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Peru 3: Der Salkantay-Trek zum Machu Picchu

Vom Colca-Canyon ging es mit dem Bus an atemberaubender Kulisse vorbei in die Stadt Puno, zum Titikakasee. Von hier ist Bolivien nicht mehr weit. Der See liegt auf 3800 Metern Höhe und ist der am höchsten gelegene schiffbare See der Welt. Die Luft ist dünn, die Sonne brennt unerbittlich und nachts wird es sehr kalt. Im eigentlich ganz netten Hotel war es ohne Schlafsack nicht auszuhalten. Man hat ständig einen trockenen Mund und eine unangenehme Art von Durst. Der Coca-Tee, das traditionelle Höhengetränk der Inkas, hilft ein wenig. Die Coca-Blätter sind in Deutschland verboten, obwohl Welten zwischen dem Tee und Kokain liegen. Die USA wollen den Südamerikanern auch ernsthaft die Coca-Pflanze verbieten, obwohl diese seit Jahrhunderten in den Anden gegen die Höhe konsumiert wird und wohl mit eine Grundlage des Inkareichs war.

Die rauhen Bedingungen am Titikakasee haben uns ziemlich zugesetzt, so dass wir drei Tage lang flach lagen und leider keine der schönen Inseln auf dem See besuchen konnten. Es reichte gerade so für einen Ausflug zum Südufer des Sees, mit tollen Ausblicken.

Immer noch etwas angeschlagen ging es zur allerletzten großen Etappe, dem fünftägigen, mehr als 80 Kilometer langen Salkantay-Trek mit dem Machu Picchu als Ziel. Letzteres ist eine sehr gut erhaltene Inkastätte aus dem 15. Jahrhundert, auf 2430 Metern vor malerischer Kulisse gelegen. Viele schöne alte Inkapfade führen zum Machu Picchu. Der bekannteste heißt einfach Inka-Trail. Auf diesen dürfen nur 200 Leute pro Tag loswandern, man muss mindestens ein halbes Jahr vorher reservieren. Auf jeden Touristen kommt mehr als ein einheimischer Helfer. Die Gepäckträger müssen dabei bis zu 30 Kilogramm schwere Rucksäcke schleppen, da Pferde den Weg nicht gehen können. Das ist Sklaverei, sollen die Touristen ihre Sachen doch selber tragen, oder auf einem anderen Inkapfad wandern, wo Pferde das Gepäck übernehmen können. Nachdem die Spanier die Inkas im Mittelalter abschlachteten, dürfen die Nachfahren der einen nun die Schminkbeutel der anderen tragen.

Für den Salkantay-Trek muss man nicht im Voraus buchen. Wir zahlten 240 Dollar, inklusive Eintritt zum und Rückfahrt vom Machu Picchu per Zug, was alleine schon über 100 Dollar ausmacht. Es war wunderschön und sehr anstrengend. Es kam nochmal alles zusammen: Berge, Gletscher, Dschungel, blutsaugende Moskitos, rauschende Flüsse, Hitze und Kälte.

Los ging es von der schönen Stadt Cusco, auf 3300 Metern gelegen, die früher die Hauptstadt des bis zu 13 Millionen Menschen umfassenden Inkareichs war. Ich war wieder fit genug, den letzten Rest Erkältung wanderte ich einfach weg. Am ersten Tag ging es hoch auf 3900 Meter zur Soraypampa, ein langgezogenes Tal, das am einen Ende vom über 6000 Meter hohen, schneebedeckten Berg Humantay begrenzt wird. Schon von sehr weit weg sieht man die steile weiße Wand des Humantay. In der Soraypampa war auch das erste Camp. Nach dem Mittagessen ging es weiter steil nach oben, bis auf 4200 Meter Höhe, zum Humantay Gletschersee. Die Nachmittagssonne ließ diesen in wunderschönem Blau schimmern. Die umliegenden niedrigeren, nicht schneebedeckten braunen Berge sahen aus wie von der Sonne angeschmolzen.

Die Nacht im Camp war kalt, aber nicht so kalt wie befürchtet, vielleicht 3 Grad über Null. Von Mitternacht bis zum frühen Morgen regnete es sehr stark. In höheren Lagen schneite es, so dass sich die Kulisse am nächsten Morgen etwas geändert hatte. Früh um 6:30 Uhr ging es weiter zum dreistündigen Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour, auf 4630 Metern Höhe. Es war steil und zu Beginn recht kalt, später brannte wieder die unerbittliche Höhensonne. Wer nicht hochlaufen konnte, nahm sich für 30 Euro ein Pferd. Überhaupt kamen uns unzählige Pferde entgegen, welche wohl das Gepäck der gestrigen Tour getragen hatten. Die Ausblicke, unter anderem auf den namensgebenden Berg Salkantay, waren überragend.

Nach dem höchsten Punkt ging es fünf Stunden lang nur bergab, zum auf 2900 Meter gelegenen Camp bei Chawllay. Die Umgebung änderte sich schnell, es wurde viel wärmer und grüner, die immer dichter werdende Luft tat sehr gut. Irgendwann kamen auch die ersten Moskitos, kleine Mücken, die mich an die Sandfliegen in Neuseeland erinnerten. Am Ende muss man nur die Stiche ertragen, Krankheiten wie Dengue oder Malaria gibt es in diesen Höhen nicht. Zeigte man ein nacktes Bein ohne Insektenschutzmittel, begannen nach kurzer Zeit viele kleine Punkte zu bluten. Manche Leute wurden so verstochen (oder besser ließen sich verstechen), dass sie deshalb zum Arzt mussten.

Am dritten und vierten Tag ging es auf schönen Wegen weiter durch grüne, von dichtem Wald bestückte Täler. Im Dörflein Santa Teresa, auf nur noch 1500 Metern, besuchten wir nachmittags ein Thermalbad. Am Morgen des vierten Tages konnte man Zip-Line fahren, 300 Meter über dem Boden. Schon vom Betrachten des Videos bekam ich fast einen Herzinfarkt, das ist nichts für mich. Zur Mittagszeit erreichten wir dann bei großer Hitze die Umgebung des Machu Picchu. Das letzte Stück ging an Bahngleisen entlang.

Das dem Machu Picchu am nächsten gelegene Dorf ist Aguas Calientes auf 2000 Metern Höhe. Erreichen kann man dieses nur zu Fuß und per Zug, was die Städte Leticia und Iquitos im Amazonas, die man nur per Flugzeug und Schiff erreichen kann, auf herrliche Weise ergänzt. Nach vier Tagen harter Wanderung führt einen dann ein schönes Ritual zum Sonnenaufgang am Machu Picchu. Man läuft um 4:30 Uhr in tiefster Dunkelheit los zur ersten Ticketkontrolle, die um 5:00 Uhr öffnet. Von hier führen ca. 1700 steile Treppenstufen die 400 Höhenmeter hinauf. Es ist extrem anstrengend, macht aber unheimlich viel Spaß. Nach 45 Minuten erreicht man den zweiten Kontrollpunkt, der um 6:00 Uhr seine Pforten öffnet. Danach hat man es geschafft und die wunderschöne alte Inkastätte liegt vor einem.

Der Ort Machu Picchu wurde im 15. Jahrhundert innerhalb von 60 Jahren erbaut. Nach der Invasion der Spanier und dem Niedergang des Inkareichs wurde der Ort aufgegeben, glücklicherweise blieb er den Spaniern unbekannt. Ganz vergessen wurde er nie, und dann im 20. Jahrhundert von westlichen Archäologen „wiederentdeckt“. Zur Blütezeit lebten dort 600 Menschen, Priester, Arbeiter und Soldaten. Zweck der Siedlung war wohl die Überwachung der umliegenden Täler. Auf Terassen wurden Lebensmittel angebaut, ca. 3 Monate pro Jahr konnte man sich so selbst versorgen. Den Rest der Zeit wurde man aus der Hauptstadt Cusco großzügig versorgt. Die Königsfamilie kam eine Woche pro Jahr vorbei und residierte im schönsten Haus des Ortes. Zur Inkazeit gab es kein Geld, nur Nahrung und ein Dach über dem Kopf waren wirklich relevant. Gold und Silber waren wertvoll wegen ihrer Ähnlichkeit zur Sonne und zum Mond.

Der Machu Picchu ist das Ende meiner Reise. Von dort ging es die vielen Treppenstufen wieder nach unten, dann abends in einen Zug und weiter in einem Bus zurück nach Cusco. Nach einer Nacht dort weiter mit dem Flieger nach Lima, von hier nach zwölf Stunden Wartezeit mit Copa Airlines nach Panama und schließlich mit Condor nach Frankfurt.

Vor elf Monaten sagte ich in Kapstadt zu jemandem: „Ich reise um die Welt, und heute ist der erste Tag!“. Heute ist der letzte Tag.