

Übrigens gab es in der Zwischenzeit ein mittelstarkes Erdbeben der Stärke 5,6 im Zentrum der Südinsel. Es ist nichts passiert, niemand wurde verletzt. Im Fernsehen sah man, wie in einem Supermarkt in Wanaka, wo ich kurz vorher auch vorbeigekommen bin, ein paar Dosen aus dem Regal fielen. Ich habe davon nichts gespürt. Vielleicht werde (darf) ich ja noch ein Erdbeben mitmachen.

Nach den beiden Wandertagen gönnte ich mir in Franz Josef wieder ein Hostel, auch dieses war sehr günstig (17 Euro) und hatte einen Whirlpool. Scheint in dieser Gegend der Standard zu sein. Für den nächsten Tag waren für Teile der Westküste 440mm Regen angekündigt, also nichts wie weg, weiter nach Norden. In der Mitte der Südinsel liegt der Arthur’s Pass, der auch wieder wunderbare Wanderungen bietet. Vom dortigen Infozentrum bekam ich telefonisch die Auskunft, dass das Wetter für die nächsten 10 Tage äußerst schlecht aussieht. Falls man nicht schon wegen dichten Nebels eine Klippe hinuntergestürzt ist, würde man vom bis zu 100 km/h starken Wind in den Abgrund geweht. Also fuhr ich schon gar nicht erst hin.

Den Rest des Tages ging es in einer langen Autofahrt bis weit in den Norden der Südinsel, in die Stadt Nelson. Mitten im Stadtzentrum gibt es einen Parkplatz, auf dem man kostenlos im Auto übernachten darf, mit sauberen WC und Duschen ganz in der Nähe. Entsprechend war dieser von Landstreichern wie mir bevölkert. An einem Morgen stellte ich sehr früh den Wecker, um das Champions League Halbfinale Barcelona vs. Bayern zu schauen. Anpfiff war um 6:45 Uhr. Meine neuseeländische Mobilfunkfirma (Spark) hat alle alten Telefonzellen aufgekauft und mit schnellem WLAN ausgestattet. Von diesem kann ich täglich 1 GB nutzen. Zum Spiel fuhr ich neben eine solche Telefonzelle und bekam einen super Stream.

Von Nelson ging es weiter zum Abel Tasman Coast Track, der nächste Great Walk, im Nordwesten der Südinsel. Da Anfang und Ende des Tracks per Straße wieder sehr weit auseinander liegen, und es in der Mitte eine nur bei Ebbe passierbare Stelle gibt, erwies sich die Planung als nicht so leicht. Am Ende lief ich ca. die Hälfte des Weges (25 Kilometer) zu einer Hütte (Bark Bay Hut) und lief denselben Weg am nächsten Tag wieder zurück. Auf dem Rückweg waren die Gezeiten gerade umgekehrt, so dass viele Abschnitte ganz anders aussahen. Meist ging es flach an der Küste entlang, immer wieder ging es aber auch etwas bergauf. Das Wetter war sehr schön, tagsüber waren es bestimmt 20 Grad. Nachdem es weiter im Süden schon sehr herbstlich und manchmal schon winterlich war, konnte man hier nochmal den Spätsommer genießen. Man kam an sehr schönen, fast goldenen Stränden vorbei.

Nach sechs Wochen auf der Südinsel bin ich nun die Fähre (120 Euro!) über die Cook Straße auf die Nordinsel, zunächst in die Hauptstadt Wellington. Knapp drei Wochen bleiben in Neuseeland. Meistens schlafe ich jetzt im Auto, entweder auf kostenlosen oder sehr günstigen Campingplätzen (4 Euro), was viel Geld spart. Duschen kann man in vielen Hostels für umgerechnet 1,50 Euro. Aus dem Kofferraum heraus lässt es sich mit dem Campingkocher auch gut kochen.

DSC07185 (Medium)

Schön ist das aber nicht nur wegen des gesparten Geldes. So zu reisen bzw. zu leben passt irgendwie zu den Wanderungen und der vielen Zeit in der Natur. Dort, mit Sack und Pack im Auto, ist man ist auf das Nötigste, auf das Wichtigste reduziert. Alles andere erscheint gerade ein wenig als Ballast. Am größten ist die Freiheit nach einem Großeinkauf im Supermarkt und mit vollem Tank: damit wäre ich, wenn ich wollte, tagelang von allem wirklich unabhängig.

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