Kolumbien 5: Cartagena, Medellin und Guatape

Nach Dschungel und Wüste ging es in zwei der schönsten Städte Kolumbiens, nämlich nach Cartagena und Medellin. Cartagena liegt fünf Busstunden westlich von Santa Marta an der Karibiküste. Es war noch ein Stück heißer und drückender als zuvor in Santa Marta. Die Stadt ist sehr groß und hat eine moderne Skyline an der Küste. Interessant für Besucher ist die wunderschöne historische Altstadt, die östlich der Skyline ebenfalls an die Küste reicht und von einer hohen alten Stadtmauer umgeben ist. Dort gibt es schöne bunte Häuser, Balkons voller Blumen, kleine Parks, Plätze, Statuen, Kirchen, Pferdekutschen, Restaurants, Bars und so weiter, also alles, was eine Altsstadt den Touristen so bieten kann. Einige schöne Gebäude sind noch nicht restauriert, das passiert bestimmt in den nächsten Jahren. Von der Stadtmauer sieht man die Skyline. Ich entdeckte eine kleine Kaffeebar, wo man sich aussuchen kann, mit welchem Spezialgerät der Kaffee gebraut werden soll.

Cartagena hat auch einen wichtigen Hafen. Im Hostal war ein Deutscher, der gerade ganz Südamerika mit dem Motorrad durchquert hat und es nun von hier nach Portugal verschifft. Von Cartagena aus starten jeden Tag auch unzählige Segelboote nach San Blas in Panama. Die fünf- bis sechstägige Reise kostet 500 Euro, man kommt an vielen kleinen karibischen Inseln vorbei. Von dieser Reise wurde mir schon in Indien erzählt. Auf Plakaten machen manche Boote Werbung mit ihren großen Kühlschränken für Getränke. Der Weg von Panama über Land nach Kolumbien ist schwierig und zweitweise auch unmöglich, so dass der Segeltörn eine tolle Alternative ist. Nicht weit weg von Cartagena gibt es auch den Playa Blanca, einen schönen Strand, sowie die Islas de Rosario, eine Ansammlung von kleinen Koralleninseln. Als Backpacker übernachtet man nicht in der Altstadt, das ist viel zu teuer, sondern im angrenzenden Stadtviertel Getsemani. Dort ist es günstig und es geht sehr heiß her: Sodom und Gomorra und Fear and Loathing in Cartagena.

Eine zwölfstündige Busfahrt bringt einen dann irgendwann weiter nach Medellin. Dort leben mehr als drei Millionen Menschen. Die Stadt liegt in einem sehr langgezogenen Tal und breitet sich immer weiter auf die umliegenden Hügel aus. Die Stadt war lange Zeit, und ist es wahrscheinlich immer noch, die Heimat des größten Drogenkartells Kolumbiens. Aus Medellin kommt insbesondere Pablo Escobar, der größte, berühmteste und gefürchtetste Drogenbaron aller Zeiten. Dieser ließ unzählige Menschen ermorden, auch viele Politiker und Richter, die seinen Geschäften gefährlich wurden. Einmal gab es fünf Kandidaten zur Wahl des kolumbianischen Staatspräsidenten, davon ließ er drei ermorden und der vierte zog sich in Todesangst zurück, bis nur noch „sein“ Kandidat übrig war. Als ihm die Polizei auf die Pelle rückte, ließ er den Justizpalast in Bogota in die Luft sprengen. In Medellin gab es eine Zeit lang ein Kopfgeld auf alle Polizisten. Das muss man sich mal vorstellen. Zu der Zeit konnte man sich als Ausländer unmöglich in Medellin aufhalten. Die gesamte Familie von Daniel, den ich auf La Guajira traf, flüchtete wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände von Medellin nach Cali. Escobar liebte Fast Food und war übergewichtig. Er hatte unzählige Geliebte, wurde aber eine davon schwanger, wurde sie ermordet. Der FC Bayern Kolumbiens, Atletico Nacional Medellin, verdankt seine Vormachtstellung der finanziellen Unterstützung Escobars. Bei den armen Leuten in Medellin war er dank seiner sozialen Projekte sehr beliebt und ist es bis heute noch. Sein Ende fand er Anfang der 90er Jahre standesgemäß im Kugelhagel einer amerikanisch-kolumbianischen Spezialeinheit.

Solche unwirklichen Geschichten gehören heutzutage irgendwie schon zur Popkultur. Es werden Touren zu Escobars Villen und seinen Ferienhäusern außerhalb von Medellin angeboten. Heute ist Medellin eine sehr sichere und moderne Stadt. Ich traf eine deutsche Austauschstudentin, die von der sehr guten Universität hier schwärmte. Ganz klar das Prunkstück ist die Metro. Auf ihrer Hauptlinie durchquert diese oberirdisch einmal die ganze Stadt, schnell, sauber und äußerst zuverlässig. Eine Fahrt kostet 60 Cent. Durch Abfahren aller Stationen ergibt sich eine wunderschöne Stadtrundfahrt. Angeschlossen an die Hauptlinien sind auch die Seilbahnen, welche in schwindelerregender Höhe auf den umliegenden Bergen liegende Stadtviertel anfahren. Insgesamt ist Medellin aber eher eine Stadt zum Leben, als zum Besuchen. Ich besuchte noch den schönen Botanischen Garten, wo riesige Echsen einfach frei herumlaufen, sowie das Planetarium und das Museum für Moderne Kunst.

In der Umgebung von Medellin gibt es noch einige nette Örtchen zu besichtigen. Ich entschied mich für Guatape. Dieses Dörflein liegt am Rande einer großen künstlichen Seenlandschaft und besteht, wie schon so einige andere Örtchen in Kolumbien, aus netten bunten Häuslein und einer großen Kirche am Dorfplatz. Höhepunkt ist dort ein riesiger Felsen, der einfach im Nichts steht und dessen Spitze man über genau 740 Treppenstufen erklimmen kann.

 

 

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