Peru 2: Paracas, Nazca und Chivay

Das Treffen mit Susanne an der internationalen Ankunft am Limaer Flughafen klappte problemlos. Einer der beiden Gringos aus Melbourne war auch noch dabei. Sein Freund blieb noch ein paar Tage in Iquitos, er wollte dort unter Anleitung eines Schamanen eine halluzigene Dschungeldroge ausprobieren. Hoffentlich übernimmt der Schamane auch das Einsprühen mit Mückenspray.

Zu dritt ging es dann mit dem Taxi ins schicke Viertel Miraflores. Wir hatten große Probleme, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Am Ende landeten wir auf einer Matraze auf dem Boden eines Hostels, für weniger als drei Euro. Das Wenige, was wir von der riesigen Stadt Lima (10 Millionen Einwohner, ein Drittel aller Peruaner leben hier) mitbekamen, erinnerte stark an eine südeuropäische Großstadt. Es war sehr modern und sauber, von Armut fast keine Spur. In einem luxuriösem Supermarkt gab es nur westliche Produkte. Überhaupt ist Lima bekannt für seine Museen und die leckere Küche. Besonders ist auch, dass es hier fast gar nicht regnet. Am Ende sparten wir uns aber den eigentlich geplanten Tag in der Stadt und machten uns nach dem Frühstück gleich auf Richtung Süden. Der Rest von Peru ist bedeutend interessanter. Hier die Route bis nach Chivay:

Das Busfahren in Peru ist leider etwas kompliziert. Es gibt viele verschiedene Firmen unterschiedlicher Qualität und Preise. Dazu gibt es keinen zentralen Busbahnhof, sondern man muss immer zum Busbahnhof einer Firma fahren. Eine verlässliche Internetseite mit allen Abfahrten scheint es auch nicht zu geben. Im Internet ein Ticket zu kaufen ist seltsamerweise auch teurer als am Schalter, wo man schonmal zwei Stunden warten muss, bis man drankommt. Wir konnten nur rechtzeitig unsere Tickets kaufen, weil uns ein sehr netter Peruaner mit auf seine Wartenummer nahm. Dann muss man noch mehrfach den Pass vorzeigen und es dauert ewig, bis das Gepäck ein- und ausgeladen ist.

Von Lima ging es in Richtung Süden auf der Panamericana Sur. Kaum aus Lima heraus, änderte sich das Bild völlig. In einer grauen Wüstenlandschaft sah man trostlos wirkende Dörfer, bestehend aus kleinen, heruntergekommenen Häusern, in ungewöhnlich großem Abstand voneinander gebaut. Es waren fast keine Menschen auf den Straßen zu sehen. Ganz schlimm war die Stadt Pisco, die 2007 ein schweres Erdbeben erlitt. Überall lagen dort noch Schutthaufen herum. Die meisten Häuser waren nur einstöckig, jedoch waren die flachen Dächer auch darauf ausgerichtet, ein weiteres Stockwerk draufzusetzen. Wie uns berichtet wurde, wartet man hier einfach, bis genug Geld für ein weiteres Stockwerk da ist. Dass es fast allen Leuten gleichzeitig so geht, macht alles sehr surreal.

In Paracas, beziehungsweise dem Wüstennationalpark auf der gleichnamigen Halbinsel, gibt es genau zwei interessante Dinge zu tun. Die lohnen sich aber wirklich. Zunächst kann man mit dem Boot zu den Islas Ballestas fahren, eine kleine, karge Inselgruppe voller Vögel, Humboldt-Pinguinen und Seelöwen, auch bekannt als Galapagos für Arme. Die Vögel sind eindeutig in der Mehrheit, unzählige davon verdunkeln den Himmel und die Oberfläche der Inseln. Ihr Vogeldreck (Guano) ist ein hervorragender Dünger, die Küsten Perus und Chiles sind voll davon. Zur Gewinnung des Guanos sind ganzjährig Arbeiter auf den Islas Ballestas. Das ist wohl einer der unattraktivsten Jobs der Welt. Sogar vom Boot stinkt es fürchterlich, wir bekamen auch gleich einen Gruß von oben ab. Die Blicke waren aber wunderbar.

Nachmittags ging es dann zu einer Rundfahrt durch die Wüste der Paracas-Halbinsel. Je nach Lichteinfall waren die Hügel rot, braun oder gelb. Die Wüste trifft dort auf den Pazifik, mit spektakulären Ausblicken auf steile Klippen und farbige Strände. Das Wasser ist sehr kalt. Am Strand lag ein riesiger toter Seelöwe.

In den Restaurants in Paracas gab es auch wieder den leckeren rohen Fisch, den ich schon im Amazonas hatte. Es ist ein peruanisches Nationalgericht und heißt Cheviche (klingt und schmeckt eher nach Tschechien als nach Peru).

Weiter ging es Richtung Süden zu den berühmten Nazca-Linien. Mitten in der dortigen Steinwüste wurden vor über 2000 Jahren hunderte von zum Teil sehr großen geometrischen Figuren und Zeichnungen aller Art in den Boden geschliffen, unter anderem ein Affe, ein Kolibri und ein winkender Mensch. Der genaue Ursprung und Sinn davon sind unbekannt. Unter anderem gibt es Zusammenhänge mit Sternkonstellationen, und am Ende mancher Figuren wurden Überreste von Fruchtbarkeitsritualen gefunden. Erkennen kann man die Figuren am besten vom Flugzeug aus, was zu Spekulationen über Außerirdische oder eine hohe technische Entwicklung der Paracaskultur führt. Da man die Figuren aber auch von den umliegenden Hügeln aus sieht, tippe ich auf eine ganz banale Mischung aus Religion und Kunst. Die Mathematik, eine Zeichnung von kleinem Maßstab auf sehr großen Maßstab zu übertragen, gab es sicher auch schon vor über 2000 Jahren, so schwierig ist das nicht. Meinem Eindruck nach gibt es den Mythos Nazca hauptsächlich für den Tourismus. Der Überflug in einer Cessna (Sechssitzer) kostet gesalzene 90 US-Dollar. Am Ende waren der Flug selbst und die Ausblicke auf die Wüste interessanter als die Nazca-Linien selbst. Wegen den für meine Kamera schlechten Lichtverhältnissen sind die Linien leider nicht so gut zu erkennen.

Übrigens sind die Peruaner sehr katholisch. Abends schauten wir in Nazca bei einem völlig überfüllten Gottesdienst vorbei. Dieser wurde sogar mit Lautsprechern nach draußen übertragen, wo noch mehr Leute zuhörten.

Weiter ging es mit einem äußerst bequemen Nachtbus Richtung Anden in die Stadt Arequipa, gelegen auf 2350 Metern Höhe. Im Bus waren die immergleichen, meist schlecht gelaunten Gringogesichter. Die Route von Lima nach Süden heißt auch der Gringo-Trail, jeder besucht hier dieselben Orte. Man muss gut aufpassen, dass es nicht zu touristisch wird, denn dann bekommt man überhaupt nichts von der Gegend mit, wie sie wirklich ist, sondern nur das, was die Erwartungen des durchschnittlichen westlichen Langweilertouristen erfüllt, inklusive sinnloser Tänze und Märkte voller Schrott. Da bleibt man besser zu Hause und schaut eine Doku. In Arequipa gab es außer einer Kirche und einem Kloster auch nichts zu sehen. Von der Stadt aus sind überall schneebedeckte Vulkane zu sehen, die bis zu 6000 Meter hoch sind. Einen davon, den El Misti, kann man in einer zweitätigen Tour besteigen.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus weiter ins Dorf Chivay (3630 Meter), das am Rande des Colca-Canyons liegt. Die vierstündige Fahrt dorthin war spektakulär, es ging durch karge Fels- und Hügelandschaften bis auf 4910 Metern Höhe. Zwischendurch schneite es ein wenig.

In Chivay blieben wir zwei Nächte: zum ersten Mal seit einer Woche also mehr als einmal im selben Hostel. Das Reisetempo ist gerade hoch, es macht aber sehr viel Spaß und lohnt sich. Von Chivay aus kann man nun in den Colca-Canyon wandern, mit wunderbaren Ausblicken auf schneebedeckte Berge und bunte Terassenfelder. Die Farben sind sehr intensiv. Man kommt an immer gleich aussehenden kleinen Dörfern vorbei, mit einer Kirche im Zentrum.

Die Frauen sind in dieser Gegend in der typischen Tracht gekleidet. Auf dem Rücken tragen sie einen aus Tüchern gebundenen Rucksack, manchmal ist dort auch ein Kind drin. Die Gesichter deuten auf Nachfahren der Inkas hin. Man sieht eher weniger junge Leute, die sind wohl alle in Städte ausgewandert.

Am Morgen des letzten Tages machten wir den Fehler, eine Tour weiter in den Canyon hinein zu buchen, um Andencondore zu sehen. Es war fürchterlich touristisch. Es kam dann aber etwas anders als gedacht. Eigentlich muss man 20 Euro Touristengebühr zahlen, wenn man nach Chivay reist. Bisher hatte uns niemand darauf angesprochen, wahrscheinlich, weil wir mit einem öffentlichen Bus anreisten. Für die Condortour hätten wir die Gebühr plötzlich zahlen sollen. Am Ende sind wir dann quasi aus dem Touribus rausgeflogen, mitten im Nichts an einem Aussichtspunkt. Immerhin sahen wir dort auch ein paar schöne Condore. Zurück ging es dann zunächst per Anhalter mit einem LKW bis ins nächste Dorf, und dann mit einem Collectivo wieder bis nach Chivay. Das war viel lustiger als die Touri-Tour.

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