Kolumbien 2: Villa de Leyva

Von Bogota ging es für nur 7 Euro in einer fünfstündigen Busfahrt nach Villa de Leyva. Dies ist ein mit mittlerweile fast 20.000 Einwohnern gar nicht mehr so kleines Dorf. Es wurde im 16. Jahrhundert von spanischen Kolonisatoren gegründet. Das Besondere daran ist, dass der damalige Kolonialstil bis heute original erhalten geblieben ist.

Im Zentrum des Dorfes ist der Plaza Major, ein sehr großer, rechteckiger Platz, der mit alten Pflastersteinen ausgelegt ist. Die Pflastersteine sind auch in den Straßen um den Platz herum. Sie sind sehr uneben, weshalb alle Leute langsam gehen. Dies gibt das gemütliche Tempo des gesamten Ortes vor. An einer Seite des Plaza Major befindet sich eine sehr schöne Kirche. Weiter hat es am Platz und in den Straßen um ihn herum viele gemütliche Restaurants, Kneipen und Cafes. Die Häuser sind nur einstöckig und alle sehr schick und gemütlich eingerichtet. Oft sind auch die schönen Hinterhöfe und Gärten öffentlich zugänglich. An einer Ecke sind vier Innenhöfe miteinander verbunden, dort befinden sich sage und schreibe neun verschiedene Restaurants und Cafes. Abends leuchten die sehr stilvollen, an Häusern angebrachten Straßenlaternen in einem orangenen Licht. Als wäre das alles noch nicht genug, liegt Villa de Leyva in einem Tal, umgeben von einer schönen Bergkette.

Villa de Leyva ist wirklich ein wunderschöner Ort und dementsprechend beliebt bei den Kolumbianern. Kriminalität wie in Bogota gibt es hier keine, wie mir einige Leute versicherten. Am Wochenende kommen unzählige Besucher aus Bogota. Dagegen ist unter der Woche recht wenig los und viele Restaurants haben geschlossen. Letzteres musste ich schmerzlich erfahren, als ich vor den verschlossenen Türen eines Steakhauses stand, dessen Rinderfiletspitzen für 10 Euro ich mir bis zum Schluss aufheben wollte. Bei meinem Besuch war sogar ein langes Wochenende, denn am 20. Juli war in Kolumbien Unabhängigkeitstag. Überhaupt gibt es in Kolumbien im Jahr relativ viele Feiertage. Dabei sind die Kolumbianer so schlau, dass die zugehörigen arbeitsfreien Tage immer auf einen Montag gelegt werden, was zu vielen langen Wochenende führt.

Meine vier Nächte verbrachte ich in einem kleinen Hostal, das von einer sehr netten älteren Frau geführt wurde. Es war nur noch ein Bett frei (7 Euro), das unterm Dach war, und zu dem ich jedes Mal eine vier Meter hohe Leiter hochsteigen musste. Nicht nur im Hostal war überall wieder alles sehr sauber. Oben war sonst niemand, und so war das fast wie in einem Einzelzimmer. Leider nur fast, denn die Kolumbianer weiter unten machten ab früh morgens viel Lärm. In Bogota war das auch schon etwas nervig. Ich hoffe wirklich, dass die Unsitte, in einem Schlafsaal überhaupt nicht auf schlafende Leute zu achten, nicht in ganz Südamerika verbreitet ist. Die Südamerikaner selber ließen sich beim Schlafen von Krach überhaupt nicht stören, vielleicht erklärt das ja, warum sie selber nicht so sehr auf Ruhe achten. Ist auch alles halb so wild. Die Frau wollte immer mit mir erzählen, und gerne hätte ich das auch getan, leider redete sie immer drauf los und war jedes Mal wieder überrascht, dass ich dazu nur „yo no comprendo“ sagen konnte. Einen Abend hatte sie mal Besuch von einer Freundin, mit der es viel besser klappte, weil sie nur einfache Worte benutze und kompliziertere Dinge schön umschrieb. Ein wenig hatte ich den Eindruck, dass die Besitzerin dachte, ich rede viel lieber mit ihrer Freundin als mit ihr.

Ansonsten konnte ich mich aber ganz gut mit den Kolumbianern verständigen, wobei ich nach einiger Zeit eben immer alles gesagt hatte, was ich sagen konnte. Am ersten Abend trank ich zuerst ein Bier zusammen mit David, der Pferdetouren für Touristen anbietet. Er kommt ursprünglich aus Bogota und ist sehr froh, jetzt in Villa de Leyva zu sein. Er wohnt alleine in einem kleinen Appartment, für das er aber auch nur 100 Euro im Monat bezahlt. Kurz nachdem David nach Hause ging, geriet ich in eine Gruppe junger Kolumbianer, die mich bis früh morgens auf ihre Feiertour mitnahmen. Das war wirklich sehr lustig. Immer wieder gab es „Nectar“, den kolumbianischen Nationalschnaps, der so ähnlich schmeckt wie Ouzo. Am Ende sagte ich nur noch Dinge wie „mucho schnapso“. Mit einem Brummschädel machte ich mich am nächsten Mittag auf der Suche nach Frühstück.

DSC08457 (Medium)

Und gleich geriet ich wieder in eine Gruppe Kolumbianer. Die hatten groß Essen aufgetischt, leckere Kartoffeln und Grillwürste, und waren alle schon weiter als nur beim ersten Bier. Ich hatte keine Wahl und musste auch ein Bier trinken und alle Würste probieren. Dem zweiten Bier konnte ich gerade so entkommen. Der Spitzname von Kolumbien ist auch „Locombia“, wobei „loco“ verrückt bedeutet.

Am folgenden Tag wollte ich eigentlich zu einer Lagune wandern, jedoch regnete es morgens stark und so blieb ich noch einen Tag im Dorf. In der Nähe besuchte ich ein Terracottahaus, das stark an Gaudis Kunst in Barcelona erinnerte.

Am nächsten Tag war das Wetter besser, und so ging es zur Laguna de Iguaque im gleichnamigen Nationalpark. Die Lagune liegt auf 3600 Metern Höhe, und man wandert von 2800 Metern Höhe auf ca. 7 Kilometern dort hin. Der Eintritt kostet 13 Euro, was sich aber auf jeden Fall lohnt. Im Bus traf ich eine sehr nette Schweizerin und war froh, nicht alleine wandern zu müssen. Auf dem Weg trafen wir nur zwei andere Leute. Besonders beim letzten Abschnitt ging es recht steil nach oben. Es war teilweise sehr rutschig. Zwischendurch regnete es stark und es wurde kalt. Man merkte die Höhe sehr deutlich, wir machten aber schön langsam und so kam keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Nach fünf Stunden erreichten wir die schöne Lagune. Aus ihr fließt ein rauschender kleiner Fluss ab. Für die Ureinwohner dieser Gegend war das ein heiliger Ort. Sie glaubten, dass alles Leben von der Lagune kommt. Auf dem Rückweg war das Wetter besser und so gab es noch tolle Blicke in die Täler. Der Rückweg dauerte nur noch drei Stunden, und kamen genau richtig zum letzten Bus ins Dorf, der schon um 16 Uhr fährt.

 

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