San Francisco

Mit dem Bus ging es für 25 Euro von Los Angeles nach San Francisco (acht Stunden Fahrt). Die meiste Zeit war draußen nur braune Steppe zu sehen. Für eine kurze Pause hielten wir an, draußen war es extrem heiß und trocken. Lange ging es entlang einer ansehnlichen Hügelkette. Irgendwann aber sah man riesige Baum- und Gemüseplantagen, auf trockenem Boden ordentlich aufgereiht. Seit vielen Jahren herrscht Dürre in Kalifornien, es ist keine Besserung in Sicht. Die Bauern beschweren sich auf großen Schildern über Wasserrationierungen.

Mein erster Eindruck von San Francisco war gar nicht gut. Auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Hostel traf ich auf viele Obdachlose. Viele redeten mit sich selbst, einige sprachen mich ganz wirr an. Manche Leute schrien laut herum, immer mal wieder waren Spritzen zu sehen. Manche Leute saßen auf dem Boden, regungslos nach vorne gebeugt, mit einer Decke über dem Kopf, nur die Füße schauten heraus. Es sollte niemanden überraschen, dass 98% dieser Leute Schwarze waren. Andere Leute, die schon mehr von den USA gesehen haben, meinten, dass sie solche Zustände wie in San Francisco noch nicht gesehen hätten.

In großen Teilen der Stadt sind keine Obdachlosen zu sehen, es war Zufall, dass ich das gleich zu Beginn des Besuchs mitbekommen habe. Die Gegend ist eigentlich nicht schlecht, ganz in der Nähe sind der Finanzdistrikt und der Union Square, um den herum man groß Einkaufen gehen kann, unweit davon ist z.B. auch das Twitter-Hauptquartier. Die Region um San Francisco hält sich ja für die innovativste der Welt, nicht ganz zu unrecht. Nicht weit sind die Universitäten Berkeley und Stanford, und natürlich das Silicon Valley, mit unzähligen Hi-Tech-Firmen, von Start-Ups wie Uber, Apptimize und AirBnB bis zu den Giganten Google, Facebook und Apple. In SF wurde die Regenbogenflagge als Symbol für die Akzeptanz Homosexueller erfunden. Beim Umweltschutz ist man hier (wie in ganz Kalifornien) auch ganz vorne mit dabei, auf den Straßen sind viele Hybrid- (Toyota) und Elektroautos (Tesla) zu sehen. Es passt nicht ins Bild, zumindest nicht in ein europäisch geprägtes sozialdemokratisches Bild, dass sie die Obdachlosen so völlig würdelos dahinvegetieren lassen. Siehe dazu auch: Willkommen in der Hyperzivilisation

Schnell ist das auch wieder vergessen, man ist natürlich gern in der Hyperzivilisation. San Francisco ist eine tolle Stadt. Auch im Sommer ist es hier relativ kühl, von der Hitze der Wüste außenrum bekommt man nichts mit. Verantwortlich dafür ist die wunderbare Lage zwischen Pazifik und Bucht:

Es sind viele Leute auf den Straßen unterwegs, neuere und ältere Hochhäuser sind äußerst schick und passen gut zusammen. Die Stadt ist von vielen Hügeln geprägt, zu manchen geht es steil nach oben. Entsprechend findet man viele Aussichtspunkte. In Chinatown kann man günstig einkaufen und essen. Dort habe ich einen Friseur für nur 5 Dollar gefunden. Im Stadtteil North Beach gibt es fast ausschließlich italienische Cafes, Bars und Restaurants, wieder etwas teurer. So kann man seine Tage verbringen. Die Piers an der Bucht sind nett, aber leider sehr touristisch und überteuert. Von dort kann man eine Tour zur ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz machen, die aber schon Monate im Voraus ausgebucht ist.

Ich hatte Glück und war auch über den 4. Juli, den US-Unabhängigkeitstag, in San Francisco. An dem Wochenende war viel los. Mit Leuten aus dem Hostel besuchte ich ein Jazzfestival mitten in der Stadt und ein Elektrofestival an einem Pier. Eine Chinesin wunderte sich morgens, dass auf den Straßen nichts los sei, bei ihr daheim sei das anders. In den USA schläft man an Feiertagen eben erstmal aus. Auf dem Rückweg fuhren wir mit der berühmten Cable Car. Eigentlich kostet eine Fahrt sieben Dollar. Jemand aus unserer Gruppe fragte aber den Fahrer, ob wir einfach so mitfahren dürften, und der Fahrer sagte einfach ja. Abends waren wir beim großen Feuerwerk wieder an einem Pier.

Im Hostel hatte ich mich insbesondere mit einer schwarzen Amerikanerin mittleren Alters angefreundet. Sie bewirbt sich gerade im Finanzdistrikt bei Banken. Sie hat ganz gute Chancen und will sich dann eine Wohnung oder eine WG im Zentrum von SF suchen. Die Zimmer fangen hier bei 3000 Dollar im Monat an. Abends haben wir zusammen Jeopardy geschaut.

In San Francisco wirkt das Internet noch realer als sonst. Ob man Tickets kauft oder irgendwas anderes plant, für alles gibt es schon ein Start-Up, das alles ganz einfach und günstig macht. In der Nähe des Hostels war das Twitter-Hauptquartier, dessen Eingang zwischen zwei Hochhäusern liegt. Die Türen waren verschlossen und von vier Securities bewacht. Direkt nebenan ist ein gut besuchtes 24-Stunden Fitnessstudio, gegenüber sind Restaurants und überteuerte Supermärkte. Nichts besonderes also.

Das Google-Hauptquartier war ein wenig interessanter. Dieses liegt in Mountain View, einem Örtchen circa eine Stunde südlich von SF, das man mit dem Zug ganz gut erreichen kann. Leider war ich am Sonntag nach dem 4. Juli dort und es war fast nichts los. Der Google-Campus ist riesig groß, überall stehen Fahrräder zur freien Benutzung herum. Man kann sich als Besucher registrieren und dann kostenlos Getränke und Obst abgreifen. Vor den Gebäuden gibt es viele nette Sitzgelegenheiten im Schatten. Auffallend ist der unterschiedliche Stil der Gebäude. Die ältesten wirken noch von 2000er-Jahre-Nerds gebaut, die neuesten dagegen sind sehr schick. Mitten auf dem Campus steht ein mobiler Friseur, Motto: „Get in. Get out. Get on with life.“ Abends traf ich mich in Mountain View mit Judith, Martin und Emil aus der Heimat zum Essen, das war sehr schön.

Die Tage vergingen so schnell, dass ich es fast nicht geschafft hätte, die Golden Gate Bridge zu besichtigen. Das ging ganz gut mit einem Fahrrad. Die Brücke ist atemberaubend und wird ihrem Ruf gerecht. Leider ist sie sehr stark befahren.

Schließlich versuchten wir noch, auf hohe Gebäude hinaufzukommen. Ganz gut geht das bei Hotels. Dort muss man einfach reingehen und ohne zu zögern auf einen Fahrstuhl zusteuern, dann denken die Angestellten, man wäre ein Gast.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s