Kolumbien 1: Bogota

Wer an Kolumbien denkt, denkt meistens an Drogenhandel (Kokain!), wilde Schiessereien und Entführungen. Bis vor vielleicht 15 Jahren stimmte das auch. Seither hat sich die Lage aber stark gebessert. Wie man allerorten hört, ist es in den für Reisende interessanten Gebieten nicht mehr gefährlicher als im Rest Mittel- und Südamerikas. Das heißt, man muss gut aufpassen und ein paar Regeln beachten: keine Wertsachen offen vorzeigen, nicht alleine in einsamen Straßen rumlaufen, nachts am besten gleich nur Taxi fahren (sehr günstig), überhaupt immer möglichst wenig mitnehmen und wenn man dann doch mal ausgeraubt wird, alles schön brav hergeben. Die FARC, die linksgerichtete Rebellengruppe, ist zwar immer noch aktiv und verübt hin und wieder mal Anschläge, jedoch ist es wohl bedeutend wahrscheinlicher, bei einem Autounfall etwas abzubekommen. Alsos nochmal: gut uffbasse.

Nach etwas mehr als 24 Stunden in Bogota wurde ich auch tatsächlich gleich beklaut. Und zwar von der Polizei. Auf einem Roller kamen zwei Polizisten angerauscht, hielten mich an und ließen mich mit den Händen nach oben und Beinen auseinander an der Wand stehen. Sie tasteten mich von oben bis unten gründlich ab, durchsuchten alle Taschen und langten mir sogar in die Socken. Irgendwann durfte ich weitergehen und alles war okay. Als ich eine Stunden später im Hostel ein Bier kaufen wollte, merkte ich, dass meine Scheine fehlten – zum Glück nur 11 Euro. Unglaublich. Da fiel mir auch erst auf, dass sie mir meine leeren Taschen quasi vorführten, auch die, in der das Geld war. In der Aufregung hatte ich einfach vergessen, dass ich Scheine in der einen Hosentasche hatte. Was wäre passiert, wenn ich das sofort gemerkt hätte? Vielleicht ist es ganz gut, dass ich gar nicht die Möglichkeit hatte, zu protestieren. Am Ende „finden“ sie noch Drogen und verlangen Hunderte von Dollars, wenn ich nicht ins Gefängnis möchte.

Bogota hat 7,4 Millionen Einwohner und liegt auf 2600 Metern Höhe. Es wird deshalb nie wirklich heiß, gerade sind es tagsüber 15 Grad, wobei die Sonne manchmal gut wärmt, und nachts wird es recht kühl. Manchmal regnet es unvermittelt, es ist eher ein leichtes Nieseln und bald schnell wieder vorbei. Wegen der Höhe gibt es hier keine Insekten, das ist natürlich sehr angenehm und erklärt, warum so viele Leute hier leben. An Kolumbiens Karibikküste wird man von Moskitos aufgefressen, da bin ich schon gespannt drauf. Gerade zu Beginn merkt man die dünne Luft. Immer mal wieder muss man langsam machen und tief einatmen, und genug Sauerstoff zu bekommen.

Vorher hatte ich überhaupt keine Vorstellung von Bogota. Trotzdem bin ich überrascht, wie angenehm hier alles ist. Es ist relativ sauber, der Verkehr ist nicht zu schlimm, sogar die Luft ist relativ gut, abgesehen von den großen Straßen. Aus manchen Bussen kommen große dunkle Abgaswolken heraus. Auch in Hostels, Cafes und Restaurants ist es sehr sauber, gerade die Toiletten und Duschen sollen nicht unerwähnt bleiben. Das habe ich alles auch schon ganz anders erlebt. Im Osten grenzt die Stadt durchgängig an eine hohe Bergkette, was von vielen Straßen aus tolle Blicke ergibt. Vieles erinnert an die 90er Jahre, die Häuser, die Autos und die Leute. Auf den Straßen sieht man keine Smartphones und niemanden mit Kopfhörern, alle halten sich daran, nichts zu zeigen. Nach Monaten in teuren Ländern sind die Preise aber das Allerbeste. Die sind nämlich wie in den 60ern. Hostel 7 Euro, Essen im Restaurant inklusive Bier 5 Euro, und jeden Tag esse ich einen riesigen Haufen leckere Früchte für nur 2 Euro. In einem sehr gepflegten Second-Hand-Laden kaufte ich eine Lederjacke für 7 Euro und eine Winterjacke für 14 Euro (die wird noch gebraucht!). Endlich wieder ein König.

Überall sind Polizisten zu sehen und viele Einrichtungen haben Wachleute. Will man irgendwo hinein, manchmal auch in Cafes, muss man oft klingeln und wird erst dann eingelassen. Der Sicherheitsbranche muss riesig sein. Grundstücke sind von Gittern umgeben, auch Fenster sind bis in den ersten Stock vergittert. Das erinnert an Kapstadt, jedoch ist es hier viel weniger auffällig, und nach kurzer Zeit vergisst man das.

Interessant ist das technokratische Straßensystem. Zum größten Teil ist dieses quadratisch (wie in Manhattan, Yangon und Mannheim), dazu kommt aber noch dass die Straßen von Nord nach Süd alle Carrera und die von West nach Ost alle Calle heißen, jeweils mit einer Nummer versehen. So findet man sich gut zurecht. Fun Fact: In Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, haben nicht die Straßen Namen, sondern die Straßenecken. Will man eine Straße benennen, nennt man zwei Ecken.

Das erste Wochenende verbrachte ich im wundervollen historischen Viertel La Candelaria. Es fahren kaum Autos auf den engen Straßen, die Häuser sind nur einstöckig und bunt bemalt, es gibt schöne Hinterhöfe und immer mal wieder tolle Graffities. Nicht nur weil ich eine Nacht nicht geschlafen hatte, kam es mir vor wie in einem Traum.

In der Nähe von La Candeleria befindet sich auch der wichtigste Platz der Stadt, der Plaza de Bolivar, sowie der Präsidentenpalast und viele Ministerien, die sehr prächtig wirkten.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der Montserrat, ein 3100 Meter hoher Berg in der Nähe von La Candelaria. Der Marsch die Treppen hoch dauert ca. 90 Minuten. Wegen der Höhe ist es sehr anstrengend. Viele Leute nutzen es zum Sport. Oben steht eine schöne Kirche, die bei meinem Besuch gut besucht war. Die erste Messe morgens ist um 6 Uhr. Es führt auch eine Seilbahn nach oben. Das Beste sind aber die Blicke über die riesige Stadt.

In den Hostels trifft man viele Südamerikaner, die den Rest der Welt leider nicht so zahlreich bereisen, aus Chile, Venezuela, Argentinien, Uruguay, Brasilien, und so weiter. Das ist wirklich toll. Die meisten sprechen nur ganz wenig Englisch. Überhaupt ist es zum Reisen in Südamerika empfehlenswert bis notwendig, Spanisch zu sprechen. Deshalb machte ich die erste Woche in Bogota einen Intensiv-Sprachkurs. Obwohl ich mich für einen Gruppenkurs angemeldet hatte, bekam ich Einzelunterricht, da ich der einzige Anfänger war. Nach einer Woche klappt es nun schon einigermaßen, das größte Problem sind die fehlenden Wörter, aber die werden nach und nach schon kommen. Es macht auf jeden Fall viel Spaß, mit anderen Leuten auf Spanisch Konversation zu betreiben. So hatte ich die letzte Woche morgens Unterricht und machte nachmittags Aufgaben, immer in einem anderen netten Cafe.

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