Neuseeland 7: Wellington, Taranaki und Taupo

Auf folgender Route, leider etwas vom immer schlechter werdenden Wetter beeinflusst, ging es bisher über die Nordinsel:

Die Region um die Hauptstadt Wellington hat fast 400.000 Einwohner und liegt am südlichen Ende der Nordinsel am Meer. Damit liegt sie ziemlich genau in der Mitte des Landes. Ich übernachtete im Hotel Waterloo & Backpackers. Dort wurde 1953 das Personal der Queen untergebracht, die Wellington im Rahmen ihrer Krönungsreise besuchte. Seit der Zeit wurde das Hotel aber nie richtig modernisiert, es ist etwas heruntergekommen.

Wellington ist ein sehr schönes Städtchen. Eine nette Promenade führt am Meer entlang. In der Innenstadt gibt es unzählige Bars und Restaurants, die alle gut besucht sind. Viele davon, besonders asiatische, wirken so, als gäbe es sie unverändert schon seit den 80er Jahren. An einem Samstag Abend gab es einen Nachtmarkt mit Livemusik und Essensständen aus aller Welt, unter anderem aus Marokko, Armenien, Fiji, Türkei, Libanon und Bayern. Letzteres war ein Bratwurststand, wo aber nicht Siegfried & Brunhilde oder Toni & Vroni bedienten, sondern zwei kleine Asiatinnen, die nicht so aussahen, als würden sie viele Bratwürste essen.

Wellingtons Spitzname ist „Windy Welly“, weil in den verhältnismäßig engen Häuserschluchten oft ein starker Wind bläst. Die Stadt ist durch zwei Nationalstraßen eigentlich ganz gut an den Rest der Nordinsel angeschlossen. Kurz nach meinem Besuch gab es aber sehr heftige Regenfälle, so dass die eine Nationalstraße überflutet und die andere durch einen Erdrutsch unpassierbar wurde. Einen Tag lang war die Hauptstadt dann vom Rest der Insel abgeschnitten. Im Radio wurde heftig über die Infrastruktur des Landes diskutiert.

In Wellington leben auch einige Maori. In dem Teil der Südinsel, wo ich mich aufhielt, hatte ich eigentlich gar keine gesehen. Viele Maori sind stark übergewichtig, andere wiederum übertrieben muskulös. Die allermeisten Penner auf der Straße waren Maori, genauso wie die Securities vor den Bars und Restaurants. Maori sind überdurchschnittlich oft kriminell, arbeitslos und alkoholabhängig, weshalb sie bei den weißen Neuseeländern nicht unbedingt beliebt sind. Mit Minderheiten und insbesondere Ureinwohnern ist es überall auf der Welt dasselbe, es ist einfach nur traurig.

Von Wellington ging es an der Westküste entlang Richtung Norden. Es fällt gleich auf, dass die Nordinsel viel dichter besiedelt ist als die Südinsel. Regelmäßig kommt man an Dörfchen oder Städtchen mit Supermarkt und Tankstelle vorbei. Mein eigentliches Ziel war der Tongariro Nationalpark in der Mitte der Insel, wo es den vielleicht schönsten aller Great Walks gibt. Leider war die Wanderung wegen des schlechten Wetters eine ganze Woche lang nicht möglich, auf dem Gipfel war es bis zu minus 10 Grad kalt, bei Winden bis zu 80km/h.

So blieb mir nichts anderes übrig, als zu relaxen und auf besseres Wetter zu warten. Zehn Kilometer vom kleinen Örtchen Waverley entfernt gab es einen tollen, weit abgelegenen Campingplatz gleich am Meer. Dort war es wie im Film. Der Sand am dortigen Strand ist schwarz. Die meisten Klippen sind einsturzgefährdet, die Wellen donnern sehr heftig dagegen. Leider habe ich dort keine Bilder gemacht.

Am Strand traf ich eine 74-jährige Neuseeländerin, die so aussah, als wäre sie erst knapp über 50. Vor Jahrzehnten bereiste sie zusammen mit ihrem Mann Europa. In Deutschland verbrachten sie einige Tage mit einem älteren Paar, die sehr freundlich zu ihnen waren, sie in der Stadt herumführten und mit Apfelkuchen verköstigten. Beim Abendessen stelle sich heraus, dass der (deutsche) Mann und der Vater ihres Mannes im zweiten Weltkrieg in der selben Schlacht, also gegeneinander kämpften.

Auf dem Campingplatz traf ich zwei 19-jährige Berliner, Olli und Markus, die schon viele Monate unterwegs sind und so wirkten, als seien sie 29. Gleich zu Beginn ihrer Reise wurde ihr Auto aufgebrochen und alles geklaut. Sie hatten nur noch die Kleider, die sie gerade trugen, und ihre Handys. Ausrüstung, Geld, Kreditkarten, Pässe – alles weg („Wir hatten ja nüscht! Wir hatten ja nüscht!“). Das muss man sich mal vorstellen. Gerade zu der Zeit war auch noch Frau Merkel zu Besuch in Neuseeland, weshalb sie erst anderthalb Wochen später einen Termin in der Botschaft bekamen, um neue Pässe zu beantragen. Auch das muss man sich mal vorstellen: weil die Merkel kommt, stellt die Botschaft für zwei Wochen den regulären Betrieb ein und lässt die Backpacker hängen. Die beiden hatten danach aber noch eine super Zeit und verdienten viel Geld beim Apfelpflücken, was vielleicht einer der härtesten Jobs für Backpacker ist.

Überhaupt sind die Geschichten der jungen Backpacker, die nur im Auto leben, sehr spannend und oft sehr lustig. Allein was mit den Autos passiert: mal regnet es rein, dann fängt man sich eine Maus ein und muss deshalb die halbe Armaturenverkleidung ausbauen, eine Dose Bremsenreiniger komplett auf der Matratze verteilt kommt auch schonmal vor. In wenigen Sekunden kann man viele hundert Dollar verschwenden. Schließt man den Schlüssel im Auto ein, hilft meist nur noch das Einschlagen einer Scheibe. Viele hatten auch Pech mit den Autos und erlitten schon nach kurzen Zeit einen Totalschaden.

Zwischendurch gab es Mal einen Tag mit schönerem Wetter, und so fuhren wir zum Mount Taranaki im Westen der Nordinsel. Dieser ragt schon von weitem sichtbar aus einem sonst komplett flachen Landstrich heraus. Der obere Teil ist schneebedeckt. Wir wollten den Berg vom Fanthams Peak aus der Nähe betrachten. Zu Beginn geht der Weg über viele Treppenstufen nach oben, die vom Regen der letzten Tage so tief unter Wasser standen, dass man dort locker Goldfische hätte reinsetzen können. Irgendwann hören die Treppen auf, und man muss sehr steil über Geröll nach oben kraxeln. Leider wurde das Wetter oben sehr schlecht, und wir mussten umkehren. Den Mount Taranaki sahen wir deshalb auch nicht aus der Nähe.

Am nächsten Tag war in ganz Neuseeland das Wetter sehr schlecht. Wir machten das Beste daraus und fuhren weiter in die Stadt New Plymouth ganz im Westen, wo es ein tolles, günstiges Schwimmbad mit Sauna und Meerblick gibt. Wir verbrachten einfach den ganzen Tag im warmen Spapool.

Von dort machte ich mich in einer längeren Fahrt auf in die Stadt Taupo, wieder in der Mitte der Insel, wo zumindest für ein paar Tage gutes Wetter zu erwarten war. Die Strecke führte über den „Forgotten World Highway“, der aus gutem Grund so heißt. Taupo ist ganz nett und liegt am gleichnamigen Great Lake Taupo. Dort unternahm ich eine Wanderung. In der Nähe der Stadt gibt es einen kleinen Bach, der heißes Wasser führt, und in den Waikato River fließt, welcher der Abfluss des Lake Taupo ist und erst nach 425 Kilometern bei Auckland ins Meer fließt. Dort kann man schön baden. Ein Stückchen weiter gibt es noch die beeindruckend rauschenden Huka Wasserfälle.

Am Waikato River befindet sich außerdem ein toller kostenloser Campingplatz, welcher sehr gut besucht ist. Ich finde es immer wieder erstaunlich, an wie vielen Orten die Landstreicher-Touristen wie ich voll und ganz akzeptiert werden. Auch auf dem Parkplatz vor dem Schwimmbad in New Plymouth durfte man übernachten. Mehr als eine öffentliche Toilette und vielleicht noch einen Unterstand braucht es meist nicht.

DSC07241 (Medium)

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