Hawaii 2: Oahu North Shore

Ein paar Tage lang war ich noch in Waikiki zum Bodyboarden, immer morgens und abends, wenn die Sonne nicht so stark brannte. An einem Tag waren die Wellen wirklich toll. Wenn man eine Welle richtig erwischte, wurde man in hohem Tempo bestimmt hundert Meter weit von draußen bis zum Strand mitgenommen. Man will dann immer mehr und mehr davon, die Wellen und das Tempo können nicht hoch genug sein. Danach war ich immer hundemüde, alle Muskeln taten weh, immer wieder hatte ich kleine Verletzungen an Füßen und Händen. Egal, am nächsten Tag ging es einfach wieder weiter. Einige Leute machten sogar Fotos und Filme von meinen Einläufen am Strand.

In Downtown Honolulu kann man natürlich auch Feiern gehen, so toll finde ich das hier aber nicht. Vieles ist heruntergekommen und wirkt billig, auch so manche Menschen. Nicht zu wenige Leute wirken bedrohlich. Nachts am Strand wird man schon mal überfallen und ausgeraubt. An fast jedem Baum steht eine Nutte herum. Bei jeder Bar muss man seinen Ausweis vorzeigen, Alkohol ist erst ab 21 Jahren erlaubt. Fast jeder Ami unter 21 hat aber einen gefälschten Ausweis, zum Teil mit lächerlich anders aussehenden Bildern darauf, und kommt damit überall hinein. Alkohol ist in der Öffentlichkeit verboten, also haben alle Leute die Flaschen oder Dosen in braunen Papiertüten eingepackt, so dass es offensichtlich ist, dass etwas getrunken wird. Nicht nur bei dem Thema gibt es in den USA strenge Gesetze, aber am Ende macht sowieso jeder, was er will.

Vieles geht hier schnell ins Extreme. Am Auffälligsten sind natürlich die riesigen Autos. An einem Tag war die Gay Pride Parade, also so etwas wie die Hawaii-Version des Christopher Street Days. Die Gays waren sehr übertrieben gay, was man an dem Tag ja noch nachvollziehen kann. Dann gab es aber auch christlich-fundamentalistische Gegendemonstranten, die auf übergroßen Schildern allen möglichen Personengruppen verkündeten, dass sie in die Hölle kommen werden (Homos, Feministinnen, Kiffer, Pornogucker, und so weiter). Da wurde sich auf der Straße munter gegenseitig angeschrien.

Viele Amis, die ich bisher getroffen habe, sind total durchgeknallt, besonders Kalifornier. Ein Typ kam nach Hawaii, ohne Rückflugticket, mit genau 192 Dollar auf dem Konto. Auf den Märkten will er hier Rosenwasser an japanische Touristinnen verkaufen. Bisher hat er aber jeden Markt verschlafen, weil er nachts zu lange gefeiert hatte. So langsam wird das Geld knapp, trotzdem ist er von allen hier mit Abstand am Besten gelaunt und feiert weiter. Die Sprühflaschen mit Rosenwasser stellt er in der Küche des Hostels her. So ganz blöd ist er dann aber doch nicht, ein Fläschlein herzustellen kostet ihn nur einen Dollar, oft verkauft er es dann für 20 Dollar. Im Scherz meinte ich, er könnte doch „Original Hawaiian“ aufs Etikett schreiben, immerhin hätte er es ja auch hier im Hostel hergestellt. Das will er nun ernsthaft machen. Immer wieder sprüht er sich von oben bis unten mit seinem Rosenwasser ein.

Nach zehn Tagen reichte es dann mit Waikiki und Honolulu. Jemand mietete sich ein Auto, um zum North Shore im Norden der Insel zu fahren, dort fuhr ich einfach mit. Mit dem Bus wäre es auch gegangen, das hätte aber dreimal so lange gedauert. So blieben wir drei Nächte im Örtchen Pupukea.

Im einzigen Hostel hier in der Gegend übernachtet man in kleinen Bungalows. Alles ist heruntergekommen und fällt bald auseinander. Es gibt große Spinnen und riesige Kakerlaken. Manche Leute wohnen wochenlang hier. An der North Shore gibt es wunderschöne Strände, unter anderem den Sunset Beach und den Waimea Beach. An vielen Stellen kann man schnorcheln und tolle Fische sehen. Am Laniakea Beach und in der Turtle Bay kann man oft Meeresschildkröten sehen und mit ihnen schnorcheln. Leider waren bei unserem Besuch keine da.

An manchen Stränden scheint man die Erdkrümmung zu sehen. Ob es wirklich das ist, oder ein optischer Effekt, ist vollkommen egal. Die Sonnenuntergänge sind phänomenal, der Himmel wirkt viel weiter als sonst.

In Pupukea und in den etwas größeren benachbarten Orten Waialua und Haleiwa ist es relativ ruhig, alles konzentriert sich aufs Surfen und Sonnenbaden. Es gibt viele nette Geschäfte, alles im coolen Hawaii-Stil. Überall kann man Surfbretter und andere Ausrüstung leihen. Es gibt auch manche tolle Restaurants, wie zum Beispiel North Shore Tacos, mit einem sensationellen Logo:

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Die Wellen am North Shore sind anders in Waikiki, sie brechen erst kurz vorm Strand und sind dabei viel kräftiger. Im Winter gibt es hier zehn Meter hohe Wellen und das North Shore wird dann zum absoluten Surfmekka. Ungefährlich ist das alles nicht, der Gründer des Hostels, in dem ich übernachte, ist 1995 beim Surfen gestorben. Ein Strand gilt als der mit der weltweit höchsten Genickbruchrate. Jetzt im Sommer sind hier nicht viele Surfer unterwegs.

Insgesamt gibt es auf der Insel Oahu nicht ganz so arg viel zu entdecken, im Vergleich zu anderen Orten auf der Welt. Dafür ist die Stimmung umso relaxter. Gerade warte ich auf das Flugzeug nach Lihu, auf der Insel Kauai, westlich von Oahu.

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