Kolumbien 7: Leticia und der Amazonas

Als letzte Etappe in Kolumbien ging es ganz in den Süden des Landes in den Amazonas. Dazu flog ich mit LAN Airlines für 60 Euro von Bogota in die Stadt Leticia. Diese liegt mitten im Amazonas am Dreiländereck Kolumbien, Brasilien und Peru. Leticia ist nur per Flugzeug und Schiff erreichbar, die nächste kolumbianische Straße ist 800 Kilometer entfernt. Wegen der Abgeschiedenheit der Region gibt es keine Grenzkontrollen, man kann einfach in die brasilianischen und peruanischen Gebiete reisen. Einen Stempel benötigt man erst, wenn man ein Schiff auf dem Amazonas nach Manaus (Brasilien) oder Iquitos (Peru) nimmt.

Leticia ist sehr unattraktiv, es ist etwas schmutzig und es sind viele laute Motorroller unterwegs. Die umliegenden Orte wie Tabatinga in Brasilien sind noch schlimmer. Man kommt natürlich auch nur wegen der Natur her. Es gibt größere und kleine Parks in der Nähe, wo Führungen angeboten werden. Viel schöner ist natürlich eine mehrtätige Tour. Ich buchte eine solche dreitätige Tour für 140 Euro. Außer mir waren noch vier andere Leute dabei, zwei Belgier, eine Französin und ein Deutscher. Es wurden drei wilde Tage im Dschungel.

Morgens um 8 Uhr trafen wir uns mit dem Organisator der Tour, Carlos. Zunächst mussten noch Gummistiefel für die Französin besorgt werden, denn diese hatte wirklich sehr kleine Füße. Dann ging es zum „Hafen“ in Leticia, der kaum mehr ist als eine Müllhalde direkt am Fluss, mit ein paar Stecken, an denen man die Motorboote festbinden kann. Dort wartete unser Capitano, der kambodschanische Vorfahren hat. Außerdem hat er zwei Ehefrauen und einen Ehemann. Wie mir versichert wurde, ist das auch im Amazonas recht ungewöhnlich.

Mit einem Motorboot ging es dann zunächst auf einem kleinen Fluss entlang, bis wir nach kurzer Zeit den sehr großen Rio Amazonas erreichten und diesem stromabwärts folgten. Das rechte Ufer ist hier peruanisches Staatsgebiet, das linke Ufer gehört zu Brasilien. Der Amazonas entspringt in den Anden, fließt durch Peru unter anderem an der Stadt Iquitos vorbei, dann an Leticia und viel weiter durch Brasilien hindurch an der riesigen Stadt Manaus vorbei, welche seit der letzten Fußball-WM viel mehr Leuten bekannt ist als vorher. Überhaupt ist der Fußball allgegenwärtiges Thema in Südamerika. Brasilien hat ja Kolumbien im Viertelfinale der WM rausgeworfen, eher unverdient, was besonders in der Grenzregion natürlich niemals vergessen werden wird. Dass Deutschland danach Brasilien abgeschlachtet hat, ist wohl der Hauptgrund dafür, dass in Leticia sehr viele Leute mit einem Deutschlandtrikot herumlaufen. Auf den Trikots steht übrigens „Alemania“, und nicht „Deutschland“. Schließlich mündet der Amazonas in den Atlantik.

Nach einer Stunde auf dem Amazonas erreichten wir dann den Rio Javari und folgten diesem ein Stück stromaufwärts, unter anderem an einem Ort mit dem seltsamen Namen Benjamin Constant vorbei. Wo der Javari auf den Amazonas traf, war die Strömung sehr stark und chaotisch. Schließlich bogen wir in einen Seitenarm des Javari ein und verbrachten die nächsten drei Tage auf peruanischem Staatsgebiet. Im Amazonas spielt das aber, wie gesagt, keine große Rolle. Zwischendurch hielten wir noch in einem Dorf, das komplett auf meterhohen Stelzen gebaut war. Im Winter steigt der Pegel des Amazonas dramatisch an. Durch den Klimawandel werden in den letzten Jahren auch ungewöhnlich hohe Pegelstände erreicht, weshalb an vielen Orten jetzt die Stelzen erhöht werden.

Irgendwann erreichten wir eine Art Hotel, mitten im Nichts. Es war recht komfortabel, inklusive Einzelzimmern. Nach dem Mittagessen (es war wie immer) ging es bald auf zum Fischen. Wir fuhren auf einem kleinen Seitenarm. Jeder bekam einen Stecken mit Angelschnur und Haken dran. Es sind unglaublich viele Fische im Amazonas. Überall springt und blubbert es. Kurz nachdem wir die Angel mit Köder (Fischreste vom Mittagessen) auswarfen, bewegte sich auch schon die Angelschnur. Wirklich einen Fisch herauszuziehen, war aber nicht so leicht, es war einiges Glück nötig. Trotzdem zogen wir insgesamt vielleicht 20 Fische heraus, die Hälfte davon Piranhas mit gefährlichen Zähnen. Die können einem auch schonmal einen Finger abbeisen. Jeder Fang wurde natürlich fotografiert. Es war ein Riesenspaß. Leider wurden die gefangenen Fische einfach ins Boot geworfen, bis sie nicht mehr zappelten. Und auf dem Heimweg wurden sie alle auf einem Stecken aufgespiest. Noch eine halbe Stunde danach bewegten sich manche Fische. Im Dschungel ist man nicht zimperlich. Zum Abendessen gab es dann die gefangenen Fische. Piranhas schmecken nicht schlecht, es gibt aber bedeutend leckerere Fischgerichte.

Nach dem Angeln suchten wir Delphine. Der Amazonas ist der einzige Ort der Welt, wo Süßwasserdelphine leben. Es gibt kleine, graue Exemplare, und größere, pinkene. Immer wieder sahen wir welche nicht zu weit weg, leider hatte aber kein Delphin Lust, näher heranzukommen und mit uns zu schwimmen. Schwimmen kann man an breiten und tiefen Stellen auch trotz der vielen Fische, da sie sich hier besser verteilen. Und Piranhas beißen nicht, angeblich.

Vor dem Abendessen ging es nochmal in der Dunkelheit auf den Fluss hinaus, um Kaimane zu sehen. Unser Führer, Pancho, fand einen kleinen und einen großen Kaiman am Ufer. Dann durfte ihn jeder einmal halten, Foto, und zurück mit ihnen ins Wasser. Warum die Kaimane nicht beißen, verstehe ich nicht. Große Kaimane greifen manchmal Boote an, aber nur solche, auf denen sich nur eine Person befindet. Bei mehr als einem Insassen halten sie sich zurück.

Abends gab es Caipirinha mit original brasilianischem Cachaza. Das schmeckte unglaublich lecker, machte zuerst unglaublich glücklich und am Ende unglaublich betrunken.

Am nächsten Morgen machten wir eine Wanderung durch den Wald, wobei Pancho, ausgerüstet mit einer Machete, uns viel über Bäume, Pflanzen und Tiere erklärte. Wie immer gibt es gegen fast jede Krankheit eine Pflanze. Wir fanden die Spuren eines Jaguars und sahen kleine Affen hoch oben auf den Bäumen herumspringen. Außerdem eine kleine Schlange, Riesenameisen und Taranteln. Der Wald an sich ist nicht viel anders als normaler mitteleuropäischer Wald, außer dass die Bäume viel höher sind, bis zu 80 Meter, und es viele Lianen gibt. Anders wird es dann nochmal im Hochdschungel, den man aber nicht so einfach erreichen kann. Im Winter, wenn die Flusspegel um viele Meter höher sind, sind große Teile des Waldes überflutet. Es fällt auf, dass sehr viele kleine junge Bäume aus dem Boden wachsen. Fast alle von ihnen sterben früh ab.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zu einer Art kleinem Zoo. Ohne Zäune, die Tiere werden gefüttert und leben bei der Familie. Dort gab es Affen, eine Anaconda, Schildkröten und große Fische. Die Affen sind sehr lustig und kletterten sofort an uns hoch. Dann wurden Augen zugehalten und geküsst. Die Anaconda, eine Würgeschlange, war sehr beeindruckend. Man konnte sie sich um Hals legen. Wenn die Schlange wollte, hätte sie jedem innerhalb von einer Sekunde das Genick brechen können. Diese Schlange hatte aber nicht vor zu langer Zeit gefressen und tötete deshalb niemanden. Wenn man auf eine wilde, hungrige Anaconda trifft, soll man übrigens nicht weglaufen, sondern sich langsam flach auf den Boden legen. Die Anaconda besteigt einen dann angeblich von den Füßen her und bewegt sich langsam auf den Kopf zu. Auf halber Höhe soll man ihr dann mit einem Messer den Kopf abschneiden. Klingt logisch.

Nachmittags wurde nochmal geangelt, und schon bald machten wir uns dann auf, die Nacht im Dschungel zu verbringen. Geschlafen wurde in Hängematten unter Moskitonetzen. Capitano und Pancho grillten Fische und ein Hühnchen, es war sehr lecker.

DSC09253 (Medium)

Nachts wachte ich immer wieder auf, weil Tiere in die Nähe kamen. Am nächsten Morgen hieß es, ein junger Jaguar wäre in der Nähe gewesen. Das glaube ich aber nicht so ganz, die können einem ja alles erzählen. Die Insekten waren sehr laut, trotzdem konnte man ganz gut schlafen. Am nächsten Morgen ging es dann nochmal an einer anderen Stelle zur Wanderung durch den Dschungel.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Boot den Weg wieder zurück nach Leticia. Auf dem Heimweg sahen wir ein Schiff, dass den Amazonas nach Gold durchsiebt, und große Holzstämme zum Abtransport in westliche Wohnzimmer. Ich finde, dass es keine Städte im Dschungel geben sollte. Die liefern nur die Infrastruktur, den Dschungel auszubeuten. Insbesondere Manaus ist ein Krebsgeschwür, das den Rio Amazonas unglaublich verschmutzt. Die Stadt gibt es zwar schon seit dem 17. Jahrhundert, trotzdem möchte ich, dass sie von dort weggeht.

 

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2 Gedanken zu „Kolumbien 7: Leticia und der Amazonas

  1. cinjapoe

    Hi
    Ich bin durch Zufall auf deinem Blog gelandet. Echt cool.

    Ich fahre im Oktober auch nach Kolumbien und recherchiere gerade über Letecia, finde aber wenig Infos.

    Kannst du mir mit ein paar Auskünften helfen?
    Wenn ich dort eine drei Tages Tour machen will, muss ich irgendwas vorher planen, oder findet man leicht touren die am nächsten Tag starten?

    Viele Dank!

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    1. Auf Achse Autor

      Sollte ohne vorherige Planung klappen, jedoch kann es sein, dass du dann bei der Tour Kompromisse eingehen musst. Du kannst bei Veranstaltern oder direkt in den Hostels nachfragen, es gibt viele Angebote. Den Kontakt zu Carlos hatte ich über die Touristinfo bekommen. Eine Tour kommt zustande, wenn sich genug Leute finden, die den Preis bezahlen. Je mehr Leute, desto günstiger für jeden. Im Prinzip machen sie auch für Einzelpersonen Touren, wobei das dann eher langweilig und teuer ist. Finden sich keine Leute für deinen Favoriten, dann musst du eben eine andere Tour machen.

      Gut verhandeln spart viel Geld, wir hatten einfach behauptet, von einem anderen Anbieter das Angebot für 140 Euro bekommen zu haben, dann ist Carlos auch auf den Preis runter.

      Es ist wirklich super cool im Amazonas. Ich wünsche dir ganz viel Spaß!!!

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